Gewalt und Missbrauch

28. Mai 2014 08:31; Akt: 28.05.2014 08:52 Print

«Frauen sind zu denselben Taten fähig wie Männer»

Auch Frauen können böse sein: Sie missbrauchen Kinder und verprügeln ihre Männer. Letztes Jahr wurden 2365 Männer Opfer von häuslicher Gewalt.

Greift eine Frau einen Mann in der Öffentlichkeit an, schmunzeln die Zuschauer nur. Dieses Video hat die Diskussion um gewalttätige Frauen vor Kurzem angefacht.
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Eine Mutter, die ihr Kind vergewaltigt? Eine Frau, die ihren Mann windelweich prügelt? Unmöglich – spricht man von Gewalt und Missbrauch, scheinen die Rollen meist klar verteilt: Täter ist der Mann, Opfer ist die Frau. Ganz so einfach ist es aber nicht. Monika Egli-Alge, Geschäftsführerin des Forensischen Instituts Ostschweiz, schätzt, dass 10 bis 25 Prozent der Täter, die Kinder sexuell misshandeln, Frauen sind.

Erst letzte Woche hat der Fall einer 36-jährigen Hausfrau, die sich mehrmals an einem 14-jährigen Schulfreund ihrer Tochter vergangen haben soll, Schlagzeilen gemacht. Von «Täterinnen» liest man bei sexuellen Übergriffen selten. «Man traut den Frauen solche Taten schlicht nicht zu», sagt Egli-Alge zur «Aargauer Zeitung».

«Bereitschaft zu Gewalt ist menschlich»

Dass auch Frauen zu Missbrauch fähig sind, passe einfach nicht in unsere Vorstellung, die wir vom weiblichen Geschlecht haben, sagt auch Oliver Hunziker, Gründer des Väterhauses Zwüschehalt im Aargau. «Sie ist die Mutter, die Gütige, die per se nichts falsch machen kann.» Dies könne aber nicht in diesem Sinne pauschalisiert werden: «Die Bereitschaft zu Gewalt und Missbrauch sind menschliche Dinge, nicht männliche.» Auch Frauen hätten diese Veranlagung.

Nicht alle unterdrücken diese, vor allem in ihrer Partnerschaft: Gemäss neuen Zahlen des Bundesamts für Statistik sind letztes Jahr 2365 Männer Opfer häuslicher Gewalt geworden. 2012 waren weniger, nämlich 2248 Anzeigen erstattet worden.

«Diese Zahl hat in den vergangenen Jahren stetig etwas zugenommen», bestätigt Hunziker. In Tat und Wahrheit sei sie wohl noch einiges grösser, da man auch eine Dunkelziffer miteinrechnen müsse. Männer erstatteten viel seltener Anzeige, wenn sie von ihrer Frau tätlich angegriffen wurden, als im umgekehrten Fall. «Die Scham und das Tabu auf diesem Gebiet sind noch immer gross.»

Eine Folge der Emanzipation?

Die zunehmende Berichterstattung über gewalttätige Frauen habe auch die Wahrnehmung der Bevölkerung beeinflusst, glaubt Hunziker. «Man hört öfter von solchen Vorfällen und glaubt deshalb auch, sie hätten zugenommen.» Er kann sich aber auch vorstellen, dass die Emanzipation dazu geführt hat, dass Frauen eher die Hand gegen ihren Mann erheben.

«Frauen sind zu denselben Taten fähig wie Männer», sagt Hunziker. Der einzige Unterschied in ihrem gewalttätigen Verhalten sei anatomisch bedingt. Frauen würden öfter psychischen Druck auf ihre Opfer ausüben, Nötigung und Drohungen seien typisch. Auch leichte Tätlichkeiten wie Kratzen und Beissen gehörten dazu. «Schwere Prügel hingegen gibt es eher selten, weil ihnen schlicht die Kraft dazu fehlt – Männer sind nun mal in den meisten Fällen stärker als Frauen.»

In der Polizeistatistik zeigt sich aber, dass, sobald Waffen zum Einsatz kommen, die Zahl der von Frauen ausgeübten Angriffe auf Männer wieder steigt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • mann als opfer am 28.05.2014 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    es gibt sie, leider...

    meine exfrau ging vor 3 jahren mit dem messer auf mich los und stach mehrmals zu. mann als opfer, das gibt es doch nicht hörte ich von allen seiten. das schlimmste war, das auch die polizei vor ort, dies als bagatelle abtun lies, obwohl ich 3 schwere operationen deswegen hatte. erst nach richtiger untersuchung etc. wurde mir recht gegeben. immer wieder hörte ich, das kann doch nicht sein, ich musste und muss immer wieder klar stellen was sache war und das es auch schweizer frauen gibt die gewaltätig sein können.

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  • Stefan Jakob am 28.05.2014 09:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Doppelmoral

    Und was passiert wenn ein Mann angegriffen wird? Die Leute schauen nur zu und lachen sogar. Diese Doppelmoral ist echt das schlimmste.

  • Edi Schuldner am 28.05.2014 09:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Physische vs. psychische Gewalt

    Wenn wir von Gewalt sprechen, meinen wir die physische (sog. taktile) Gewalt, die in der Regel von Männern offen und sichtbar ausgeübt wird. Die in der Regel von Frauen ausgeübte psychische (sog. verbale) Gewalt die indirekt und subtil verwendet wird, ist ebenso zerstörerisch. Diese Tatbestände fehlen im Strafrecht weitestgehend, weil viel schwieriger nachzuweisen. Wann gibts hier Gleichstellung?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • john w. am 28.05.2014 19:27 Report Diesen Beitrag melden

    Single

    Leider leben wir in einem land in dem frauen nur frauen rechte bekommen. Als mann hat man immer denkürzeren gezogen. Daher sollen männer entweder für ihre kämpfen oder besser single bleiben.

  • Buchempfehlulng am 28.05.2014 19:18 Report Diesen Beitrag melden

    Das bevorzugte Geschlecht

    Martin v. Crefeld. Darf jeder gerne lesen und sich eine Meinung bilden. Ist zwar ein dicker Schmöcker, aber wer sich mit dem Thema auseinander setzen will, dem kann ich es nur empfehlen. Viel Spass beim Philosophieren.

  • Tüechlidrugger am 28.05.2014 17:34 Report Diesen Beitrag melden

    Neu ist mir das nicht

    Schade habe ich es grad nicht zur Hand, aber es gibt eine prima Abhandlung über diese Thema von einer Berliner Ärztin. Ihrer Meinung nach hält sich die Gewalt unter den Geschlechtern die Waage, erschwerend ist dabei dass Männer "nicht Weinen", soll heissen sie stecken es weg, das heisst aber nicht dass sie nicht genauso verletzlich sind, aber leider oft nicht zum Arzt gehen oder sich an sonst eine Vertrauensperson wenden. Ferner ja, die angesprochene psychische Gewalt ist ein Problem und ein in die Ecke gedrängtes Wesen antwortet in der Regel mit physischer Gewalt oder gar einem "Rundumschlag"

  • Nick. am 28.05.2014 16:04 Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung

    Frauen wollen Gleichberechtigung, heisst für mich als Mann: Wenn mich eine Frau schlägt, gibts knallhart eins zurückgebraten.

  • Sabrina am 28.05.2014 15:40 Report Diesen Beitrag melden

    Ach Männer

    nehmt's locker. Ich mag Euch gar nicht. Vor mir habt Ihr Ruhe.