Migrations-Welle

02. Juli 2014 10:10; Akt: 02.07.2014 10:22 Print

«Flüchtlinge in leeren Hotels unterbringen»

von N. Glaus - Das Bundesamt für Migration erwartet einen Flüchtlingsstrom historischen Ausmasses. Dies könnte die Schweiz in Schwierigkeiten bringen.

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Die bisherigen Asyleinrichtungen dürften bei dem erwarteten Flüchtlingsstrom an ihre Grenzen stossen: In einem Notfall gäbe es jedoch alternative Möglicheiten, wie der Sprecher der Flüchtlingshilfe Schweiz, Stefan Frey, erklärt. «Kurzfristig könnte man die Flüchtlinge in Armeeanlagen oder auch leerstehenden Hotels unterbringen.» (Bild: Keystone/Andrea Scarfo')

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Allein in den vergangenen zwei Monaten erreichten über 35'000 Flüchtlinge Italien. Erfahrungsgemäss dürften bis zu zehn Prozent davon auch in die Schweiz kommen. «So dramatisch wie die Lage vor den Toren Europas zurzeit ist, war es wohl seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr», sagt der Direktor des Bundesamts für Migration (BFM), Mario Gattiker, gegenüber dem «Tages-Anzeiger».

Militär zum ersten Mal im Flüchtlings-Einsatz

Die letzte grosse Flüchtlingswelle während des Balkankonflikts in den Neunzigerjahren brachte die Schweizer Asylorganisationen an ihre Grenzen. 1999 erreichte die Zahl der Asylgesuche mit über 100'000 ihren historischen Höchststand. Der damalige Stellvertretende Direktor des Bundesamtes für Flüchtlinge (heute Bundesamt für Migration), Urs Hadorn, erzählt: «Da kamen unendlich viele Leute, die von grosser Gewalt und einem grausamen Krieg geplagt waren.»

Zur Bewältigung dieses Ansturms seien zahlreiche Sondermassnahmen nötig gewesen. Zum ersten Mal nach dem zweiten Weltkrieg habe die Armee mit ihren Truppen Militärunterkünfte für die Flüchtlinge hergerichtet. WK-Truppen hätten Sonderdienst geleistet, um die Flüchtlinge zu betreuen. «Dies war damals sehr kontrovers», erklärt Hadorn.

«Die Schweiz kann Solidarität praktizieren»

Hadorn lobt in diesem Zusammenhang auch die grosse Solidarität, die damals in der Schweiz geherrscht habe. «Man hat gesehen, dass der Krieg praktisch vor unserer Haustüre stattfindet.» Viele Leute hätten deshalb den Eindruck gehabt: «Da müssen wir einfach helfen.» Diese Akzeptanz habe dazu beigetragen, dass die Lösungen des damaligen Bundesamtes für Flüchtlinge erfolgreich gewesen seien. «Wenn der Wille im Volk zur Hilfe fehlt, dann stehen wir auf verlorenen Posten», so Hadorn.

Heute dürfte die Stimmung in der Schweiz eine andere sein als noch vor zwanzig Jahren. Dies zeigen Grillfeste gegen Flüchtlinge wie beispielsweise in Aarburg AG. In Notsituationen habe die Schweiz jedoch noch immer bewiesen, dass sie «Solidarität praktizieren» könne und notleidenden Menschen helfe, ist der Sprecher der Flüchtlingshilfe Schweiz, Stefan Frey, überzeugt. Die Schweizer seien genügend informiert und könnten die Situation «richtig einschätzen». «Dies entgegen dem, was man aus dem politischen Lautsprecher hört», so Frey.

Leerstehende Hotels, Armeeanlagen oder Privatunterkünfte

Frey ist auch optimistisch, was die Infrastruktur anbelangt. Zwar würden die bisherigen Asyleinrichtungen sicher an ihre Grenzen stossen, in einem Notfall gäbe es jedoch alternative Möglicheiten: «Kurzfristig könnte man die Flüchtlinge in Armeeanlagen oder auch in leerstehenden Hotels unterbringen.» Aber auch die Unterbringung Asylsuchender bei Privatpersonen würde in Einzelfällen eine gewisse Erleichterung bringen. Längerfristig braucht es gemäss Frey aber dringend weitere Asylunterkünfte, da man etwa Familien nicht über unbestimmte Zeit in Zivilschutzanlagen unterbringen könne.

Das Bundesamt für Migration steht denn auch in engem Kontakt mit den Kantonen, um weitere Unterkünfte für die Flüchtlinge bereitzustellen, wie der Direktor Mario Gattiker gegenüber dem «Tages-Anzeiger» erklärte. Welche Orte dafür infrage kommen, konnte er aber noch nicht sagen.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Iwan Flury am 02.07.2014 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    ... vor Schwierigkeiten bringen...

    Wir haben jetzt schon Schwierigkeiten, leere Sonzialkassen, Ämter die ihne Aufgaben nicht bewältigen können und ausufernde Zustände in den Asylzentren. Unsere Asylpolitik läuft aus den Ruder, wird zu einer unkontrollierbaren Zeitbombe. Obwohl die schwizer Bevölkerung gut informiert ist, hat sie die Nasen voll von der Überfremdung der Schweiz! Ist es in Ordnung wenn jemand, der noch nie in der Schweiz gearbeite hat, pro Minat mehr Geld zur Verfügung, als ein Behinderter der täglich acht Stunden arbeitet?

  • Pierre Muller am 02.07.2014 10:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Flüchtlinge und illegale Migranten

    Man sollte endlich zwischen Flüchtlingen und illegalen Migranten unterscheiden, sich den Flüchtlingen annehmen und die illegalen Migranten wieder dorthin bringen, woher sie gekommen sind.

    einklappen einklappen
  • LadinaM am 02.07.2014 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    Toll - Danke

    Oh wie schön. Noch mehr. In der Nähe wo ich wohne gibt es seit ca. 1.5 Jahren ein "Flüchtlingshaus". Als Frau Abends alleine am See laufen ist seither nicht mehr möglich. Permanent wird man von den Typen angemacht aber penetrant (akzeptieren kein Nein und kein lass mich in Ruhe), sie klauen, sie zerstören und sie brechen ein. Warum kann man die Grenze nicht einfach zumachen und erst mal zusehen wie man mit denen klarkommen soll die bereits hier sind. Polizei ist machtlos. Es heisst nur immer wir machen ja häufiger Kontrollen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • J. Studer am 02.07.2014 15:02 Report Diesen Beitrag melden

    Villen & Wohnungen der Politiker nutzen.

    Ein ausreichend großes Kontigent an Flüchtlingen, sollte zwingend in den Villen & Wohnungen unserer Politiker einquartiert werden. Mal schauen, wie lange es dauert, bis sich danach etwas an der Asylpolitik ändert.

  • LadinaM am 02.07.2014 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    Toll - Danke

    Oh wie schön. Noch mehr. In der Nähe wo ich wohne gibt es seit ca. 1.5 Jahren ein "Flüchtlingshaus". Als Frau Abends alleine am See laufen ist seither nicht mehr möglich. Permanent wird man von den Typen angemacht aber penetrant (akzeptieren kein Nein und kein lass mich in Ruhe), sie klauen, sie zerstören und sie brechen ein. Warum kann man die Grenze nicht einfach zumachen und erst mal zusehen wie man mit denen klarkommen soll die bereits hier sind. Polizei ist machtlos. Es heisst nur immer wir machen ja häufiger Kontrollen!

  • Victor Lazlo am 02.07.2014 13:25 Report Diesen Beitrag melden

    Schengen

    2012 (für 2013 liegen noch keine Zahlen vor) stellten 28'000 Personen in der Schweiz einen Asylantrag ... aber nur 15'000 einen Antrag im Einreisland in Italien. Wenn im Tessin (ausnahmsweise) ein Schlepper mit Flüchtlingen aufgegriffen wird können diese trotzdem in die Schweiz einreisen und hier einen Asylantrag stellen. Ja, Herr Frey (siehe Artikel oben) wir können die Situation richtig einschätzen ... es sind Wirtschaftflüchtlinge. Und diese (und Sie) laben sich an unserer Naivität.

  • stefan glauser am 02.07.2014 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Fragen über Fragen

    Wieso haben wir überhaupt Flüchtlinge wir sind von sicheren Drittstaaten umgeben ? Wo kommen die her ? Wer bringt die in die Schweiz ? Wieso müssen die nicht zurück ins Schengenherkunftsland ?

  • Iwan Flury am 02.07.2014 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    Komisch

    Die Beiträge in den Leserkmmentaren sind zu 90% negativ und... niemand vom Bundesamts für Migration (BFM) oder vom Sizialamt meldet sich hier zu Wort. Haben die keine Computer mit Internet oder so? Ich vermute eher das sie nicht dem MUT haben, der Bevölkerung offen gegenüberzutreten!