Zebrastreifen

15. November 2017 17:35; Akt: 15.11.2017 17:35 Print

«Fussgänger müssen selbst Augen aufmachen»

Ein Vortritt für Autofahrer soll Unfälle mit Fussgängern reduzieren, fordert ein SVP-Politiker. Seinen Vorschlag findet niemand gut, nicht einmal der Automobilclub der Schweiz.

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Fussgänger sollen erst über den Fussgängerstreifen laufen dürfen, wenn Autofahrer ihnen ein Handzeichen geben. Das fordert Thomas Burgherr, Nationalrat und Präsident der SVP Aargau, bei Tele M1. Damit, so Burgherr, sollen Unfälle auf den Zebrastreifen verhindert werden.

Sein Vorschlag kann niemanden begeistern. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung spricht sich klar dagegen aus. «Eine Änderung würde ein Risiko enthalten, da von Kindern bis Senioren und von Fussgängern bis Autofahrern sämtliche Verkehrsteilnehmer die geltende Regel gewohnt sind», sagt Sprecher Marc Bächler. Ausserdem gebe es bereits heute eine Ausnahme zur Vortrittsregel: Fussgänger dürften vom Vortrittsrecht nicht Gebrauch machen, wenn das Fahrzeug bereits so nahe sei, dass es nicht mehr rechtzeitig anhalten könne.

«Vorschlag geht in die falsche Richtung»

Thomas Schweizer, Geschäftsleiter von Fussverkehr Schweiz, sagt unmissverständlich: «An Fussgängerstreifen haben die Fussgänger weltweit Vortritt. Das kann die Schweiz nicht einfach abschaffen.» Die Verkehrsregelungen seien harmonisiert und in der Wiener Konvention geregelt.

Auch Geschäftsführerin Valesca Zaugg von Roadcross sagt klar: «Der Vorschlag von Herrn Burgherr geht in die falsche Richtung.»

Auch ACS dagegen

Für «schlicht unsinnig» hält der TCS den Vorschlag, weil es die gängige Verkehrserziehung unterlaufen würde, so Sprecher Daniel Graf.

Nicht einmal der ACS kann sich mit Burgherrs Vorschlag anfreunden. SVP-Nationalrat und ACS-Zentralpräsident Thomas Hurter: «Die Regel besteht schon lange, und eine Änderung könnte zusätzliche Verwirrung stiften.»

Beim Eindunkeln Geschwindigkeit reduzieren

Die Idee der Handzeichen findet Hurter aber gut. «Es sollten aber beide Handzeichen geben oder sonst miteinander kommunizieren.» Das würde sicherstellen, dass man einander sehe, und Unfälle reduzieren. «Eine Kampagne zu Handzeichen am Fussgängerstreifen würde ich darum unterstützen.»

Thomas Schweizer vom Fussverkehr blickt bei Lösungsansätzen vor allem auf die Autofahrer: «Im Herbst, insbesondere nach der Zeitumstellung, fällt die Abendverkehrsspitze in die Dunkelheit. Die Zahl der verunfallten Fussgänger nimmt dann jeweils zu.» Autofahrer sollten daher die schlechteren Sichtverhältnisse berücksichtigen, etwa mit tieferen Geschwindigkeiten.

«Tödliche Unfälle sind rückläufig»

Zaugg von Roadcross betont, dass beide Seiten mehr Rücksicht nehmen müssten. «Kommt es zu Unfällen, haben in mehr als vier von fünf Fällen Autofahrer den Vortritt der Fussgänger missachtet. Viele Fussgänger setzen ihren Vortritt aber auch brüsk durch und lassen Autofahrern keine Chance, rechtzeitig zu bremsen.» An solchen falschen Verhaltensmustern müsse man arbeiten.

Auch der TCS verweist darauf, dass die meisten Unfälle im Spätherbst oder Anfang Winter passieren. «Hauptgrund ist die schlechte Sicht, darum müssen Autofahrer und Fussgänger zurzeit an Fussgängerstreifen besonders aufmerksam sein.» Graf gibt aber auch zu bedenken, dass tödliche Unfälle auf Fussgängerstreifen rückläufig sind. «Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl 2016 um 14 Prozent.»

Besser beleuchtete Zebrastreifen und mehr Aufmerksamkeit

Dies bestätigt auch die Beratungsstelle für Unfallverhütung. Zudem rät auch sie Fussgängern und Fahrzeuglenkern, aufmerksam zu sein und Sichtkontakt zueinander herzustellen. Die BfU zeigt Behörden zudem auf, wie sie Fussgängerstreifen sicherer machen können: Sie sind idealerweise gut beleuchtet und gut einsehbar und verfügen über eine Insel.

(ann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Eidgenosse69 am 15.11.2017 09:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn

    gilt weltweit. Aga, dann laufen Sie mal in Frankreich, einfach auf den Streifen raus, wie es hier gemacht wird und dies ohne zu schauen. Gruss von unterm Auto kann ich da nur sagen.

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  • Karin am 15.11.2017 09:48 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso unsinnig?

    Es sollte m.E. die alte Regelung wieder eingeführt werden. Wenn ein Fussgänger über die Strasse will, muss er Handzeichen geben. So ist das klar und verständlich. Wie oft habe ich schon erlebt, dass Fussgänger neben dem Fussgängerstreifen standen, ohne dass sie rüberwollten. Das ist nervig. Also, back to the roots und dann läuft der Verkehr auch wieder besser. Und die alte Regelung sollte hoffentlich auch die "aufs-Handy-Gaffer" wieder dazu bringen, wenigstens vor dem Fussgängerstreifen vom Handy aufzuschauen und auf die Strasse zu achten, wenn sie diese überqueren wollen auf dem FG-Streifen.

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  • Emanuel am 15.11.2017 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    Vortritt ok aber

    Ich finde es ok das die Fussgänger vortritt haben. Nur sollte man den Fussgängern mal erklären was eine Reaktionszeit und Bremsweg bedeutet. Dazu kommt das der PW Fahrer für alles ein Signal geben muss nur der Fussgänger hat das Gefühl er kann machen was er will.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • chrizzla am 16.11.2017 19:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tja

    der gedanke hinter diesem vorschlag ist nicht schlecht! Es sollte längst klar sein, dass fussgänger/innen einfach gut schauen sollten bei einem zebrastreiffen und auch mal den blick vom smartphone abwenden sollten! es sollte regress geben wenn festgestellt wird dass eine angefahrene person auf dem smartphone rumgedrückt hat wärend des unfalls!

  • Christian und Maria am 16.11.2017 18:05 Report Diesen Beitrag melden

    Bescheidene und anständige Frage

    Ist jemals aus dieser Richtung eine gute Idee gekommen? Wer eine weiss, soll sie melden. Danke.

  • rogeriu am 16.11.2017 14:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fussgänger mit Kopfhörer...

    = Automatisch nur noch die halbe Schuld beim Autofahrer. Es braucht immer 2, um die Sicherheit am besten zu garantieren. Wenn einer absichtlich im öffentlichen Raum Kopfhörer trägt, haben wir nur noch einen "Aufpasser".... und man sieht, wie schnell dieser übrige Aufpasser dann leider auch einen Fehler macht... Es darf keinen Single Point Of Failure geben, dieses SPOF Konzept wird auch in der Informatik betrieben, wenn es um lebenswichtige Funktionen geht.

  • stefan am 16.11.2017 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    "...die geltende Regel gewohnt sind"

    Blödsinn... Es ist ja nicht so, dass wir vor nicht all zu langer Zeit die andere Regelung hatten... Da war der Wechsel zur aktuellen schlechteren Regelung kein Problem. Der schwächste aller Verkehrsteilnehmer hat

  • Automobilist am 16.11.2017 11:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fussgänger erzwingen Vortritt komme was wolle

    Sorry aber das ist eben nicht mehr in den Köpfen der Fussgänger: Ausserdem gebe es bereits heute eine Ausnahme zur Vortrittsregel: Fussgänger dürften vom Vortrittsrecht nicht Gebrauch machen, wenn das Fahrzeug bereits so nahe sei, dass es nicht mehr rechtzeitig anhalten könne. Ich mache tagtäglich die Erfahrung, dass Fussgänger einfach drauf los laufen und den Vortritt erzwingen, komme was wolle. Sogar mit z.B. Pferdeanhänger muss man wegen den Fussgängern Vollbremsung machen.