3400 Franken

19. Oktober 2019 18:57; Akt: 20.10.2019 10:55 Print

«Flight-Attendant-Lohn reicht nur für WG-Zimmer»

von P.Michel - Der Einstiegslohn für Cabin-Crew-Mitarbeiter beträgt bei der Swiss 3400 Franken. Damit stürze man das Personal in die Armut, so die Gewerkschaft. Die Swiss wehrt sich.

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«Armut beim Kabinenpersonal» titelt die Gewerkschaft des Kabinenpersonal (Kapers) in der aktuellen Ausgabe der Mitarbeiterzeitschrift. Im Hinblick auf die kommende Lohnrunde gehen die Arbeitnehmervertreter in die Offensive: Sie kritisieren die «prekäre» Lohnsituation und illustrieren diese anhand mehrerer Beispiele:

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Ist 3400 Franken pro Monat als Lohn angemessen?

■ «Eine junge Flight-Attendant kam in unser Büro, weil sie keinen Rappen mehr besass, um sich Essen zu kaufen. In den unteren Salärtabellen ist es kaum möglich, über die Runden zu kommen, obwohl Betroffene bereits Prämienverbilligung für die Krankenkasse durch den Kanton erhalten.»

■ «Ein 50-jähriger Flugbegleiter stand weinend in unserem Büro. Er hat einen Nettolohn von knapp 2900 Franken.»

■ «V. B., die Ende des Jahres pensioniert wird, weiss noch nicht, wie sie finanziell über die Runde kommen wird. Bei dem aktuellen Lohnniveau wird es in Zukunft auch Altersarmut geben bei Personal, das immer 100 Prozent geflogen ist.»

Tiziana Quaglia, Geschäftsführerin der Gewerkschaft Kapers, geht mit der Swiss hart ins Gericht: «Mit einem Bruttolohn von 3400 Franken für einen Vollzeitjob nimmt man bewusst in Kauf, dass Menschen unter der Armutsgrenze leben müssen.» Denn nach Pensionskassenabzügen, Sozialleistungen und Krankenkasse bleibe oft kaum mehr genug zum Leben.

Kabinenpersonal bezieht oft Prämienverbilligung

Ein Problem seien auch die Mieten: «Das Kabinenpersonal sollte idealerweise in der Nähe des Flughafens wohnen können, um eine sinnvolle Ruheplanung auch bei Reservediensten (Pikett) gewährleisten zu können – das ist auch nicht günstig», sagt Quaglia. Es sei deshalb keine Überraschung, dass viele Kabinenpersonal-Angestellte auf Prämienverbilligungen angewiesen seien, die der Steuerzahler finanziere.

Ein Flight-Attendant (22), der direkt nach der Kanti bei der Swiss anheuerte, sagt: «Mit meinem 70-Prozent-Pensum verdiene ich netto 2100 Franken.» Eine eigene Wohnung könne er sich deshalb nicht leisten, nur eine WG. «Ich lebe wie ein Student, obwohl ich einen Job habe.» Längerfristig will er das Fliegen aufgeben, weshalb er noch eine Zweitausbildung absolviert. Auch auf der Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu machen andere Betroffene ihrem Ärger Luft (siehe Box).

Swiss betont viele Zusatzleistungen

Die Swiss erklärt auf Anfrage, der Beruf des Cabin Crew Members erfreue sich nach wie vor grosser Beliebtheit. «Für viele unserer Mitarbeitenden ist es nach wie vor ein Traumberuf», sagt Sprecher Stefan Vasic.

«Cabin Crew Members beginnen im ersten Dienstjahr mit einem Basissalär von 3400 Franken. Dieses erhöht sich in den weiteren Dienstjahre sukzessive.» Dazu würden Sprachzulagen in Höhe von 50 Franken pro Monat und pro zusätzlicher Fremdsprache ausbezahlt. «Weitere Vergütungen sind Mehrflugleistungen sowie Provisionen vom Bordverkauf und Spesen», sagt Vasic. Damit komme man im ersten Dienstjahr auf rund 4000 Franken pro Monat. Er betont auch, dass der Eintritt bei der Swiss üblicherweise im Alter von 20 bis 25 Jahren stattfinde, also nach einer abgeschlossenen Erstausbildung.

Maître de Cabine verdient 1000 Franken mehr

«Der Beruf bietet zudem attraktive Karrieremöglichkeiten», sagt Vasic weiter. Schon nach einem Jahr könne man sich zum Maître de Cabine ausbilden lassen, was eine Zulage von 1000 Franken pro Monat einbringe.

Zum konkreten Fall einer Mitarbeiterin, die 2900 Franken pro Monat verdiente, erklärt der Swiss-Sprecher: «Solche Nettolöhne betreffen nur einige wenige Mitarbeitende. Und zwar auch nur dann, wenn ältere Arbeitnehmende als Cabin Crew Member im ersten Dienstjahr eintreten und entsprechend hohe Abzüge für die Pensionskasse erfahren.» Dies sei so nicht beabsichtigt, und man sei mit Kapers übereingekommen, die entsprechenden Fälle in Zukunft auf 3000 Franken auszugleichen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sara am 19.10.2019 19:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geiz ist geil

    Wen wunderts wenn man für 75.- nach Mallorca fliegen kann.

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  • A.O am 19.10.2019 19:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lohn

    Was ist denn das für eine Aussage: "selbst im Verkauf verdient man mehr?" Jeder der in der Schweiz Arbeitet sollte mit dem Lohn leben können!Was leider oft nicht möglich ist

  • Jeannette46 am 19.10.2019 19:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pflegeberufe

    Die Pflegeberufe sind eindeutig auch unterbezahlt!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Negotiator am 20.10.2019 23:10 Report Diesen Beitrag melden

    Chance: 2 UN1A Nationalräte weg

    Vielleicht werde jetzt (GAV) Verträge nach "natürlichen und ökonomischen" Richtlinien aufgegleist und etwas weniger im SonnTalk in die Scheinwerfersonne gequatscht. Die Arbeiterschaft in der Schweiz verdient anständige Löhne um die hohen Fixkosten zu decken und sich mal was zu gönnen, oder? Erhöht endlich diesen Niedriglohnbereich auf min. CHF 5K/p.M.

  • Ansage am 20.10.2019 22:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @Herr Vasic

    Anstelle immer alles einfach so zu rechtfertigen und relativieren könnte man auch mal die Lohnschere ein bisschen schliessen, Arbeitsabläufe optimieren und, so leid es mir für die Betroffenen tut, die damit verbundenen Stellen abbauen. Wie überall sitzt auch bei euch hier und da ein vöriger rum. Garantiert. Und: 6000.- im Jahr weniger für einen, der 160'000 im Jahr verdient oder z.B. 12'000 weniger für einen mit 190'000 gäbe schon 3 Flight Attendants mit je 500.- mehr im Monat.

  • Ueli Schwyzer am 20.10.2019 22:54 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur der Lohn zählt

    Sondern auch die Möglichkeit sich einen tollen viel verdienenden Piloten zu schnappen und vor den Altar zu zerren. Genau so wie bei den Zahnarzthelferinnen, Dentalhygienerikern usw. Ja ich weis, werde viele Daumen nach unten bekommen, falls denn der Beitrag überhaupt veröffentlicht wird.

  • Arbeitsloser 55j. am 20.10.2019 22:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitslosenlohn

    Bei einem Lohn von 4900 Fr. erhalte ich bei 70% (ALV) ca.3430 Fr Brutto., da kann man während 2 Jahren versuchen einen Job zu suchen und mit temporär Jobs die einen höheren Lohn ( 28- 30 Fr. Brutto 160 Std.) zu arbeiten in der Hoffnung angestellt zu werden. Die Flight-Attendanten müssen sich ja auch leider vieles primitives Zeug anhören dann hätten die sicher 4000- 4300 Fr. Brutto verdient. Das kommt davon von diesen billig Flügen, billig Flüge um 100 Fr . ( statt 100 / 200 Fr.) erhöhen, dann ist das Problem vielleicht gelöst .

  • xxxx am 20.10.2019 21:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    FA

    1. Augenauf bei der Jobwahl. 2. Als Flight-Atendant weiss jeder und jede dass am man nicht so gut verdient. 3. Viele vergessen, dass sie jedes mal gratis mit fliegen und bei Langstrecken-Flügen wird das Hotel noch dazu bezahlt. 4. Bin ich doch der Meinung dass 4k im Monat als Minimum