Versicherung warnt

08. August 2013 23:46; Akt: 09.08.2013 15:05 Print

«Fakten sprechen für sich – das Velo ist gefährlich»

von Tanja Bircher - Allianz Suisse sagt, das Velo sei ungeeignet, um sicher zur Schule zu kommen. Lehrerverband und Velolobby relativieren – und fürchten einen Boom beim Mami-Taxi.

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Die Allianz Suisse hält das Velo für ungeeignet, um zur Schule zu fahren. Beim Lehrerverband hofft man, dass die Eltern jetzt nicht zum Mami-Taxi greifen. Bild: Colourbox

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Das Velo sei für Kinder das ungeeignetste Verkehrsmittel, um zur Schule zu kommen, schreibt die Allianz Suisse am Donnerstag in ihrem aktuellen Sicherheitsreport. Verglichen mit dem Schulbus oder zu Fuss sei die Unfallgefahr mit dem Velo für Kinder statistisch fünf- bis siebenmal höher.

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Sollten Kinder lieber zu Fuss oder mit dem Schulbus zur Schule gehen als mit dem Velo?
16 %
84 %
Insgesamt 11319 Teilnehmer

Beim Schweizerischen Lehrerverband (LCH) läuten ob dieser Aussage die Alarmglocken. «Am ungefährlichsten wäre demnach Fliegen oder mit dem Zug», sagt Zentralsekretärin Franziska Peterhans. Das sei aber leider keine Option für den Schulweg. «Ich verstehe, dass sich Eltern nach diesem Bericht der Versicherung Sorgen um ihre Kinder machen, die Zahlen erschrecken auch mich.» Es sei jedoch keine Lösung, das jetzt das Mami- oder Papi-Taxi noch häufiger zum Einsatz komme.

«Kinder lernen auf dem Schulweg viel»

«Kinder müssen lernen, sich im Verkehr richtig zu bewegen.» Natürlich müsse man verhältnismässig handeln, ein Erstklässler habe im Zürcher Stadtzentrum auf einem Velo nichts zu suchen. Aber ein gut vorbereiteter 12-Jähriger sollte die Chance haben, eigenständig zur Schule zu fahren. «Auch auf dem Schulweg lernen Kinder viel. Wenn man ihnen das wegnimmt, verpassen sie etwas.»

Ausserdem müsse man sich bewusst sein, dass es sich bei der Quelle dieses Reports um eine Versicherung handle: «Es kommt immer auf den Blickwinkel an.» Eine Organisation für Fettleibigkeit würde vielleicht empfehlen, dass die Kinder immer mit dem Velo zur Schule fahren sollten, das wäre auch falsch, sagt Peterhans.

Helmtragequote sinkt

Auch Jean-François Steiert, Präsident von Pro Velo Schweiz, relativiert die Aussage von Allianz Suisse: «Es gibt gesicherte Schulwege und gute Ausbildungsmöglichkeiten – unter diesen Voraussetzungen spricht nichts dagegen, das Kind mit dem Velo zur Schule zu schicken.» Auch er hält das Mami-Taxi für keine Lösung. «Das macht die Situation nicht besser, sondern schlimmer.»

Hans-Peter Nehmer, Sprecher der Allianz Suisse: «Die Fakten sprechen für sich, Velo fahren ist gefährlich.» Deswegen sei es umso wichtiger, dass Kinder einen Helm tragen. Laut dem Report ist die Helmtragequote bei Kindern bis 14 Jahren seit 2012 von 68 auf 63 Prozent gesunken. «Wir als Versicherung können nur auf die Gefahr hinweisen und für Prävention plädieren», so Nehmer. Es sei essentiell, dass Kinder, die mit dem Velo zur Schule fahren, wissen, wie man sich im Verkehr verhalte und gut ausgerüstet seien.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sara Mijatovic am 09.08.2013 10:08 Report Diesen Beitrag melden

    Mitleid mit der Jugend

    Von Tag zu Tag hört man Dinge, die mich persönlich in Mitleid stürzen. Ich bin bald 40 Jahre alt und als ich noch Kind war musste man weder Velohelm tragen noch schrieb mir jemand vor wo ich spielen muss und ob ich in den Wald darf oder nicht. Wo will diese Kontrollfreak-Gesellschaft bloss hin? Dürfen die Kinder noch Roll- und Schlittschuhfahren oder ist das mittlerweile auch verboten weil man sich dabei die Zähne brechen kann? Ich finde diese neue Ordnung bevormundend und es fördert nicht wirklich die Persönlichkeit der Menschen, es wird sie eher degenerieren. Ich empfinde grossen Mitleid.

  • Scrat am 09.08.2013 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Geht's noch?

    Wenn eine Versicherung eine solche Aussage macht, dann bedeutet das eigentlich nur folgendes: Die Versicherungsprämien wollen wir zwar kassieren, die Schadensleistungen aber möglichst verhindern oder ausklammern. Ist wohl nur noch ein Frage der Zeit, bis die Allianz Suisse Velofahren als Grobfahrlässiges handeln einstuft und von Versicherungsleistungen ausklammert.

  • Wairua am 09.08.2013 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Sicher?

    Sicher ist doch Heute gar nichts mehr. Noch nicht mal ein besuch im Spital. Naja aber man kann ja auch den ganzen Tag zu Hause im Bett bleiben, damit ja keinen Kratzer abbekommt, der könnte ja anfangen zu jucken.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Walter R am 10.08.2013 04:05 Report Diesen Beitrag melden

    Sich an Verkehrsregeln halten würde viel bringen!

    Das Velofahren wäre mit Sicherheit für Kinder weit weniger gefährlich, wenn sie über Verkehrsregeln und deren Einhaltung gründlich geschult würden. Aber das kann natürlich nur überzeugend geschehen, wenn auch die Erwachsenen Radfahrer sich vorbildlich verhalten würden, anstatt herumzufahren unter permanenter und konsequenter Missachtung von sämtlichen Verkehrsregeln. Die schlimmsten sind diese Hobby-Rennfahrer die daherkommen in voller Rennfahrer-Montur, soweit nach vorne gebeugt, dass sie von ihrer Umgebung nicht viel mehr sehen als das eigene Vorderrad und die nicht nur Verkehrsregeln konsequent missachten, sondern auch vorhandene Radwege nicht benutzen, sondern lieber auf der Auto-Fahrbahn herumfahren, aber jedes Mal empört «Heeeee» schreien und die Faust schwingen, wenn ihnen ein Auto zu nahe kommt.

  • Patrick Jakob am 09.08.2013 22:03 Report Diesen Beitrag melden

    JEDER weis,....

    dass es heute im Strassenverkehr gefährlicher ist als noch vor 20 Jahren, aber erst wenn das JEDEM bewusst ist, und man aufeinander achtet wird es wieder sicherer im Strassenverkehr.

  • Steve Meyer am 09.08.2013 19:24 Report Diesen Beitrag melden

    Geht nur um Versicherungen

    Und zum Schluss bietet die Allianz eine Versicherung dafür an. Jedes Jahr 20 Milliarden Gewinn sind wohl zu wenig. Alles gefährlich muss weg um noch mehr Gewinn zu machen.

  • Dimi F am 09.08.2013 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Verweichlichte Ängstliche Gesellschaft.

    Meine güte wir sind sogar so weit, dass die Eltern Ihre Kindern nicht mehr auf den Spielplatz lassen weil es gefährlich ist. aber wer soll den diesen Benützen? Traurige geselschaft! Ich kam mit dem Velo und DU auch! Wenn du das liest lebst du noch ODER? Also wo ist das Problem?

  • Oli am 09.08.2013 12:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin...

    ...für ein Statistikverbot. Unsere obersten 20'000 Akademiker sollten mal aus dem Fenster schauen und statt nur schlau sein, auch was schlaues arbeiten lernen. Dann klappts auch mit dem Fahrrad. Manchmal fällt man auf die Fräse, ab und an hat man Glück. Ich fuhr 15 Jahre Rad ohne Helm - habs überlebt! Ohne Fahrradkurs, dafür mit meinen Eltern die Zeit hatten, mir das beizubringen.