Politologe zu Ueli Maurers Sohn

19. Oktober 2018 19:57; Akt: 19.10.2018 20:46 Print

«Es ist wohl nicht einfach, berühmte Eltern zu haben»

Vor Gericht beklagt sich ein Sohn von Bundesrat Ueli Maurer, dass er aufgrund der Prominenz des Vaters gemobbt worden sei. Hat der Bundesrat einen Imageschaden zu befürchten?

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Das Bezirksgericht Hinwil hat einen der Söhne von Bundesrat Ueli Maurer zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 16 Monaten verurteilt. Der junge Mann wurde unter anderem wegen Raub, versuchter Erpressung und Fahrens in fahrunfähigem Zustand schuldig gesprochen.

Herr Bühlmann*, Ueli Maurers Sohn sagte während der Gerichtsverhandlung, dass er aufgrund der Prominenz seines Vaters seit seiner Kindheit unter grossem Druck gestanden habe. Immer wieder habe man es auf ihn abgesehen, habe ihn fertiggemacht, beleidigt. Darunter habe er «sehr gelitten». Hätte Ueli Maurer das bemerken sollen? Und was hätte er tun sollen?
Ich bin nicht Psychologe, kann mir aber vorstellen, dass es nicht einfach ist, ein Kind von Eltern zu sein, die in der Öffentlichkeit stehen. Vielleicht kann man das auch als Mahnung dafür nehmen, dass Politikerinnen und Politiker auch nur Menschen sind und – ungeachtet ihrer politischen Ausrichtung – Respekt verdienen.

Was bedeutet das Urteil für Bundesrat Ueli Maurer?
Egal, welche Funktion man hat: Eltern wollen grundsätzlich nicht, dass die Kinder mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Da Ueli Maurer eine Person des öffentlichen Lebens ist, wird das Urteil natürlich jetzt auch breit diskutiert. Das ist wohl weder für den Vater noch für den Sohn eine angenehme Situation.

Wollte Maurers Sohn deshalb erreichen, dass die Medien keinen Zugang zum Prozess erhalten?
Ja, eventuell ging es ihm darum, den Vater zu schützen. Dabei ist positiv zu werten, dass nicht der Bundesrat Ueli Maurer den Medien den Zugang verhindern wollte, sondern der Sohn. Das Bundesgericht hat dieses Anliegen aber abgelehnt. Das kann auch demonstrieren, dass vor Gericht alle gleich behandelt werden sollen.

Muss Bundesrat Ueli Maurer trotzdem einen Reputationsschaden befürchten?
Nein, das denke ich nicht. Die Öffentlichkeit wird zwischen den Taten von Vater oder Sohn unterscheiden können. Schliesslich gibt es keine Sippenhaft mehr, über das sind wir mittlerweile hinweggekommen.

2014 wurde der betreffende Sohn wegen Cannabisbesitz angezeigt, 2015 prallte er als 18-Jähriger unter Alkoholeinfluss in eine Hauswand. Wurde er einfach schlecht erzogen?
Da zu spekulieren, finde ich sehr schwierig. Es gibt kein Rezept für eine Erziehung, die verhindert, dass Kinder auf die schiefe Bahn geraten.

*Marc Bühlmann ist Politologe und Direktor von Année Politique Suisse an der Universität Bern.

(dk)