Flug über AKW

11. August 2016 13:31; Akt: 11.08.2016 14:08 Print

«Es könnte Anschläge mit Drohnen geben»

In der Schweiz können Drohnen ungehindert über AKWs fliegen. Politiker fordern nun dringende Massnahmen, bevor es zu Drohnen-Anschlägen kommt.

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Ein Video des Aargauer Drohnen-Piloten Jürg Knobel sorgt für Aufsehen: Unbehelligt fliegt er mit seiner Drohne über den Kühlturm des AKW Leibstadt, einmal gar durch den aufsteigenden Dampf. Obwohl sie die Aktion für gefährlich halten, können die Betreiber nicht dagegen vorgehen. In der Schweiz ist der Flug über AKWs im Gegensatz zu Ländern wie Deutschland und Frankreich erlaubt.

Umfrage
Soll man mit seiner Drohne über AKWs fliegen dürfen?
8 %
3 %
38 %
39 %
9 %
3 %
Insgesamt 2346 Teilnehmer

Knobel wohnt in der Nähe des Kraftwerks und wünscht sich ein Flugverbot. Er stellt die Aufnahmen online und schreibt: «Ich wollte zum Nachdenken anregen darüber, wie einfach man mit einem solchen Fluggerät an Kernkraftanlagen herankommt, und etwas aufschrecken.»

«Der Bund muss sofort handeln»

Tatsächlich sind Politiker durch das Video alarmiert: «Es braucht dringend strengere Gesetze für den Gebrauch dieser Drohnen», sagt SP-Nationalrat Manuel Tornare. Terroristen könnten unbehelligt die Kraftwerke ausspionieren oder gar eine Bombe ins AKW transportieren. «Die nächste Generation von Terroranschlägen wird womöglich mit Drohnen ausgeführt.» Auch die Privatspäre der Bürger sei gefährdet. «Niemand wird gerne in der Badi gefilmt oder vom Nachbar ausspioniert.»


(Video: Youtube/Jürg Knobel)

Bereits 2013 reichte Tornare eine entsprechende Anfrage im Parlament ein, das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) arbeitete daraufhin einen Bericht aus. Mit diesem ist Tornare allerdings alles andere als zufrieden, denn beim Bazl sieht man keinen Bedarf für ein Flugverbot über Kernkraftwerken. «In Bern versteht man nicht, wie ernst die Lage ist. Der Bund muss sofort handeln, sonst ist es zu spät.»

Bazl sieht keinen Handlungsbedarf

In der Herbstsession will Tornare darum erneut einen Vorstoss einreichen, der eine stärkere Regulierung von Drohnen fordert. «Es braucht dringend Einschränkungen des Flugraums über möglichen Anschlagszielen und Flughäfen und ausserdem einen besseren Schutz der Privatsphäre.» Auch die Sicherheitspolitikerin Corina Eichenberger sieht Handlungsbedarf: «Die Schweiz hinkt in der Gesetzgebung zu Drohnen hinterher.» Sie unterstützt Flugverbote über Kernkraftwerken und eine Anpassung des Gesetzes, um die Privatsphäre besser zu schützen.

Beim Bazl sieht man weiterhin keinen Handlungsbedarf. «Einen Anschlag mit einer Drohne kann man zwar nicht ausschliessen», sagt Sprecher Urs Holderegger. Die Taktik sei jedoch wenig erfolgversprechend, denn selbst grosse Drohnen hätten nur eine beschränkte Nutzlast. «Eine Bombe in dieser Grössenordnung kann keinen grossen Schaden anrichten.» Höchstens das Stromnetz könne durch einen Drohnenangriff gestört werden.

«Bei Fukushima sagte man auch, es sei sicher»

Eine Flugverbotszone sei deshalb nicht verhältnismässig und ausserdem schwer durchzusetzen. «In Frankreich machen sich Drohnen-Piloten einen Spass daraus, trotz strengem Verbot über AKWs zu fliegen.» Einerseits gebe es bisher nur im militärischen Bereich eine effektive Drohnenabwehr. «Zwar wird mit Fangnetzen, Strahlungsgewehren oder gar Raubvögeln versucht, Drohnen vom Himmel zu holen, doch diese Methoden sind weit von der Marktreife entfernt.» Andererseits müssten auch die Drohnen-Piloten ausfindig gemacht werden. Um diese besser verfolgen zu können, arbeitet das Bazl an einer Registrierungspflicht für Drohnen. Jede Drohne soll mit einem Chip ähnlich einer SIM-Karte ausgestattet werden, damit das Gerät per Handynetz geortet und einem Besitzer zugewiesen werden kann.


(Video: Youtube/Politie)

Auch der Aviatikexperte Max Ungricht hält es für «undenkbar», dass eine Drohne die Sicherheit eines AKWs gefährden könnte. «Dennoch bleibt ein ungutes Gefühl, wenn man das Video sieht.» Schaden könne eine Drohne an den Verteileranlagen der Kraftwerke oder an Verkehrs-Knotenpunkten anrichten. «Auch über dem Zürcher Hauptbahnhof müsste man dann ein Flugverbot aussprechen.» Eine Registrierungspflicht sei jedoch wenig nützlich. «Wer kriminelle Absichten hat, wird sich wohl kaum registrieren.»

Die Einschätzung der Experten, dass die Schweizer AKWs vor einem Anschlag per Drohne sicher sind, teilt Tornare nicht. «Bei Fukushima sagte man auch, es sei vor einem Tsunami sicher, und dann passierte die Katastrophe.»

(the)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Müllimaa am 11.08.2016 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    Super Sache

    Super Sache dies so öffentlich herauszuposaunen. Fühle mich gleich viel sicherer.

  • Christopher D am 11.08.2016 13:45 Report Diesen Beitrag melden

    Oh das ist ja was ganz neues...

    Nein mal im Ernst. Ich habe schon vor einigen Jahren als Drohen neu aufkamen daran gedacht das man diese mit Sprengstoff bestücken könnte. Und wir haben auch mal zum spass mit einer kleinen Drone mit 300g Sprengstoff einen Morschen Baumstrunk angelogen und zerlegt. Das einzige was mich wundert ist wieso Politiker erst jetzt daruf kommen. Und wie soll man Handeln? Dronen verbieten. Kein Problem, die Teile zum eigenbau gibts im Netz. Teile auch verbieten? Am besten gleich alles verbieten. Sicherheit steigt trotzdem nicht.

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  • chief am 11.08.2016 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    insider

    Man behauptet ja bei den AKW^s das sie so sicher sind das ein Flugzeug reinfliegen kann und der Reaktor wird nicht beschädigt (was ich bezweifle) da wird auch eine grössere Drohne kein problem darstellen. Ces^t la vie

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Die neusten Leser-Kommentare

  • René B. am 12.08.2016 01:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sporzflugzeuge

    Macht euch lieber einmal Gedanken was alles möglich ist mit einem Sportflugzeug.

  • Simba74 am 11.08.2016 23:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    blödsinn

    schwachsinn...... eine solche Drohne ist wie eine Fliege über einer kochenden Spaghettipfanne

  • Dösel am 11.08.2016 21:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    so blöd

    Ihr wollt zusätzliche Gesetze erlassen? Seit wann halten sich Terroristen an Gesetze?

  • WillTell am 11.08.2016 21:43 Report Diesen Beitrag melden

    Gegenargument

    AKW's soll verboten - da Sie mit Drohnen nicht sicher zusammen leben kann.

  • dsc am 11.08.2016 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tatsächlich eine Gefahr

    Wenn schon die Betreiber vor einem Dröhnchen Angst haben, wäre es nicht sinniger, alternative Energien zu erforschen und fördern? Es gibt doch einige Alternativen, die dezentraler, unabhängiger und völlig ungefährlich sind. Dann wären auch keine zusätzlichen Verbote nötig und die ganze Angstmacherei ebenso wenig.