Rekrut mit Kastanien beworfen

28. November 2018 12:23; Akt: 28.11.2018 12:23 Print

«Es war ein Anflug von jugendlicher Dummheit»

von N. Knüsel - Ein Tessiner Rekrut soll von seinen Kameraden gemobbt worden sein. Dem widerspricht die Mutter eines betroffenen Rekruten: «Die Jungs haben einen super Zusammenhalt.»

Dieses Video sorgte für Aufruhr: Rekruten bewerfen ihren Kameraden.
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Das Video sorgte im Oktober für einen Skandal: Ein Tessiner Rekrut der Flab-RS 33 in Emmen wurde auf Befehl eines Vorgesetzten von seinen Kameraden mit Gegenständen beworfen. Das VBS sprach von «Misshandlung», die Militärjustiz leitete eine Untersuchung ein.

Der Vater des betroffenen Rekruten spielte das Video der Szene dann dem Tessiner Fernsehen RSI zu. Gegenüber dem Sender sagte er, sein Sohn sei gemobbt worden. Es sei nicht die erste Schikane gewesen, die er habe erleiden müssen, so sei er etwa auch schon von einem Vorgesetzten in Unterhosen im Zimmer stehen gelassen worden.

«Ein Anflug von Dummheit»

Dem Mobbingvorwurf widerspricht jetzt die Mutter eines anderen Rekruten: «Die Jungs haben in der RS einen super Zusammenhalt und ein sehr gutes Verhältnis untereinander», so B.R. (Name bekannt) zu 20 Minuten. Der Vorfall und die anschliessende Berichterstattung hätten sie sogar noch enger zusammengeschweisst. Der Tessiner Rekrut habe sich bei seinen Kameraden entschuldigt, dass er das Video seinem Vater weitergeleitet habe. Die hätten ihn aber beruhigt: «Er könne ja nichts dafür, wie sich die Sache entwickelt hat, sagten sie ihm», so R.

Das Video sei völlig aus dem Kontext gerissen, sagt sie: «Zuvor hatten sich die Jungs schon gegenseitig beworfen und der Tessiner Rekrut war ebenfalls beteiligt.» Zudem sei er nicht der Einzige gewesen, der vorne gestanden habe. Auch ihr Sohn habe Kastanien abbekommen. «Das Ganze war ein Anflug von jugendlicher Dummheit», sagt R. weiter.

Dummerweise sei das Video in einem Whatsapp-Chat und dann bei den Medien gelandet. Warum der Vater des Tessiners die Mobbing-Vorwürfe erhoben hat, wisse wohl nur er selber, so R.

Rekruten müssen schweigen

Es belaste die Rekruten, dass so negativ über sie geredet und geschrieben werde, sagt R. Doch sagen dürfen sie nichts – alle Angehörigen und Angestellten der Armee müssen über das, was innerhalb des Militärs passiert, Stillschweigen bewahren. Die Unschuldsvermutung gelte aber auch für die Soldaten, macht R. klar: «Bisher hat weder das VBS noch irgendeine andere offizielle Stelle die Mobbingvorwürfe belegt.»

Die Militärjustiz ermittelt weiter in dem Fall. Wie Sprecher Mario Camelin am Freitag bestätigt, ist ein Urteil wohl nicht mehr dieses Jahr zu erwarten. Intern hat die Armee aber schon Strafen verhängt: In zwei Disziplinarstrafverfahren wurden der Gruppenführer, der im Video den Befehl zum Werfen gibt und der Filmer zu fünf und drei Tagen Arrest verurteilt, wie Armeesprecher Daniel Reist sagt.

GSoA ist empört

Auch die Militärzeitschrift «Schweizer Soldat» hatte die Berichterstattung zum Fall kritisiert. Der Vorfall wird darin als «Scherz» bezeichnet, den sich eine Gruppe von Rekruten in der RS erlaubt habe. Die Zeitschrift schreibt aber, jegliche Art von Machotum habe keinen Platz in der Armee.

Der Sekretär von «Gruppe für eine Schweiz ohne Armee» (GSoA), Lewin Lempert, hat kein Verständnis für den Artikel: «Ich finde es extrem schlimm, dass eine Zeitung, die an alle Offiziere und Unteroffiziere geht, eine solche Tat krass verharmlost.» Sie werde als Bieridee oder Scherz angeschaut – ohne einen Beleg zu liefern, wieso das so sei.