Suizid-Warnung

07. Februar 2017 06:00; Akt: 07.02.2017 09:34 Print

«Facebook hat uns enttäuscht»

von B. Zanni - Vorwürfe an Facebook: Die Dargebotene Hand fühlt sich bei der Zusammenarbeit zur Suizidprävention im Stich gelassen.

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«Bitte wenden Sie sich an die Dargebotene Hand»: Mit einer solchen Meldung müssen Menschen rechnen, die auf Facebook Kommentare mit suizidalen Absichten posten. Seit 2011 können User dem sozialen Netzwerk mittels Warnfunktion entsprechende Beiträge melden. Nach der anfänglichen Euphorie zieht die Dargebotene Hand sechs Jahre später aber eine negative Bilanz. «Wir sind von der Zusammenarbeit mit Facebook enttäuscht», sagt Geschäftsführer Franco Baumgartner.

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Er führt mangelnde Transparenz als Grund an. Seit 2014 erhalte das Sorgentelefon von Facebook keine Übersicht mehr über die Anzahl der ausgelösten Warnungen. Damit wüssten sie nicht, ob das Instrument auch greife. «Wir haben leider den Eindruck, dass Facebook die Suizidprävention ohne Herzblut betreibt.»

Auch sei die Umsetzung lächerlich: «Dass es diese Meldefunktion gibt, ist kaum signalisiert.» Er vermutet, dass das soziale Netzwerk mit dem Sorgentelefon vor allem zusammenspanne, um sein «Image aufzupolieren». «Sich gegen Suizid zu engagieren, gehört zum guten Ton.»

«Man darf keiner Firma einen Vorwurf machen»

Ein Sprecher von Facebook versichert auf Anfrage: «Die Suizidprävention liegt uns am Herzen.» Im Juni 2016 habe Facebook deshalb die Suizidpräventionsfunktionen im Hilfebereich auf der Plattform verbessert und erweitert. Dadurch sei es jedoch nicht mehr möglich, die Partner mit detaillierten Nutzerzahlen zu beliefern.

Auch Raphael Wobmann, Sekretär der Jugendsuizidprävention U 25 Schweiz, verteidigt Facebook. Dass sich gewinnorientierte Firmen für die Suizidprävention engagierten, sei nicht selbstverständlich. «Auch wenn Facebook es nicht optimal macht – man darf keiner Firma, die etwas für die Suizidprävention unternimmt, einen Vorwurf machen.»

Mehr Prävention gefordert

Für die Dargebotene Hand steht nicht zur Debatte, die Zusammenarbeit mit Facebook aufzulösen. Franco Baumgartner: «Nützt es nichts, so schadet es nichts. Wir müssen dafür ja nichts bezahlen.» 2013 erhielten 27 gefährdete Menschen ein E-Mail mit der dringenden Einladung, sich mit Telefon 143 in Verbindung zu setzen. 2012 waren es 21 gewesen.

Raphael Wobmann hält für wichtig, dass sich künftig auch noch andere soziale Medien in der Suizidprävention engagieren. «Gerade um jungen Menschen frühzeitig helfen zu können, wären solche Warndienste auf Snapchat und Instagram hilfreich.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • noFacebook am 07.02.2017 06:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aus!

    Was denen am Herzen liegt? Mehr User = mehr Kohle! Hoffe, dass die Betroffenen ECHTE Freunde haben um sich die Seele aus dem Leib zu reden. Habe vor ein paar Wochen mein Facebookprofil gelöscht. Und wisst ihr was? Ich lebe noch.. Tatsächlich haben ein paar meiner ca 600 "Freunde" per Mail geschrieben oder mich sogar angerufen.

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  • Sehnsucht 67 am 07.02.2017 06:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Daten

    Da kann die dargebotene Hand noch lange warten bis Facebook Daten von sich aus gibt um zu erheben wieviele Mensche dieser Notkanal benützt hat. Es war schon immer so Facebook sammelt Daten und gibt die nie wieder her. Sollte schon allgemein bekannt sein.

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  • lauretta am 07.02.2017 06:25 Report Diesen Beitrag melden

    selberschuld

    selberschuld - ich verstehe nicht, wie man sich mit der ganzen manipulierbaren masse, diesem facebook oder sonstigem gedüns hingeben kann.....bei diesem fake wird auch dieser zuckerberg einer der reichsten der welt. hat er das verdient? unfassbar, wie naive menschen einfach zu steuern sind.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • kraut am 07.02.2017 11:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Suizidalarm

    danke an alle freiwilligen helfer der dargebotenen hand

  • wianve am 07.02.2017 10:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Am Telefon?

    Als ob die "Dargebotene Hand" eine Hilfe wäre? Verlorene Zeit

  • Rolf am 07.02.2017 10:35 Report Diesen Beitrag melden

    Facebook

    Wer glaubt das Facebook ist so eine geile Sache der soll weider Träumen. Aber nachher sich nicht beklagen.

  • Annie am 07.02.2017 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Feedback an 143 & 147

    Auch ich hatte meine Tiefs, muss aber sagen; ich habe sie nie auf Facebook öffentlich gemacht. Ich habe aus 'freien Zügen' dem 143 und 147 mehrmals angerufen und bin enttäuscht von deren "Dienst". Antworten wie "Rufen Sie später noch einmal an" musste ich mir zu oft anhören. Das geht gar nicht und ist es das Geld (Stände am Bahnhof beispielsweise) auch nicht wert. Heute geht es mir besser, kann mir aber vorstellen, dass solche flapsige Antworten in Notfalltelefonaten immer noch vorkommen.

  • Blume40 am 07.02.2017 09:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragezeichen

    Warum hat man Erwartungen an facebook???