Starker Franken

23. Januar 2015 20:43; Akt: 30.01.2015 13:36 Print

«Für Schneider-Ammann steht viel auf dem Spiel»

von Romana Kayser - Der Wirtschaftsminister will die Schweiz vor dem starken Franken retten. Erfolg oder Misserfolg könnte über seine Wiederwahl entscheiden.

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Die aktuellen Entwicklungen in der Finanzbranche sind eine gewaltige Herausforderung für die Schweizer Wirtschaft und für den Wirtschaftsminister Schneider-Ammann. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

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Jetzt hat Johann Schneider-Ammann seinen grossen Auftritt: Er tritt entschlossen auf und kündigt an, alles zu tun, um die Schweizer Wirtschaft vor dem starken Franken zu schützen. Er beruft zwei runde Tische mit Wirtschaft, Verwaltung und Sozialpartnern ein, um möglichst schnell konkrete Lösungen zu finden.

Wirtschaftspolitiker von links bis rechts begrüssen Schneider-Ammanns Gesprächsoffensive: «Ich bin froh, dass er mit uns zusammen nach Lösungen sucht», sagt SP-Nationalrat Corrado Pardini. Seine Vorschläge zur Kostensenkung der Betriebe auf Kosten der Arbeitnehmer seien aber der falsche Ansatz, hält Pardini fest: «Wer jetzt Löhne senken will, versucht das Feuer mit Benzin zu löschen.»

Für FDP-Nationalrat Andrea Caroni ist Schneider-Ammann der richtige Mann für die gegenwärtige Krise. «Als erfahrener Industrieller ist er in einer perfekten Ausgangslage, um die Gespräche zu führen.» Der Bundesrat zeige sich offen, neige aber nicht zum Interventionismus.

Wackliger Bundesratssitz

Mehr als nur Gespräche erwartet hingegen SVP-Nationalrat Thomas Aeschi: «Der Wirtschaftsminister muss noch entschlossener auftreten.» An einen runden Tisch könne man sich immer setzen. «Was es jetzt braucht, sind schnelle und konkrete Massnahmen, damit die Wirtschaft nicht noch mehr belastet wird.»

Die von Schneider-Ammann gewählte Strategie wird jedoch nicht nur über die Zukunft des Schweizer Werkplatzes entscheiden, sondern vielleicht auch über seine eigene. Denn am 9. Dezember finden Bundesratswahlen statt. «Die Sitze von Schneider-Ammann und Eveline Widmer-Schlumpf wackeln», sagt Politologe Mark Balsiger. «Für ihn steht deshalb viel auf dem Spiel.» Die aktuelle Krise sei für den FDP-Bundesrat deshalb sowohl Chance als auch Risiko: Bei jedem möglichen Schritt, den Schneider-Ammann und seine Berater nun evaluieren, spiele seine Wiederwahl eine Rolle.

«Wenn die Grosswetterlage in der Wirtschaft negativ durchschlägt, dann werden einzelne Akteure wie die SP und die Gewerkschaften Schneider-Ammann den Schwarzen Peter zuspielen», sagt Balsiger. Dann könnte es im Dezember eng für ihn werden. Wenn er es aber schaffe, die wichtigen Player zusammenzubringen, die Gespräche gut zu moderieren und eine für die meisten taugliche Lösung zu finden, «dann kann der Wirtschaftsminister seine Position stärken».

Vom «stotternden Kommunikator» zum souveränen Bundesrat?

Bundesrats- und Parteikollege Didier Burkhalter hat bereits vorgemacht, wie man an einer Krise wachsen kann: Der ehemalige Bundespräsident hat sich während der Ukraine-Krise erfolgreich von der grauen Maus zum Vorzeige-Bundesrat gemausert.

Balsiger beobachtet: «Schneider-Ammann blüht derzeit auf.» Zudem habe er etwas sehr Väterliches und Nahbares an sich, dies könnte in der aktuellen Krise ein Plus sein. In seinen beiden ersten Jahren als Bundesrat sei er sehr zaghaft aufgetreten und man habe das Gefühl gehabt, dass er in dieser neuen Funktion noch nicht richtig Tritt gefasst habe.

«Wenn Schneider-Ammann diese grosse Herausforderung nun überzeugend über die Bühne bringt, dann kann sich die FDP freuen», sagt Balsiger. «Das gibt ihr Rückenwind ihm Wahljahr, und sie tritt im Dezember mit zwei Bundesräten an, die sich von grauen Mäusen und stotternden Kommunikatoren zu souveränen Figuren in der Landesregierung entwickelt haben.» Wichtig für Schneider-Ammanns Wiederwahl seien aber nicht nur sein Krisenmanagement und sein öffentlicher Auftritt in den nächsten Monaten, sondern auch der Ausgang der Parlamentswahlen im Oktober.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Joe Schneider am 23.01.2015 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schneider-Ammann

    Was der in den letzten Tagen alles gesagt hat! Er widerspricht sich laufend, je nachdem, welche WEF-Teilnehmer ihm ihre Meinung mitgeteilt hatten. Einmal kommen Lohnerhöhungen nicht in Frage. Ein anderes Mal muss darüber diskutiert werden. Er weiss überhaupt nicht was er will und ist als Wirtschaftsminister offenbar überfordert und der Situation nicht gewachsen.

  • Köbeli Guggisbärg, Gochelimoos am 23.01.2015 21:03 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach nur schwach.

    Johann Schneider-Amman ist seinem Amt seit Beginn nicht gewachsen. Es ist aber ebenfalls Tatsache dass neben ihm, einige weitere Kolleginnen und Kollegen in der selben Situation sind. Die heutige Bundesrat-Konstellation ist eine der schwächsten, die es je gegeben hat; leider! Verlierer ist die ganze Nation.

    einklappen einklappen
  • p.h. am 23.01.2015 20:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rente

    Naja, die Rente ist ihm ja gesichert und Vermögensverluste auf seiner Seite wird er nicht gross haben.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Richard Wetter am 25.01.2015 00:17 Report Diesen Beitrag melden

    Zuwarten und alles verpasst

    Schneider-Ammann hat die letzten Jahre völlig verschlafen, hat nichts getan um Preise und Löhne zu senken, um unser Land den Kosten in der EU anzunähern. Die Unternehmen waren innovativ, haben die Produktivität gesteigert, aber diese Möglich- keiten sind nun wohl ausgeschöpft.

  • Mirko Schaerer am 24.01.2015 21:31 Report Diesen Beitrag melden

    Bundesrat ohne Problemlösungspotential

    Es ist leider wirklich so, dass er heillos überfordert ist. Die Krönung fand ich, als er im Radiointerview vom WEF aus Davos auch noch meinte, die KMU's könnten ja als Sofortmassnahme im Ausland einkaufen. Dass er damit ganze Branchen in der Schweiz, die am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, aushebelt und noch weiter ins Elend stürzt, scheint er nicht zu begreifen. Die Schweiz hatte seit 1848 noch nie einen so schwachen und hilflosen Bundesrat wie heute. Das vielleicht sogar grösste Problem in der aktuellen Lage.

  • der hässige am 24.01.2015 21:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hochpreisinsel ade!!!

    wenn wir die eigene wirtschaft retten wollen, müssen zuerst die preise auf europaniveau gesenkt werden. dann erst kann man über lohnsenkungen nachdenken. andernfalls geht noch viel mehr geld ins ausland weg, weil wir hier unser eigenes leben nicht mehr leisten können. wer verdient denn eigentlich an unseren teuren produkten? und warum ist z. b. eine ovomaltine im ausland günstiger wie hier. als erstes müssen sofort parallelimporte gestattet werden!

  • Jago am 24.01.2015 20:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Rede am Runden Tisch

    Herr Schneider-Ammann spricht am Runden Tisch und niemand versteht den Inhalt seiner Rede. Herr Schneider- Ammann, die Wirtschaft ist ein Getriebe und das grösste Zahnrad sind die Arbeitnehmer. Sie können sich nur glücklich schätzen, dass in der Schweiz nicht gestreickt wird.

  • Frank Oppliger am 24.01.2015 20:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Rezession

    Er wird dieses Ziel nicht erreichen. Er wird auf andere hören die sicher nicht auf der Seite der Arbeiter oder Angestellten sein werden. Damals hat er elegant übersehen den Mietzins zu senken nur um wiedergewählt zu werden. Die Prognosen stehen auf Rot. Schliesslich hat er eine ganz andere Ausbildung genossen. Niemand kann plötzlich seine Meinung so drastisch ändern.