Ozeanium Basel

03. Mai 2019 14:24; Akt: 03.05.2019 15:15 Print

Sollte man sich für Besuch im Aquarium schämen?

Für den Zürcher Zoodirektor Alex Rübel sind aus der Wildnis gefangene Tiere für Grossaquarien ein «notwendiges Übel». Es sei besser, als für Tauchferien nach Asien zu fliegen.

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Das Ozeanium soll das wichtigste Zentrum für Bildung und Forschung im Bereich Meeresbiologie werden. Bis zu 700'000 Menschen sollen das Superaquarium jährlich besuchen. Das 100-Millionen-Projekt soll durch Spenden finanziert werden. Stand heute sind Spenden in der Höhe von 57 Millionen Franken gesichert. Ob das Projekt realisiert werden kann, entscheidet das Basler Stimmvolk am 19. Mai. Ein Nein-Komitee um die Umweltschutzorganisation Fondation Franz Weber kritisiert, dass für den Bau des Ozeaniums bis zu 90 Prozent der Meerestiere in bedrohten Korallenriffen gefangen und so ihrem natürlichen Lebensraum entrissen würden. Schon beim Transport der Fische würden zahlreiche Tiere ums Leben kommen, sagt Präsidentin Vera Weber. Damit die Tiere ihren Plastikbeutel nicht vollkoten, würden sie vor dem Transport ausgehungert. Vier von fünf Fischen überlebten das Prozedere nicht. «Sie sterben entweder schon beim Transport oder dann innerhalb eines Jahres im Aquarium, weil sie derart geschwächt sind», so Weber. Dass einige der Tiere beim Transport für das Ozeanium sterben können, bestreitet der Zürcher Zoodirektor Alex Rübel nicht. «Das ist leider so. Aber nicht 80 Prozent, wie die Gegner behaupten», sagt er. Trotzdem sei ein schlechtes Gewissen beim Besuch eines Aquariums fehl am Platz. Rübel ist überzeugt, dass es gerechtfertigt ist, Tiere in Gefangenschaft zu halten, wenn dadurch auch nur ein Bruchteil der Besucher für den Tier- und Meeresschutz sensibilisiert werde. «Das macht mehr Sinn und ist umweltschonender, als wenn man für Tauchferien nach Afrika oder Asien fliegt», so Rübel. Dass man die benötigten Meerestiere oft nicht selber züchten könne, sondern in Korallenriffen einfangen müsse, sei ein notwendiges Übel, sagt Rübel. Gleichzeitig relativiert er: «Für das Ozeanium holt man dafür so viele Fische aus dem Meer, wie in der Stadt Basel an einem Mittag auf den Tellern der Restaurants landen.» Tanja Dietrich, Leiterin Kommunikation des Zoos Basel, sieht den Tierschutz durch den Bau des Ozeaniums nicht gefährdet: «Für das Ozeanium werden wir zum einen auf Bestände aus anderen Aquarien zurückgreifen. Weitere Fische und Korallen züchtet der Zolli bereits jetzt.» «Dennoch werden Meeresfische der Natur entnommen.» Wenn es richtig und nachhaltig gemacht werde, sei dies jedoch unproblematisch, so Dietrich weiter. Der Zoo arbeite dazu mit professionellen Händlern zusammen, die er persönlich kenne, sagt Dietrich. «So stellen wir sicher, dass auf umweltschädigende Fangmethoden wie den Fang mit Gift verzichtet wird. Weiter fällt dadurch auch der oftmals kritisierte Zwischenhandel weg.» Durch diesen professionellen Umgang kämen auch beim Transport sehr wenige Tiere zu Schaden. «Die Behauptung, dass beim Ozeanium ein Grossteil der Tiere während des Transports sterbe, ist schlichtweg falsch», so Dietrich vom Zoo Basel. Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen. Falls das Basler Stimmvolk am 19. Mai Ja zum Ozeanium sagt, behält sich die Fondation Weber vor, Einsprache gegen die Baubewilligung zu erheben.

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40 Aquarien, 4.6 Millionen Liter Wasser und Tausende Meerestiere: Basel stimmt am 19. Mai über den Bau des Ozeaniums Basel ab. Der Zoo Basel wirbt damit, das «Meer nach Basel zu holen». Und laut dem Direktor des Zollis, Olivier Pagan, mache man damit auf den Schutz der Ozeane aufmerksam. Bis zu 700’000 Besucher pro Jahr werden erwartet, 18 Franken soll ein Eintrittsbillett kosten. Doch der Widerstand gegen das 100-Millionen-Projekt ist gross.

Die Umweltschutzorganisation Fondation Franz Weber greift in einer Sonderausgabe seines Journals nicht nur das Ozeanium an, sondern holt zum Rundumschlag gegen Gross-Aquarien in ganz Europa aus. So würden bis zu 90 Prozent der Meerestiere in bedrohten Korallenriffen gefangen und so ihrem natürlichen Lebensraum entrissen.

Statt beim Besuch des Ozeaniums in eine «faszinierende Unterwasserwelt» einzutauchen, würde man sich am Leid von tausenden Tieren ergötzen, sagt Vera Weber, Präsidentin der Organisation. «Auf einen Besuch in einem Gross-Aquarium sollte man nicht stolz sein.» Den Kindern würde man so beibringen, dass es völlig in Ordnung sei, wilde Tiere zu fangen und dann in Gefangenschaft zur Schau zu stellen.»

«Einige Tiere können sterben»

Eine Gefangenschaft, die bei vielen zum Tod führt, sagt Weber: «Nach dem Fang werden die Tiere in Plastiksäcke verpackt und ausgehungert nach Europa verfrachtet, damit sie ihre Beutel nicht verkoten.» Bis zu 80 Prozent der Korallenfische überlebten das Prozedere nicht. «Sie sterben entweder schon beim Fang, beim Transport oder dann innerhalb eines Jahres im Aquarium, weil sie derart geschwächt sind.»

Dass einige der Tiere beim Transport für das Ozeanium sterben können, bestreitet der Zürcher Zoodirektor Alex Rübel nicht. «Das ist leider so. Aber nicht 80 Prozent, wie die Gegner behaupten», sagt Rübel. Trotzdem sei ein schlechtes Gewissen beim Besuch eines Aquariums fehl am Platz: Rübel ist überzeugt, dass es gerechtfertigt ist, Tiere in Gefangenschaft zu halten, wenn dadurch auch nur ein Bruchteil der Besucher für den Tier- und Meeresschutz sensibilisiert würden. «Das macht mehr Sinn und ist umweltschonender, als wenn man selber für Tauchferien nach Afrika oder Asien fliegt.»

«Ein Aquarium kann niemals die Wildnis ersetzen»

Auch beim Zoo Zürich stammen einige Meerestiere aus Wildfängen von Indonesien, Philippinen, Fidschi und den USA, so Rübel zu 20 Minuten. «Vom Aussterben bedrohte Salzwasserfische haben wir aber keine.»

Dass man die benötigten Meerestiere oft nicht selber züchten, sondern in Korallenriffen einfangen müsse, sei ein notwendiges Übel, sagt Rübel. Gleichzeitig relativiert er: «Für das Ozeanium holt man dafür so viele Fische aus dem Meer, wie in der Stadt Basel an einem Mittag auf den Tellern der Restaurants landen.» Entscheidend sei nicht der Herkunftsort, sondern, dass sich die Meerestiere wohl fühlten. «Ein Aquarium kann niemals die Wildnis ersetzen. Nie 100 Prozent aller Tiere fühlen sich im Zoo wohl. Aber für meine Kollegen am Zolli würde ich die Hand ins Feuer legen, dass sie sich so gut wie möglich um die Tiere kümmern», so Rübel.

«Auf den Fang mit Gift wird verzichtet»

Tanja Dietrich, Leiterin Kommunikation des Zoo Basel, sieht den Tierschutz durch den Bau des Ozeaniums nicht gefährdet: «Für das Ozeanium werden wir zum einen auf Bestände aus anderen Aquarien zurückgreifen. Weitere Fische und Korallen züchtet der Zolli bereits jetzt. Dennoch werden Meeresfische der Natur entnommen.» Wenn richtig und nachhaltig gemacht, seien diese jedoch unproblematisch, so Dietrich weiter.

Der Zoo arbeite dazu mit professionellen Händlern zusammen, die er persönlich kennt. «So stellen wir sicher, dass auf umweltschädigende Fangmethoden wie dem Fang mit Gift verzichtet wird. Weiter fällt dadurch auch der oftmals kritisierte Zwischenhandel weg.» Durch diesen professionellen Umgang, kämen auch beim Transport sehr wenige Tiere zu schaden. «Die Behauptung, dass beim Ozeanium ein Grossteil der Tiere auf dem Transport sterben, ist schlichtweg falsch.»

Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen. Falls das Basler Stimmvolk am 19. Mai Ja zum Ozeanium sagt, behält sich die Fondation Weber vor, Einsprache gegen die Baubewilligung zu erheben.

(dk/mm)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nemo am 03.05.2019 15:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Wenn ich beim tauchen sehe wie sich andere Taucher und Schnorchler aufführen: übers Riff laufen, Planzen und Korallen abreissen, Tiere anpfoten und damit erschrecken, abgesehen von all den Abfällen die in den Meeren entsorgt werden. Ein Ozeanium wird letztendlich die einzige Möglichkeit sein, ein Teil seiner Bewohner und Pflanzen retten zu können.

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  • AoMaK am 03.05.2019 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Ach Ach

    Wie schon jemand in einem vorherigen Artikel gesagt hat, kann man nichts mehr tun, ohne dass jemand beleidigt oder verärgert wird.

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  • fish watcher am 03.05.2019 15:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Ansatz

    Schämen sollten sich diese Pseudotierschützer die den Menschen abseits der Meere den Zugang zu diesen Tieren verwehren wollen. Nur durch persönliche Kontakte werden sich Leute für Meeres- und Umweltschutz sensibilisieren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 19.05.2019 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bin völlig dagegen...

    Ein Aquarium, Ozeanium ist nur für der schaulustige Mensch da. Ob sich diese Tiere darin wohlfühlen, steht auf einen anderen Blatt...!

  • Nemo am 16.05.2019 02:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dumm wie Brot

    An einem Korallenriff : Fütter verboten, die Fische sterben daran". Frage an Mutter mit Kind: können sie die Tafel lesen und was genau haben Sie nicht verstanden. Und warum gönnen Sie Ihrem Kind nicht dasselbe? Ihre Enkel werden wegen ihres Verhaltens das nicht mehr sehen können. Wir Alle sind unvernünftig und denken t nach.

  • H.B. am 15.05.2019 14:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ozeanum.

    Ich liebe Tiere auch, ich bin für das Ozeanum warum,es können nicht alle Menschen sich Ferien leisten um die schönen Tiere zu sehen,darum bin ich dafür.Besser im Aquarium zu leben ,wie in freier Wildbahn gefressen zu werden von den größeren Tieren.

  • Katzerich am 13.05.2019 18:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötige Show

    Ozeanien - letztendlich ein Gefängnis für Wasserbewohner, die dort zu degenerierten Spezies in einer künstlichen Welt werden. Habe letzthin das Riesen- Aquarium in Vancouver besucht - so etwas von unnötiger Show mit kreischenden Zuschauern - in Basel wird's nicht anders sein.

    • Timo am 13.05.2019 19:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Katzerich

      Ozeanium ja, Ozeanien weniger, es sei denn, der Meeresspiegel steigt weiter rapide an.

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  • Mary J am 07.05.2019 17:20 Report Diesen Beitrag melden

    keine Entnahme aus der Natur!

    Ich mag zwar Aquarien, aber man sollte es sein lassen und wenn dann nur gezüchtete Fische zeigen. Die Entnahme aus der Natur minimiert die dortige Vielfalt und somit die Vermehrung! Auch sterben fast alle wild gefangenen Fische spätestens nach einem Jahr! Es sollte also generell verboten werden!!!