Gigampfi-Unfall

02. Februar 2016 05:37; Akt: 02.02.2016 08:00 Print

«Es war ein Gepurzel, ich dachte ans Schlimmste»

von Annette Hirschberg - Der 69-jährige Josef Schriber stürzte mit seinen Kameraden in Arosa von der Gigampfi. Er erzählt, wie es zum tragischen Unfall kam.

Josef Schriber, der Zweitoberste von rechts mit der roten Jacke in der Hand, verletzte sich am schwersten. Er brach sich einen Wirbel und musste operiert werden.
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Herr Schriber, Sie sind auf dem Gigampfi-Video aus Arosa der Mann mit der roten Jacke in der Hand. Was ist passiert?
Es war Montag, der 17. August 2015. Wir Altherren der Männerriege Adligenswil waren am Morgen zu einem 4-tägigen Wanderausflug in der Region Arosa aufgebrochen. Die Rucksäcke hatten wir im Hotel deponiert und gingen auf einen kleinen Ausflug. Es sollte eine etwa zweistündige Wanderung werden. Als wir die Gigampfi sahen, wollten wir einfach ein Foto machen. Die Idee gefiel eigentlich allen. Wir wollten aber niemals gampfen, sondern einfach nur draufstehen. Das war so ein riesiger Stamm und auf dem unteren Teil standen so viele Leute. Ich dachte das komme nie in Bewegung.

Sie standen ganz oben auf dem Stamm, sind Sie besonders wagemutig?
Im Gegenteil, ich habe Höhenangst und mir war gar nicht wohl dort oben. Ich war am Anfang ganz unten auf dem Stamm. Dann hiess es immer «nachrücken, nachrücken». Irgendwann stand ich dann oben.

Als die Gigampfi in Bewegung geriet, was ging Ihnen durch den Kopf?
Wohl war mir nicht. Ich glaubte aber, dass ich die Bewegung ausbalancieren könnte. Mein erster Gedanke galt aber meinem älteren Kameraden neben mir. Ich wollte ihn gut festhalten. Der ist schon über 80 Jahre alt und nicht mehr ganz so agil.

Erinnern Sie sich an den Sturz?
Es ging alles ganz schnell – ein Gepurzel. Ich versuchte noch, mich am Stamm festzuhalten. Doch der Oberste kippte auf mich und riss mich mit. Als ich am Boden lag, sah ich den älteren Kameraden bewegungslos daliegen, mit dem Gesicht im Dreck. Rundherum lagen weitere am Boden. Da dachte ich ans Schlimmste, an Lähmungen oder gar tödliche Verletzungen.

Ihre Verletzungen waren die schlimmsten?
Ja, mein Hintermann fiel auf mich. Das tat höllisch weh. Mir wurde der fünfte Lendenwirbel gebrochen. Mein Schrei ist im Video zu hören.

Konnten Sie noch aufstehen?
Nur mit Hilfe, ich hatte grosse Mühe mit dem Atmen. Aber ich bin noch etwa 200 Meter bis zur Litzirüti gelaufen. Ich stand wohl unter Schock. Als die Ambulanz kam, fragte ich, für wen die sei. Im Spital in Chur wurde ich dann operiert. Die Ärzte haben das super gemacht. Ich habe zwar noch oft Rückenschmerzen, aber ich wandere schon wieder ein wenig und gehe mit der Gruppe.

Wurden noch weitere verletzt?
Ja, einer hat heute noch Rückenschmerzen. Ein anderer brach sich zwei Rippen. Auch sonst gab es Blessuren und blaue Flecken. Es sind aber alle anderen weitergelaufen.

Keine gebrochenen Hüften oder Oberschenkel?
Nein, die Sache ging glimpflich aus. Wir sind für unser Alter eben ziemlich trainiert. Einmal pro Woche spielen wir Volleyball und haben ein super Einturnen. Immer am Mittwochmorgen gehen wir wandern. Das hat sicher geholfen.

Was sagen Sie dazu, dass die ganze Welt über Ihren Sturz lacht?
Gestern kam es sogar auf RTL. Es sieht halt schon sehr lustig aus, wie wir da hinunterpurzeln. Ich kann schon verstehen, dass alle darüber lachen. Aber eigentlich war es nur ein kurioser, blöder Unfall.

Waren Sie einverstanden, dass das Video ins Netz gestellt wird?
Ich wusste von nichts. Etwa zehn Tage nach dem Ausflug stellte jemand von der Gruppe den Film auf Youtube. Plötzlich lachte das ganze Dorf über uns. Das hat mich schon etwas geärgert. Vor allem, weil wir wirklich nur fotografieren wollten. Aber am Schluss ist es nicht so wichtig. Wir sind eine gute Gruppe und haben einen guten Zusammenhalt. Ich habe mich schon wieder für den Ausflug dieses Jahr angemeldet – nach Grindelwald.