«Schawinski»-Studiogast

19. Dezember 2014 21:09; Akt: 19.12.2014 22:36 Print

«Es können nicht alle wie Aeschbacher sein»

von J. Büchi - Bachelor Vujo outet sich als Fan, für Natalie Rickli war er beleidigend und «unter der Gürtellinie»: So erinnern sich Promi-Gäste an ihren Besuch bei Roger Schawinski.

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Der Hahnenkampf zwischen Roger Schawinski und Andreas Thiel gibt nicht nur unter den Zuschauern zu reden. Auch unter den ehemaligen Gästen des Talkmasters und solchen, die seine Einladung in der Vergangenheit bewusst ausgeschlagen haben, ist eine lebhafte Debatte über Moderator und Sendeformat entbrannt. Die bekannte SRF-Kritikerin Natalie Rickli (SVP) schreibt auf ihrem Facebook-Profil: «Wer lässt sich in Zukunft wohl noch freiwillig – mit seinen eigenen Gebührengeldern – beleidigen?»

Die Konfrontation mit Thiel zeige einmal mehr, dass es richtig gewesen sei, nicht in die Sendung zu gehen, so Rickli. Vor fast drei Jahren hatte die SVP-Frau dem «Talker der Nation» einen Korb gegeben. Schawinski liess sich darauf mit den Worten zitieren, Rickli tauge wohl nur «für Kurzauftritte aus der zweiten Reihe der ‹Arena›». Bei einer anderen Gelegenheit sagte er, ein Auftritt bei ihm gelte in der SVP-Fraktion als Mutprobe – und Rickli habe diesen Mumm wohl nicht gehabt.

«Wer sich das antut, ist selber schuld»

Dagegen wehrt sich Rickli noch heute. Mit einer Mutprobe habe die Sendung nichts zu tun. «Sie ist schlicht irrelevant, weil sie nichts zur Meinungsbildung beiträgt und nur darin besteht, dass Schawinski seine Gäste unter der Gürtellinie angreift und beleidigt. Wer sich das antun will, ist selber schuld.»

Ähnlich äussert sich Politologin Regula Stämpfli auf Facebook, die einen Auftritt bei Schawinski 2012 platzen liess. «Obwohl ich keinen Millimeter mit Thiel einverstanden bin: Die Sendung zeigt, unter welchen Druck Thiel gesetzt wurde.»

Nicht so «weichgespült» wie andere Sendungen

Einer, der sich freiwillig diesem Druck aussetzte, ist FDP-Nationalrat Andrea Caroni. Er gibt unumwunden zu, der Auftritt sei für ihn eine Art Mutprobe gewesen. Schawis Beleidigung, er sei ein «Streber», prallte deshalb an ihm ab. «Nicht ganz korrekt fand ich dagegen, dass mir im Vorfeld die Gesprächsthemen der Sendung mitgeteilt wurden – und Schawinski vor laufender Kamera dann über ganz andere Sachen reden wollte.» Auch habe er am Talker die Fähigkeit vermisst, über sich selber zu lachen. «Wer so austeilt wie er, sollte eigentlich auch einstecken können.»

Trotzdem sagt Caroni: «Ich würde eine Einladung von Schawinski wieder annehmen.» Die Kritik am Format als solches könne er nicht nachvollziehen: «Schawinski ist zwar ein Pfau, aber er macht etwas, was sonst niemand macht im Schweizer Fernsehen – er führt richtig provokative Gespräche.» Die meisten anderen Sendungen seien sehr weichgespült. «Es können ja nicht alle so vor Verständnis triefen wie Kurt Aeschbacher.»

Vujo knackte Schawi

Allerdings gab es auch schon Schawinski-Episoden, in denen sich der Zuschauer fast schon in einer Sendung des einfühlsamen Aeschbacher hätten wähnen können. Seitdem nicht nur Ricklis und Stämpflis Absagen öffentlich thematisiert worden waren, sondern auch die generell tiefe Frauenquote in der Sendung, gab Schawinski seinen weiblichen Gästen immer öfter Zuckerbrot statt Peitsche. Im Gespräch mit Ex-Miss Melanie Winigier streifte er seine Rolle als bissigen Talker fast komplett ab – er war Wachs in ihren Händen.

Und dann gab es noch einen, der Schawinski auf seine ganz eigene Weise auflaufen liess: Vujo Gavric, «der Bachelor der Nation». Egal, wie sich Schawi anstrengte, Vujo in die Verliererrolle zu drängen – dieser behielt eine solche Heiterkeit, dass der Talker beinahe verzweifelte. Ob es um ein kursierendes Nacktbild ging («einfach ein cooles Foto») oder Vujos gescheiterte Fussballerkarriere («ich habe dafür Party gemacht») – der Bachelor hatte nichts zu verbergen.

«Er ist einfach der Profi»

«Ich habe einfach immer genickt und es mit Humor genommen, damit habe ich Roger aus dem Konzept gebracht», sagt Gavric auf Anfrage stolz. «Er hat mir nachher gesagt, ich sei ziemlich schmerzfrei.» Das Problem der Politiker sei, dass sie alles viel zu ernst nähmen und dadurch angreifbar würden. Vujo outet sich: «Ich bin ein grosser Roger-Fan. Ich finde: Er ist einfach der Profi.»

Zumindest quotenmässig hat Schawinski auch in der Thiel-Sendung erneut bewiesen, dass ihm niemand so leicht das Wasser reicht: Das Video wurde auf dem SRF-Player rund eine halbe Million Mal angeklickt – das ist ein Rekord.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mike Meier am 19.12.2014 21:36 Report Diesen Beitrag melden

    Klare Sache

    Das Video wurde wegen Andreas Thiel angeklickt und nicht wegen Roger Schawinski. Das sollte jedem klar sein. Also: Sag dem Andreas mal schön brav danke, Roger.

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  • Shake Miva am 19.12.2014 21:35 Report Diesen Beitrag melden

    Schutzengel

    Auch diesmal wird Roger de Weck seine schützende Hand über Roger Schawinski halten. Zustände fast wie bei der FIFA oder Süditalien.

  • René am 19.12.2014 21:32 Report Diesen Beitrag melden

    Klasse vs. keine Klasse

    Herr Aeschbacher hat Einfühlungsvermögen, Herr Schawinski hingegen benimmt sich wie ein Elefant im Porzellanladen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Renato Tivoli am 21.12.2014 11:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schawinski

    He Leute, Die Sendung heisst "Schawinski". Nicht "Mein Gegenüber" oder "vis-à-vis", "Heute zu Gast". Nein. Sie heisst so, weil sich die ganze Welt um diesen Gockel drehen muss. Ein Format, so unsymphatisch wie sein Moderator...

  • Pedro am 21.12.2014 00:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie wahr

    Wie bitte, Schawinski sei für seine guten Sprüche bekannt (Legende unter dem Bild)? Die sogenannten 'guten Sprüche' gehen allesamt zulasten seiner Gäste. Wehe, wenn Herr Mimose selbst einmal etwas einstecken muss. Fazit: Schawi hat null Humor, von Selbstkritik ist er chemisch rein.

  • Gspannt am 20.12.2014 23:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Giaccobo& Müller

    bin mal gespannt auf Sonntagabend, was die zwei zum aktuellen Thema zu sagen haben.

  • Sims am 20.12.2014 22:01 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn sich zwei Egomane streiten

    freuen sich die Voyeure und der Boulevard...

  • Quoten Sau am 20.12.2014 21:37 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Live Sendung!

    Das war ja keine Live Sendung es wurde ja aufgezeichnet ... das es im Einverständnis beider dann aber noch ausgestrahlt wurde sagt eigentlich alles!