Wahlkampf-Aktion

30. Juni 2015 13:17; Akt: 30.06.2015 14:46 Print

«Frauen statt Würstchen» sollen in den Nationalrat

Der Frauenanteil im Bundeshaus stagniert. Drei junge Politikerinnen wollen das ändern. Doch nicht alle finden die Aktion witzig.

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Knapp jeder dritte Nationalratssitz in der Schweiz ist derzeit in weiblicher Hand. Im Ständerat ist es etwas weniger als jeder fünfte (siehe Bildstrecke). «Das reicht nicht», finden drei junge Berner Politikerinnen. Kathrin Bertschy (GLP), Lea Kusano (SP) und Aline Trede (Grüne) starten deshalb eine gemeinsame Wahlaktion. «Würstchen gehören auf den Grill, starke Frauen in den Nationalrat», lautet der Slogan. Das Sujet macht seit kurzem auf Social Media die Runde. Trede und Kusano planen zudem eine gemeinsame Plakatkampagne.

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Laut Kusano, die als einzige der drei noch nicht im nationalen Parlament sitzt, ist die Idee an einem privaten Grillabend entstanden: «Wir sagten uns, es müssen dringend mehr Frauen ins Parlament – egal aus welcher Fraktion.» Die Aktion sei eine Möglichkeit, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Eigenen Wahlkampf zu betreiben und ein Zeichen für die Frauenförderung zu setzen.

«Lustig ist anders»

Kathrin Bertschy ist neben ihrem Nationalratsmandat auch Co-Präsidentin der Alliance F, dem Bund schweizerischer Frauenorganisationen. Sie sagt: «Das Parlament trifft wegweisende Entscheidungen für Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt. Es darf nicht sein, dass eine Gruppe der Gesellschaft – die Frauen – hier systematisch so stark untervertreten ist.» Wenn die klare Mehrheit der Politiker ältere Herren seien, politisiere das Parlament an den wahren Themen der Bevölkerung völlig vorbei.

Bürgerliche Ratskollegen haben für die ganze Aktion nur ein müdes Lächeln übrig. SVP-Nationalrat Sebastian Frehner sagt, er finde den Slogan plump. «Lustig ist anders. Ich sage ja auch nicht: ‹Schnecken zur Vorspeise, Männer in den Nationalrat.›» Es sei «etwas wenig», im Wahlkampf nur auf die Frauenkarte zu setzen. «Weiblich zu sein, ist an sich noch keine Leistung.» Auch Frehners Parteikollegin Yvette Estermann sagt: «Die Wähler sollten Politiker wegen ihrer Arbeit wählen, nicht wegen ihres Geschlechts.»

«Etwas prüde»

Aline Trede kontert: «Dass Frehner etwas prüde ist, hat er schon mit seiner Sexualkunde-Initiative bewiesen.» Wer sich über den Slogan aufrege, fühle sich offensichtlich angesprochen. Auch die Kritik, die Aktion würde das Geschlecht über die Leistung stellen, greife zu kurz. «Wir sind drei Frauen mit einem beachtlichen Leistungsausweis.» Damit Frauen ins Parlament gewählt werden, müssten sie aber auch kandidieren. «Wenn wir die SVP-Listen anschauen, sind Frauen ganz klar untervertreten, was sich dann auch im Parlament niederschlägt.»

(jbu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • the truth am 30.06.2015 13:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unglaublich

    wie in der heutigen zeit mit männern umgegangen wird. und der spruch ist absolut sexistisch. nicht auszudenken was in einem umgekehrten fall los wäre. wann erwachen wir männer endlich?

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  • Joachim Kuhn am 30.06.2015 13:27 Report Diesen Beitrag melden

    Bin nicht prüde

    Das Plakat ist einfach nicht witzig. Musste nicht lachen. War nicht amüsiert. Kein Endorphin ausgeschüttet. Gesichtsmuskulatur still. Langweilig.

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  • Küsä am 30.06.2015 13:26 Report Diesen Beitrag melden

    Leistungsausweis?

    Was soll denn das für ein beachtlicher Leistungsausweis bitteschön sein? Wa wurde Konkretes geleistet und damit meine ich nicht nur grosse Reden schwingen und Missstände anprangern?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Andreas am 03.07.2015 14:51 Report Diesen Beitrag melden

    Starke Frauen?

    Also ich sehe auf dem Foto nur zwei kleine Mädchen und einen Tintenfisch mit Brille? Wo sind die starken Frauen wo?

  • tammy j am 03.07.2015 10:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    qualität zählt ,nicht geschlecht

    von einem primitiv ins andere. mir doch egal ob mann oder frau... wichtiger,dass es die richtigen sind. und das auch im kader. Geschlecht egal.. Qualifikation nicht !

  • Küse am 02.07.2015 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    Bis jetzt hatten wir noch

    leider kann ich mich nicht erinnern , dass irgend ein Frau etwas gebracht hat. Die Quotenregelung müsste dringend abgeschafft werden. Wir haben schon genug weich Eier in der Politik. Schaut doch die vielen Diskussionen keine Ahnung von der Materie (Nur vom hören sagen) und viel Gelabber um nichts. Die starken Frauen leben in ihrer schein Welt. (mal Arbeiten und Dreck fressen )

  • fabian herzog am 02.07.2015 13:25 Report Diesen Beitrag melden

    Würstchen

    Wenn sich jemand angesprochen fühlen sollte, dann die Partner der drei. Von irgendwo müssen sie ja die Idee haben.

    • Madelaine am 02.07.2015 16:00 Report Diesen Beitrag melden

      Absolut richtig

      Das stimmt. Die Partner der drei können stolz sein, so starke Frauen zu haben. Und erst noch keine Würstchen zu sein. Vielleicht sollten sie auch für den Nationalrat kandidieren?

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  • Grillzange 08 15 am 02.07.2015 07:44 Report Diesen Beitrag melden

    das gibt sich wieder

    Im Hintergrund ist ein Spielplatz zu sehen. Spätestens wenn sich diese drei Damen dann einmal mit Kindern befassen lässt der Drang nach politischen Heldentaten in Bern von alleine wieder nach.

    • Grillmeister am 02.07.2015 08:16 Report Diesen Beitrag melden

      Auf dem falschen Gleis

      Anscheinend kennst du die drei sehr gut, Grillzange. Sicher zwei davon haben längst Kinder.

    • Tsch Tsch am 02.07.2015 09:09 Report Diesen Beitrag melden

      pro Familie

      @Grillmeister mit eigenen Kindern durchs Leben gehen und gleichzeitig gute Politik in Bundesbern machen funktioniert nicht.

    • Flachzange am 02.07.2015 09:25 Report Diesen Beitrag melden

      @Tsch Tsch

      Ah ja, darum haben wir nur ledige, kinderlose Parlamentarier. Das macht Sinn. So kommen wir sicher auch zu einer guten Familienpolitik. Zum Glück sieht die Realität anders aus, als Sie sich das vorstellen.

    • Küse am 02.07.2015 17:00 Report Diesen Beitrag melden

      Warum brauchen

      wir überhaupt Frauen in der Politik. Hat bis heute ja ach nicht als ärger gebracht.

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