Asylbewerber

05. Mai 2011 16:53; Akt: 05.05.2011 17:10 Print

«Froh, ein Dach über dem Kopf zu haben»

von Joel Bedetti - Wie viele Asylsuchende schweizweit in unterirdischen Anlagen hausen, weiss niemand. Klar aber ist: Fast kein Flüchtling hat ein Problem damit.

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Am Mittwoch musste in La Chaux-de-Fonds eine Gruppe afrikanischer Asylbewerber mit der Androhung von Polizei dazu gebracht werden, vom überlaufenen Empfangslager in eine unterirdische Zivilschutzanlage zu ziehen. Nicht nur Neuenburg ist mit seinen Asylheimen überlastet. Aufgrund der politischen Unruhen in Tunesien und Libyen kam es Anfang Jahr zu einem starken Anstieg der Gesuche.

Besonders belastet sind die fünf Empfangs-und Verfahrenszentren (EVZ), in denen das Bundesamt für Migration die Asylsuchenden befragt, bevor es sie an die kantonalen Durchgangslager weitergibt. Das BFM beschloss deshalb Mitte April, 300 Plätze in Zivilschutzanlagen zu schaffen. Das besonders belastete EVZ Basel quartierte gleich 140 Flüchtlinge in den Untergrund.

Nichts in Planung

Wegen dem Rückgang der Gesuchszahlen im April hat sich die Situation aber beruhigt. «Zurzeit haben wir 75 Personen in der Zivilschutzanlage», sagt Roger Lang, stellvertretender Leiter des EVZ Basel. Bei den EVZ Kreuzlingen und Chiasso, welche ebenfalls Zivilschutzanlagen nutzen, sind keine Zahlen zu erhalten. Die Migrationsämter von Bern und Zürich bescheiden, keine Asylbewerber in unterirdischen Anlagen zu haben und dies auch nicht zu planen.

Unterkünfte unter Tage wie in La Chaux-de-Fonds sind die Ausnahme. Hinzu kommt, dass die Aufenthalte in Zivilschutzanlagen keine Ewigkeit dauern. Im Durchschnitt, so BFM-Sprecher Joachim Gross, würden die Asylbewerber 25 Tage unter der Erde verbringen – ungefähr gleich lang, wie es tausende WK-Soldaten jedes Jahr auch tun.

Keine Lust auf Auszug

Dass Asylsuchende Unterkünfte verweigern, kommt hin und wieder vor (wie auch, dass Gemeinden die Aufnahme von Flüchtlingen ablehnen). Normalerweise verlaufen die Einquartierungen in unterirdische Anlagen aber problemlos. «Natürlich haben nicht alle Freude daran», sagt Jakob Amstutz, Sprecher der Heilsarmee Schweiz, welche bei der Betreuung von Flüchtlingen mithilft. «Aber wenn man ihnen klarmacht, dass man tut, was man kann, dann verstehen sie das.»

Dieser Meinung ist man auch im Sozialamt des Kantons Zürich, das bei Engpässen in früheren Jahren immer wieder Zivilschutzanlagen nutzte. «Die Leute sind froh, überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben», sagt Leiter Ruedi Hochstetter. Und Roger Lang vom EVZ Basel beobachtet, dass einige Flüchtlinge die Anlage unter der Erde dem überfüllten Zentrum an der Oberfläche vorziehen: «Vor kurzem hätten einige zurück ins Zentrum gehen können – aber sie wollten nicht. Sie fanden es unten ruhiger und geräumiger.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Langsam nervts am 05.05.2011 18:26 Report Diesen Beitrag melden

    Lügen

    "Aufgrund der politischen Unruhen in Tunesien und Libyen kam es Anfang Jahr zu einem starken Anstieg der Gesuche." - vor kurzem hiess es im Tagi "man merke bisher noch kaum etwas"... Frage mich langsam, ob dieses Asylwesen nicht ein einzig grosser Skandal ist, den man zu vertuschen versucht!!!

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  • hans satt am 05.05.2011 17:12 Report Diesen Beitrag melden

    aber klar

    aber ja, die ausländer habens ja so gut hier und wohnen im luxus.

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  • Beobachter am 05.05.2011 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    WUNSCH-KONZERTE SIND NICHT GEFRAGT

    Asysuchenden sollte man nur ein vorübergehendes Asyl gewähren, bis sich die Lage in ihren Heimatländer beruhigt hat, denn dort gibt es genug Aufräum-Arbeiten zu bewältigen, wo ihre Hilfe benötigt wird.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • René Kälin am 07.05.2011 13:38 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Reklamieren motiviert

    Ich könnte mir vorstellen, dass schweizer Organisationen die Flüchtlinge aufstacheln, die Unterkünfte zu verwehren. Wie kämen sie sonst auf die Idee, wenn man weiss, wie die Leute in den entsprechenden Ländern unter ärmlischten Bedingungen leben.

  • Danny am 06.05.2011 17:32 Report Diesen Beitrag melden

    Anwalt?

    Hallo? Gibt es einen Anwalt im Forum? Ich wurde anlässlich meiner Armeezeit während vieler Wochen mit massenweise fremden Leuten in fensterlose, stickige Zivilschutzanlagen eingepfercht. Gegen meinen ausdrücklichen Willen. OK. Ich hab's überlebt, auch wenn's mir nicht gefiel und das Essen auch nicht toll war. Die Sanitäranlagen waren auch nicht gerade vom Feinsten. Kann ich im Nachhinein gegen diese menschenunwürdige Behandlung klagen?

  • Kari am 06.05.2011 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Bedingungen akzeptieren; sonst gehen

    Asylanten haben unsere Bedingungen zu akzeptieren, sonst müssen sie gehen. Denn wenn sie das Gefühl haben, es woanders scheinbar besser zu haben, dann sollen sie dahin gehen. Wo kommen wir denn hin, wenn Asylanten bestimmen können, was gut für sie ist.

  • Genervter am 06.05.2011 08:05 Report Diesen Beitrag melden

    Geht das nur mir so,...

    ...oder geht noch anderen Leuten hier dieses ewige Gejammer langsam auf den Keks?! ...und damit meine ich nicht die Asylsuchenden!!

  • Sven Christen am 05.05.2011 19:55 Report Diesen Beitrag melden

    Asyl aber richtig

    Dieser Aufstand ist berechtigt! In Thalwil gibt es schliesslich eine Strasse die Asylstrasse heisst und die Wohnungen da sind mit Seesicht ausgestattet!