Milchwirtschaft

03. August 2018 05:47; Akt: 03.08.2018 05:47 Print

Schweizer Butter kostet in Saudiarabien die Hälfte

von Julia Käser - In der Schweiz gibt es zu viel Butter. Um trotz des Überschusses möglichst wenig Verluste zu verbuchen, landet sie zu Billigstpreisen in Saudiarabien.

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1633 Tonnen Butter exportierte die Schweiz 2017 ins Ausland. Ein grosser Teil davon landete in Saudiarabien. Doch während man hierzulande selbst für die billigsten Butter-Mödeli rund 10.80 Franken pro Kilo bezahlen muss, kostet Butter aus Schweizer Milch im Königreich nicht einmal halb so viel.

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«Saudiarabien bezieht seine Butter vom Weltmarkt. Damit das Schweizer Streichfettprodukt mit der Konkurrenz, etwa aus den Niederlanden, mithalten kann, müssen die Preise entsprechend niedrig sein», sagt Peter Ryser, Geschäftsführer der Branchenorganisation Butter (BO Butter).

«Schweizer Markt ist gesättigt»

Durch diese Preissenkung ergibt sich laut dem «Beobachter» ein Verlust von rund 5000 Franken pro exportierte Tonne. Dennoch hält die Butterbranche an dem Exportgeschäft fest. Gemäss Ryser würden Herr und Frau Schweizer nicht mehr Butter kaufen, wenn diese hier billiger würde: «Der Markt ist gesättigt. Nur weil mehr Butter auf dem inländischen Markt zu tieferen Preisen angeboten wird, werden die Leute nicht mehr Butter konsumieren.»

Für die Schweizer Milchverarbeiter entstehen laut Aussagen von Sibylle Umiker, Mediensprecherin von Emmi, aus solchen Geschäften kaum Verluste. Für überschüssige Milch, die als Magermilchpulver oder Butter exportiert werden muss, müssten die Verarbeiter laut Branchenreglement deutlich weniger bezahlen. «Wie viel Milch kostet, hängt nicht von deren Qualität ab, sondern vom Produkt, das daraus hergestellt wird», sagt Umiker. Milch, die zur Herstellung von Produkten für einen geschützten Markt verwendet würde, beispielsweise für Schweizer Butter, sei wesentlich teurer als Milch für den globalen Rohstoffmarkt.

Laut Emmi ergeben sich die Export-Ziele der verarbeiteten Überschuss-Milch immer aus der jeweiligen Nachfrage. Für Jacques Chavaz, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Agrarstandort Schweiz (Igas), ist es hingegen kein Zufall, dass Schweizer Butter ausgerechnet nach Saudiarabien exportiert wird: «In der EU werden Importe von Milchprodukten mit Zöllen belastet. In östlichen Ländern, die auf Importe angewiesen sind, hingegen nicht.»

Zu viel Milch

Und wieso wird nicht einfach weniger Butter produziert? «Wenn die Nachfrage nach jeglichen Milchprodukten abgedeckt ist, werden die übrigen Milchmengen zu Magermilchpulver oder eben Butter verarbeitet. Diese Produkte sind gut haltbar», sagt Ryser. Das Problem liegt demnach bei der Gesamtmilchmenge. Ist diese zu gross, gibt es zu viel Butter. Gemäss dem BO-Butter-Geschäftsführer wird die Milchmenge von den einzelnen Bauern in Zusammenarbeit mit den Verarbeitern bestimmt.

2009 wurden die sogenannten Milchkontingente abgeschafft, die die Produktionsmenge strikt begrenzt haben. Seither könne jeder Bauer so viel Milch produzieren, wie er wolle, sagt Sandra Helfenstein, Kommunikationsleiterin beim Schweizer Bauernverband. Gegenwärtig würden die einzelnen Betriebe versuchen, die tiefen Milchpreise mit einer Produktionssteigerung aufzufangen. Deshalb gehe die Milchmenge nicht zurück, obwohl keine besonders grosse Nachfrage bestehe. Dies komme zudem den Verarbeitern entgegen. «Es ist eine Katze, die sich in den Schwanz beisst», sagt Helfenstein.

Konsumenten zahlen doppelt

Laut Patrick Dümmler, Forschungsleiter bei Avenir Suisse, verlieren die Konsumenten doppelt. Neben den hohen Preisen aufgrund des stark geschützten Marktes seien 2016 rund 9 Millionen Franken Steuergelder in die Absatzförderung für Schweizer Butter und Milch geflossen. «Die Leute zahlen als Konsumenten sowie als Steuerzahler zu viel für die Butter».

Dass die Produkte trotz resultierender Verluste exportiert werden, erklärt sich Dümmler auch mit der Tatsache, dass so die Preise in der Schweiz hochgehalten werden können. Die durch den Butter-Export entstehenden Verluste würden vorwiegend die Konsumenten und auch die Milchbauern selber treffen.

Schliesslich sei die gegenwärtige Milchproduktion alles andere als nachhaltig:«Pro Liter Milch, der produziert wird, entstehen drei Liter Gülle. Diese wird oft nach Deutschland exportiert, da die Schweizer Felder gesättigt sind», sagt Dümmler.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pepe am 03.08.2018 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kopf schütteln

    Schweizermedikamente sind in Dubai auch 70% billiger und können sogar ohne Rezept gekauft werden. Selbst erlebt.

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  • Tommy am 03.08.2018 06:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arme Saudis

    Ja die Saudis sind halt alles arme Leute. Da muss man Ihnen doch entgegen kommen.

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  • Cilitan am 03.08.2018 06:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    los

    dann ab zu den saudis shoppen. ist schon hart das zu lesen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefan Rolf am 08.08.2018 06:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wir bezahlen den Überschuss

    wir bezahlen den Verlust für den Überschuss als Konsument weil die Produktion nicht reduziert wird - dann kommt noch diese unnötige Energieverbrauch, Umweltbelastung durch die Produktion und Transporte ins Ausland - es ist einfach ein Skandal - auch hier bezahlt der Bürger mehr

  • silvan u. am 04.08.2018 18:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nachhaltig...

    ... Auch wenn die Kühr nach Bio norm oder in einem anderen Land gehalten werden, gibt es nicht weniger/mehr Gülle

  • Cavi33 am 04.08.2018 17:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht so eng sehen

    Wisst ihr nicht dass es auch arme Saudische gibt, die haben weniger als wir. Darum kostet die Butter nur halb so viel wie bei uns. Ihr könnt aber auch in D Butter kaufen, die kostet auch nur halb so viel. Ist zwar nicht von den CH Kühen aber dafür haben die Saudi genug Butter.

  • Zürcher Bürger am 04.08.2018 17:22 Report Diesen Beitrag melden

    Kriminelle am Ruder

    Solange wir es zulassen, dass Vollpfeifen wie Schneider Amman und die 6 anderen Versager im BR sitzen, wird bei uns nur noch abgezockt. Tell hätte die mit der Armbrust aus der Schweiz gejagt oder eliminiert. Das waren noch schöne Zeiten früher..

    • Urner am 04.08.2018 18:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Zürcher Bürger, stimmt!

      Damals hatte Zürich noch gar nicht zur Eidgenossenschaft gehört.

    • Pfeilbogen Fan am 06.08.2018 15:12 Report Diesen Beitrag melden

      was meinen Sie

      mit schönen Zeiten? Das jeder jeden mit Waffen verjagen darf?

    • Xeno72 am 06.08.2018 15:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      peinlich@Zürcher Bürger

      Dann kandidieren Sie im November 2019 für die eidgenössischen Räte, statt hier herumzubrüllen.

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  • Otto S. am 04.08.2018 14:29 Report Diesen Beitrag melden

    Drei zu Eins

    Wichtig ist doch, die Gülle bleibt bei uns!