Streit um Spielplatz und Zaun

29. Juli 2014 18:33; Akt: 30.07.2014 09:33 Print

«Federer verweigert den Nachbarn das Gespräch»

von Marco Lüssi - Roger Federer muss den Spielplatz auf seinem Grundstück in Valbella verlegen. Andrea Bianchi, der Anwalt des Nachbars von Federer, erklärt, warum sein Mandant rekurriert hat.

storybild

Das Spielhaus im Garten der Ferienvilla von Roger Federer wurde in der Hochbauverbotszone aufgestellt. (Bild: ZVG)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Herr Bianchi, Sie vertreten die Nachbarn, die gegen den Spielplatz auf dem Grundstück von Roger Federer rekurriert haben. Inwiefern wird Ihr Mandant durch das Spielhaus und die Rutschbahn beeinträchtigt?
Andrea Bianchi: Auf dem ursprünglichen Plan waren diese Bauten ganz woanders eingezeichnet. Wir waren deshalb ziemlich erstaunt, dass das Spielhaus mit Rutsche in diesem Frühling nach der Schneeschmelze ausgerechnet in der Hochbauverbotszone aufgestellt wurde, wo es als störende Kunstbaute in der natürlichen Berglandschaft in Erscheinung tritt.

Und woanders wäre das Spielhaus kein Problem?
Natürlich nicht, mein Mandant gönnt den vier Kindern des Ehepaars Federer einen eigenen Spielplatz. Doch es gibt auf dem riesigen Grundstück, das die Federers besitzen, genug andere Orte, an denen sie ihn aufstellen könnten. Das grössere Problem sind aber der geplante Maschendrahtzaun und der Lebhag sowie die Bäume, die rund 20 Meter hoch werden können.

Warum?
Mit der geplanten Höhe von zwei Metern für den Zaun, drei Metern für den Lebhag und den hochstämmigen Bäumen würde meinem Mandanten, der in einer Wohnung im Erdgeschoss lebt, die Aussicht völlig verbaut. Das will er nicht hinnehmen. Zudem ist er etwas düpiert über das Vorgehen der Federers.

Womit haben sie ihn verärgert?
Mein Mandant hätte sich einen gemeinsamen Augenschein der Situation mit dem Ehepaar Federer gewünscht. Doch seine Anwälte sagten uns, es sei illusorisch, dass es je zu einem direkten Gespräch mit Federer kommen werde. Ein solches Verhalten ist gegenüber direkten Nachbarn unüblich und befremdlich.

Dennoch hoffen Sie auf eine gütliche Einigung. Wie könnte diese aussehen?
Vielleicht lässt sich bezüglich der Höhe des Zauns und des Lebhags noch ein Kompromiss mit den Federers finden.

Könnte Federer Ihren Mandanten mit Geld dazu bringen, sich nicht weiter zu wehren?
Das ist absolut kein Thema. Geld spielt für meinen Mandanten nur insofern eine Rolle, als er verhindern will, dass es zu einer Entwertung seines eigenen Grundstücks kommt.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Theo Krämer am 29.07.2014 19:17 Report Diesen Beitrag melden

    Ich verstehe den Nachbar.

    Stellt euch vor der Nachbar kann ev. nun nicht mehr ins Dorf runter schauen wegen diesem Spielplatz. So etwas ist bei uns in der Schweiz klar geregelt und geht einfach nicht wenn dies so bestimmt war. So mussten wir zum Beispiel bei uns schauen, dass wir an unserem Haus an einem bestimmten Ecken nichts montieren damit unser Nachbar die Glarner Berge weiterhin sehen kann. Ist doch völlig nachvollziehbar und kein Grund damit vors Gericht zu gehen.

  • Sandra Bühler am 29.07.2014 19:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aussicht

    Sorry aber wenn ich mir eine Wohnung mit Aussicht auf die Berge kaufen würde und dan käme so ein Bonze der mir die Sicht verbaut würde ich auch reklamieren. Soll er den Spielplatz woanders hintun, den Kindern spielt das sicher keine Rolle.

    einklappen einklappen
  • Franziskus von Assisi am 29.07.2014 18:50 Report Diesen Beitrag melden

    Bescheidenheit

    Wer sich schützen will, soll sich weniger auffällig geben. Mir ist wirklich unklar, weshalb immer gleich geklotzt werden muss. Mit Nachbarn sollte man zumindest ein einvernehmliches Verhältnis anstreben und nicht schon in der Bauphase auf Konfrontation gehen. Es ist ja ein Ferienort; da kann es auch etwas weniger pompös sein. Man sollte mal eine "who is who" der unsymphatischsten und arrogantesten Zeitgenossen herausgeben.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Clever-Smart am 30.07.2014 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    Charaktersache

    Schon immer wusste ich es... Geld und Ruhm verdirbt den Charakter

  • Schweizmann am 30.07.2014 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    als ob

    einer wie Roger Federer Zeit hätte mit jedem zu reden.... Dafür gibt es Bauleiter, Architekten, Anwälte, etc. Der King hat jetzt wichtigeres zu tun, z.B. sich auf das US Open vorzubereiten. Es ist mit der Platzierung des Spielplatzes ein Fehler unterlaufen und der wird jetzt korrigiert, na und? Wäre es das Haus von Herr Kunz aus Hinz, würde kein Hahn danach krähen.

  • Fridolin Glarner am 30.07.2014 10:40 Report Diesen Beitrag melden

    2-Klassengesellschaft

    Schön, er kann sich ja Nannies, Privatspielplatz etc. leisten. Aber Herr Federer hat glaub ich wohl keine Ahnung wie es sich anfühlt, nicht als Millionär eine 4-köpfige Familie durchzubringen. Ich bin nicht neidisch auf ihn, aber es nervt, dass wir im Mittelstand immer mehr belastet werden und andere in Steuerparadiesen sich Paläste bauen können, die Behörden jedem ihrer Wünsche nachspringen...

  • Andy am 30.07.2014 10:27 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Demut, mehr Bescheidenheit

    Der Mittelstand verarmt immer mehr in der Schweiz, Wohnfläche wird immer knäpper...Herr Federer hat viel Geld, natürlich, es ist sein gutes Recht, damit zu machen, was er will, doch ein Funke mehr Demut würde ihm nicht schaden. Und kommt jetzt nicht mit dem 0815 Spruch wir seien neidisch, das hat mit dem gar nichts zu tun.

    • sweet-sour am 30.07.2014 11:36 Report Diesen Beitrag melden

      @ Andy

      Es wird ja genau "...der Mittelstand" sein, der als Nachbarn von Herrn Federer gemeint ist??? Wohnt der neuerdings so exclusive, "der Mittelstand"? Zudem: Bei sehr vielen Baugesuchen gibts Ausnahmeregelungen, die allein von den Gemeinden erstellt werden, am eigenen Leib erfahren! Und plötzlich darf einem statt einem 3-stöckigen Gebäude, ein 4-stöckiges davorgebaut werden. Obschon der Zonenplan ganz klar anders geregelt war. Und weg war die Seesicht von-bis.

    einklappen einklappen
  • Emil Jacobi (Basel) am 30.07.2014 10:16 Report Diesen Beitrag melden

    Die 2 Gesichter des Roger F.

    Aber Roger Federer wird ja in den Medien immer als der nette, liebe Typ dargestellt. Habe auch schon ähnliche Geschichten über ihn gehört, die meinen unsympathischen Eindruck von ihm bestätigen. Und eins muss ich schon noch loswerden, wenn ein Spitzenmanager, der einen guten Job macht und die Verantwortung für tausende von Mitarbeitern trägt ein paar Millionen verdient, dann wird er als Abzocker beschimpft. Wenn aber ein Roger Federer pro Jahr ca. 60 bis 100 Millionen verdient (nicht nur Preisgelder!), dann ist es ganz was anderes...