Präsident des Baumeisterverbandes

04. Dezember 2016 06:18; Akt: 04.12.2016 11:00 Print

«GAV ist mitverantwortlich für die Zuwanderung»

Für den Präsidenten des Baumeisterverbandes generiert der Gesamtarbeitsvertrag in seiner Branche unerwünschte Nebeneffekte. Die Kritik geht an die Gewerkschaften.

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«Das System wird zum Jobkiller»: Baumeister-Präsident Gian-Luca Lardi. (Archivbild) (Bild: Keystone/Peter Schneider)

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Der Präsident des Baumeisterverbandes, Gian-Luca Lardi, kritisiert angesichts der Diskussion um den Inländervorrang, der ein Teilaspekt der Masseneinwanderungsinitiative ist, die Gewerkschaften. Aus seiner Sicht hängt die relative hohe Zuwanderung bei der Bauwirtschaft auch mit dem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) zusammen.

Neue Studie über Zuwanderung

Vergangene Woche wurde eine Studie publik, nach der vier von fünf zugewanderten Arbeitnehmern keine gesuchten Fachkräfte sind. Dazu gehören unter anderem auch zugewanderte Bauarbeiter. Im Interview mit der «NZZ am Sonntag» räumt Lardi ein, dass die «Baubranche von der Einwanderungsproblematik betroffen» sei.

Es treffe aber nicht zu, dass inländische Arbeitnehmer gezielt durch ausländische ersetzt würden, sagte der Tessiner Bauunternehmer. Dazu müssten gleichzeitig der Ausländeranteil im Bauhauptgewerbe und die Arbeitslosigkeit ansteigen. «Beides trifft nicht zu.»

Bauleute schwer vermittelbar

Dass es dennoch viele stellenlose Bauarbeiter gibt, hängt laut Lardi einerseits mit einer Reihe von Sonderfaktoren zusammen. Beispielsweise liessen sich Temporärangestellte wegen der hohen Mindestlöhne gerne als Bauleute registrieren, auch wenn sie dort nur wenige Monate gearbeitet hätten. Vielen arbeitslosen Bauleuten werde zudem mangels Vermittelbarkeit ein Branchenwechsel empfohlen.

Andererseits trügen aber auch die Rahmenbedingungen zu dieser «Einwandererproblematik» bei. Der GAV-Standard sei mittlerweile so hoch, «dass unerwünschte Nebeneffekte die Folge» seien, sagte er.

«Das System wird so zum Jobkiller»

Er nennt ein Beispiel: Wenn heute jemand seine Stelle verliere auf dem Bau und sich auf Jobsuche begebe, so sehe der GAV vor, dass ein potenzieller Arbeitgeber ihn in derselben Lohnklasse anstellen müsse, «unabhängig von seinem Potenzial». Mit 55 habe man auf dem Bau aber meist nicht mehr dieselbe Leistungsfähigkeit wie mit 30.

Lardi zeigt sich überzeugt: «Viele arbeitslose Arbeiter wären deshalb durchaus bereit, beim Lohn auch Abstriche in Kauf zu nehmen.» Arbeitgeber dürften sie aber in tieferen Klassen gar nicht einstellen. «Das System wird so zum Jobkiller.»

Höhere Saläre gegenüber Europa

Lardi betont mehrmals, dass er weder gegen GAV noch Mindestlöhne sei. Mit Regulierungen könne man aber nicht unbegrenzt in den Markt eingreifen. Die deutlich höheren Saläre im Vergleich zu Europa liessen sich nur «bis zu einem gewissen Grad mit Erfolg verteidigen.»

(chi/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • eh am 04.12.2016 08:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lohndumping

    doch es trifft zu, dass in der Baubranche inländische Arbeitnehmer durch billigere, ausländische Arbeitnehmer ersetzt werden. Mein Sohn hat seine Stelle als Maurer so verloren.

  • Dr. Real am 04.12.2016 09:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja klar!

    Klar... gute Löhne sind schuld an der einwanderung?? Er redet über zu hohe löhne aber die zu hohen Lebenshaltungskosten die verschweigt er. Das produkte hier zulande vergleichsweise ein vielfaches teurer sind als im ausland Die Löhne grade in den Branchen mit mindestlöhnen aber im Verhältnis nicht höher. Erklären sie mir doch mal warum ein sandwich in ner deutschen bäckerei 1.50 Euro kostet die verkäuferin 1500 euro netto verdient. In der schweiz aber das vierfache oder mehr. Nach ihrer logik würde dann die verkäuferin hier 6000 franken verdienen. Solche beispiele gibts hunderte und tausende.

  • james mc'neil am 04.12.2016 10:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gewerkschaften

    Wieso sind die Gewerkschaften für die Zuwanderung und gegen die MEI? Hat der Schutz der inländischen Arbeitnehmer keine Priorität? Es scheint als wären die linken politischen Ziele wichtiger!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Onkel Thom am 04.12.2016 17:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genau

    Es sind immer die anderen Schuld. Genau weil sich das Beugewerbe nicht im Griff hat mussten doch solche Regeln geschaffen werden.

  • DieFeuerlilie am 04.12.2016 14:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Noch drei Jahre, Herr Lardi..

    Ab 50 nicht mehr so leistungsfähig? Nun bin ich aber gespannt, ob Herr Lardi dann in drei Jahren auch seinen eigenen Lohn reduziert. Dann wird er 50..

  • james mc'neil am 04.12.2016 10:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gewerkschaften

    Wieso sind die Gewerkschaften für die Zuwanderung und gegen die MEI? Hat der Schutz der inländischen Arbeitnehmer keine Priorität? Es scheint als wären die linken politischen Ziele wichtiger!

  • Scientist am 04.12.2016 10:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit

    Ohne GAV kann er nurnoch Ausländer zu Dumpinglöhnen ohne Sozialleistungen einstellen. Wie verlogen kann man sein die Arbeit auf der Baustelle ist hart, und muss entsprechend entlöhnt werden es braucht den GAV.

  • Meier am 04.12.2016 10:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Marcel

    Bald Französische Verhältnisse und Streiks. Danke Gewerkschaft.

    • Dr. Gabber am 04.12.2016 16:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Meier

      Streiks wären in verschiedenen Bereichen mal nötig. Vielleicht erkennen dann die Dilettanten in den Teppichetagen, wem sie den Erfolg der Firma verdanken.

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