Weiblicher Jobneid

11. Dezember 2013 11:04; Akt: 12.12.2013 14:26 Print

«Frauen nehmen vieles persönlich»

Frauen stehen sich auf der Karriereleiter gegenseitig im Weg. Das sagt das Netzwerk «Business and Professional Woman» und ruft jetzt zu mehr Solidarität auf.

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Frauen konkurrenzieren sich laut Expertinnen am Arbeitsplatz härter als Männer.

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«Viele Karrieren scheitern, weil Frauen unsolidarisch mit anderen Frauen sind.» Das sagt Georgia Bross, Basler Co-Präsidentin des Netzwerks «Business and Professional Woman», gegenüber der «Basler Zeitung». Die Organisation hat deshalb an einer Veranstaltung mit einem Kodex versucht, die Solidarität unter Frauen wieder mehr in den Vordergrund zu rücken. Darin enthalten sind Parolen wie «Verabschiede schlechte Gedanken wie Unterstellung und Neid» oder «Greif ein, wenn andere schlecht über Frauen reden».

«Viele Frauen definieren sich über ihre Beziehung zu Männern, daher resultiert unter ihnen ein Konkurrenzverhalten», sagt Bross. In Führungspositionen seien sie ausserdem wegen ihrer Seltenheit exponiert, weshalb sie aufpassen müssten, dass sie nicht auf ihr Frausein reduziert werden. «Auch Männer haben ihre Machtspiele, sie sehen das aber eher sportlich und trinken am Abend zusammen ein Bier. Wir Frauen nehmen leider vieles persönlich.»

Wirtschaftsdozentin Sita Mazumder von der Hochschule Luzern bestätigt den Konkurrenzkampf unter den Frauen. Das sei aber nicht zwingend etwas Schlechtes. «Die Art und Weise, wie Konkurrenz ausgetragen und wie vernichtend vorgegangen wird, ist etwas, woran jeder von uns arbeiten kann.» Denn Frauen führten oft längere und nachhaltigere «Kämpfe» als Männer und gingen auf eine viel persönlichere Ebene. «Männer fetzen sich mal und dann ist wieder gut.»

Familie als Killerfaktor

Monique Ryser, BPW-Präsidentin der Schweiz, sieht die Problematik in einem anderen Licht. «Kaderfrauen sind sich nicht mehr bewusst, dass sie sich nicht allein bis an die Spitze durchgekämpft haben.» Denn es sei die ganze Frauenbewegung der vergangenen Jahrzehnte, die den Weg dafür geebnet habe. Von dieser Tatsache würden sich aber viele berufstätigen Frauen abgrenzen.

Für Antonella Bizzini von der Infostelle Frau+Arbeit liegt das Problem woanders. Die Frauen würden nicht in erster Linie Schuld am beruflichen Aus ihrer Mitstreiterinnen tragen. «Karrieren gehen eher aus anderen Gründen kaputt», erklärt sie. Denn Männer seien im Kader genau so hart zueinander. Killerfaktor sei insbesondere die Familie.

Frauen sollen Stärken anerkennen

Bross fordert die Frauen auf, die Stärken anderer Geschlechtsgenossinnen anzuerkennen und zu fördern. Denn auch sie verweist auf die Tatsache, dass die Frauen ihren Erfolg den Vorgängerinnen zu verdanken haben, die sich mit der Frauenbewegung dafür eingesetzt haben. Doch eine Frau im Team reiche nicht, um einen Kulturwandel zu bewirken. «Wir brauchen eine kritische Masse an fähigen Frauen in den Führungspositionen.»

(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • orion am 11.12.2013 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Frauen untereinander

    Frauen sind untereinander eh zickig vor allem bei der Arbeit. Ist leider so. So meine Erfahrungen der letzten Jahre und ich bin eine Frau. An meiner jetzigen Arbeitsstelle sind wir 5 Frauen im Team und hier funtionierts wunderbar. Ist aber glaubs nicht selbstverständlich.

  • asdfg am 11.12.2013 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Hahahahahahaha

    Ja liebe Frauen. Verbündet euch und seid lieb zu einander, dann könnt ihr eventuell mit Männern konkurrieren... Dass ich nicht lache. Im Berufsleben und in Kaderpositionen ist jeder alleine und es herrscht Konkurrenzkampf. Solche Ausrufe zur Solidarität erwecken den Eindruck die Arbeit verläuft als Kampf zwischen Männern und Frauen. Sowas dämliches.

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  • Tippse am 11.12.2013 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Frauen vs. Frauen

    Das Ergebnis dieser Studie ist für mich keine Überraschung. Als Frau muss ich leider zugegeben, dass ich bisher nur von Frauen ausgebremst wurde. Nie von Männern. Von weiblichen Chefs wurde ich noch nie gefördert oder untersützt. Ich arbeite in einem reinen Frauenbetrieb und muss beobachten, dass hier die Ellenbogen besonders ausgefahren werden und überall Befindlichkeiten herrschen. Anscheinend ist das ein tief verankertes Phänomen, dass sich Frauen gegenseitig nichts gönnen und immer Konkurrenz verspüren. Ich versuche dieses Verhalten zu überwinden und hoffe, es möge mir gelingen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Domino am 11.12.2013 19:37 Report Diesen Beitrag melden

    Maskuline Frauen

    Mir fällt auf, dass sehr viele Frauen, die in Führungspositionen sind und sich durchsetzen und ihren Job super machen, sehr maskulin sind. Sicher nicht alle, aber der Grossteil schon. Auch Frauen in sog. Männerberufen sind mir so aufgefallen. Ich würde gerne Namen nennen, aber 20Min würde das nicht aufschalten.

  • Andro_Meda am 11.12.2013 19:16 Report Diesen Beitrag melden

    30 zu 3 Jahren

    Ich (w) habe 30 Jahre hauptsächlich mit Männern gearbeitet = ok, keine nennenswerten Probleme. ABER 3 Jahre in Frauenteams = unglaublich, höllisch, hätte ich nie gedacht... Kurz: es ist deutlich einfacher mit Männern zu arbeiten als mit Frauen.

  • Maria/Sah am 11.12.2013 13:05 Report Diesen Beitrag melden

    egal

    Es interessiert mich nicht, ob ich mit Frauen oder Männern zusammenarbeite. Für mich zählt einzig, dass die Personen professionell arbeiten und kommunizieren.

  • Piotr am 11.12.2013 12:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur untereinander..

    ..Frauen nehmen generell vieles persönlich! Das könnte auch ein Hinderniss sein!

  • Hampi am 11.12.2013 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    Ist so!

    Wie sagt man so schön:" Eine Frau am Arbeitsplatz geht ohne Probleme, zwei sind aber eine zuviel!" Wer von den Männern schon in Teams gearbeitet hat in denen 4 oder 5 Frauen sind, ist froh wenn er wieder irgendwo arbeiten konnte wo nur Männer anwesend waren. Aber ich kenne auch viele Frauen die froh sind, wenn sie die einzige weibliche Person im Team sind!