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15. Juli 2019 04:56; Akt: 15.07.2019 04:56 Print

«Zugbegleiter soll meinen Namen nicht nennen»

Das SBB-Zugpersonal spricht Pendler immer wieder namentlich an. Nicht alle Leser freuen sich darüber.

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Immer wieder sprechen Zugbegleiter Passagiere mit Nachnamen an. Nicht alle freuen sich darüber. «Wenn man den Swiss Pass dem Kontrolleur entgegenstreckt, ist der volle Namen für alle ersichtlich», sagt Daniel W. (48). Schon das empfinde er als Zumutung. Namentlich angesprochen zu werden, gehe ihm aber definitiv zu weit. Mit den alten Billetten habe man noch anonym reisen können. Das sei jetzt vorbei. Unterwegs gebe es Leute, die Frauen blöd anmachen oder belästigen, sagt die 29-Jährige. «Da braucht nicht noch jemand meinen Namen durch den ganzen Zug zu rufen.» Ähnlich ergeht es einer weiteren Leserin (24): «Als dreifaches Stalkingopfer ist es eine Horrorvorstellung, dass jemand meinen Nachnamen laut im Zug sagt. Sonst könnte ich ja gleich ein Namensschild tragen.» Doch nicht alle haben ein Problem damit, mit Namen angesprochen zu werden. Dutzende Leser finden es sogar sympathisch. Einer davon ist Thomas B. (34): «In unserer schnelllebigen Zeit bleibt der persönliche Kontakt immer im Hintergrund. Ich spreche zum Beispiel das Personal im Migros auch mit Namen an und diese scheinen sich sehr darüber zu freuen». Auch Lukas H. (35) schätzt die Geste des Zugpersonals. «Ich fühle mich bei der Kontrolle eher als Mensch wahrgenommen und nicht als ‹Arbeit› der Kontrolleure.» Eine offizielle Weisung der SBB, dass Kundenbegleiter Pendler mit Namen ansprechen sollen, gebe es nicht, sagt Stephan Wehrle, Leiter Kommunikation Personenverkehr. «Die Kundenbegleiter verfügen aber über die Kompetenz, Leute persönlich anzusprechen.» In den allermeisten Fällen komme der persönliche Kundenkontakt sehr gut an. Dass Bürger im öffentlichen Raum mit ihrem Geschlechtsnamen angesprochen werden, sei datenschutzrechtlich nicht generell zu beanstanden, sagt der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte Adrian Lobsiger. «Im Zweifelsfall sollte das Zugpersonal aber auf eine Namensnennung verzichten.»

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Als 20-Minuten-Leser Sandro S.* (35) nach dem Wochenende aus dem Wallis zurück nach Bern fuhr, zeigte er dem Kontrolleur seinen Swiss Pass – und wurde von ihm prompt persönlich verabschiedet. «Der Zugbegleiter sagte: ‹Vielen Dank – und einen schönen Abend noch, Herr S.›» Das sei ihm nun schon zum zweiten Mal in kurzer Zeit passiert.

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Werden sie im Zug gerne mit Namen angesprochen?

So wie S. ergeht es zahlreichen weiteren Lesern. Nicht alle freuen sich jedoch über die Nennung ihres Namens. «Wenn man den Swiss Pass dem Kontrolleur entgegenstreckt, ist der volle Namen für alle ersichtlich», sagt Daniel W. (48). Schon das empfinde er als Zumutung. Namentlich angesprochen zu werden, gehe ihm aber definitiv zu weit. «Wir sitzen im ÖV, nicht im Wartesaal des Zahnarztes.»

Nennung des Namens «eine Horrorvorstellung»

Die Wahrung der Privatsphäre ist dabei für viele ein zentrales Argument: «Der Zugbegleiter soll meinen Namen nicht nennen. Ich möchte selber entscheiden, ob meine Sitznachbarn erfahren, wie ich heisse», sagt etwa Céline M. Unterwegs gebe es Leute, die Frauen blöd anmachen oder belästigen, sagt die 29-Jährige. «Da braucht nicht noch jemand meinen Namen durch den ganzen Zug zu rufen.»

Ähnlich ergeht es einer weiteren Leserin (24): «Als dreifaches Stalkingopfer ist es eine Horrorvorstellung, dass jemand meinen Nachnamen laut im Zug sagt. Sonst könnte ich ja gleich ein Namensschild tragen.» Auch Hubert O. (50) übt Kritik: «Es geht die Sitznachbarn definitiv nichts an, wie ich heisse oder wo ich hin will.»

«Ich fand es wirklich superschön»

Doch nicht alle haben ein Problem damit, mit Namen angesprochen zu werden. Dutzende Leser finden es sogar sympathisch. Einer davon ist Thomas B. (34): «In unserer schnelllebigen Zeit bleibt der persönliche Kontakt immer im Hintergrund. Ich spreche zum Beispiel das Personal im Migros auch mit Namen an und diese scheinen sich sehr darüber zu freuen». Auch Lukas H. (35) schätzt die Geste des Zugpersonals. «Ich fühle mich bei der Kontrolle eher als Mensch wahrgenommen und nicht als ‹Arbeit› der Kontrolleure.»

Sogar noch einen Schritt weiter ging der Zugbegleiter von Sven O. (20), als er an seinem Geburtstag von der Arbeit nach Hause fuhr. Nach der Kontrolle habe ihm der SBB-Angestellte die Hand gegeben und ihm gratuliert. «Ich war ein wenig perplex, aber fand es wirklich superschön.»

«Gute Menschenkenntnis»

Eine offizielle Weisung der SBB, dass Kundenbegleiter Pendler mit Namen ansprechen sollen, gebe es nicht, sagt Stephan Wehrle, Leiter Kommunikation Personenverkehr. «Die Kundenbegleiter verfügen aber über die Kompetenz, Leute persönlich anzusprechen.» In den allermeisten Fällen komme der persönliche Kundenkontakt sehr gut an.

Die Privatsphäre der Reisenden werde dabei respektiert. «Die Kundenbegleiter verfügen über eine sehr gute Menschenkenntnis und können gut abschätzen, welcher Passagier zu einem kurzen Gespräch aufgelegt ist», sagt Wehrle. «Das ist eine Frage des gesunden Menschenverstandes».

«Im Zweifelsfall auf Namen verzichten»

Dass Bürger im öffentlichen Raum mit ihrem Geschlechtsnamen angesprochen werden, sei datenschutzrechtlich nicht generell zu beanstanden, sagt der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte Adrian Lobsiger. In speziellen Alltagssituationen – etwa in der Anwesenheit neugieriger oder sonst auffälliger Dritter – könne es aber sein, dass ein Kunde nicht hörbar beim Nachnamen genannt werden möchte.

«Im Zweifelsfall sollte das Zugpersonal auf eine Namensnennung verzichten», so Lobsiger. Idealerweise würde die SBB es den Kunden ermöglichen, online anzugeben, ob sie mit Namen genannt werden wollen oder nicht.

* Namen der Redaktion bekannt

(dk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • SVero am 15.07.2019 06:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Happy Birthday

    Ich wurde zwar noch nie mit meinem Namen angesprochen aber ich war an meinem Geburtstag in einer Kontrolle, was mir einen kleinen Sack Gummibärli, ein freundliches Happy Birthday und einen Händedruck bescherte von einem Zugbegleiter. Vielen Dank nochmals an den Freundlichen Kontrolleur!

  • Shorty40 am 15.07.2019 06:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schöne unpersönliche Welt

    Ein Dank an die Zugbegleiter. Ihr gebt euch redlich Mühe etwas Freundlichkeit zu vermitteln. Ihr dürft mich ruhig mit dem Namen ansprechen. Wäre schade wenn diese Begegnungen auch nur noch "kalt" verlaufen...

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  • Hr Schmidt am 15.07.2019 07:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Von Mensch zu Mensch

    Wenn jemand ein Problem mit seiner Identität hat, ist es ja nicht die Schuld des Zugbrgleiters.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Denise Berger am 04.08.2019 23:31 Report Diesen Beitrag melden

    Chilleds mal...

    Was für ein #FirstWorldProblem ist das denn bitte? Haben gewisse Leute echt keine anderen, "richtigen" Probleme? Aber hallo...

  • eselwelt am 04.08.2019 04:16 Report Diesen Beitrag melden

    Ruhe bewahren

    Manche kondukteure befestigen ihr Namensschild bewusst nicht. Dafür verteilen sie umso lieber Strafzettel an schwarzfahrer dessen bin ich sicher. Nur weil sie bei mir alles ablesen können, brauchen sie das nicht zu betonen, die Gegensätze wirken so irgendwie heuchlerisch. Ich meinerseits mag es jedem gönnen, der schwarz fahren kann... SBB schwimmt im Geld, weiss nicht wohin, Projekt im Wallis mit Rohrpost, selbstfahrende poschi, bus, tram, Schalterhallen...Kunden sollen alles bezahlen

  • PDJ am 03.08.2019 17:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    FBI

    Also wenn nicht gerade die FedPol oder das FBI hinter mit her sind, darf man mich mit Namen ansprechen. ^^ Die Zugbegleiter versuchen eine gute Dienstleistung zu erbringen, wieder nicht recht. Kann man überhaupt noch was recht machen hier ? Die Menschen sind schon sowas von gestört zum Teil, unglaublich. Auch glaube ich mich zu erinnern, das die Zugbegleiter auch angeschrieben sind. Warum Grüssen Sie nicht freundlich zurück mit ZB. Danke ebenfalls Hr. Meier.

  • Stefan S am 03.08.2019 15:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fahr mit Deinem Auto

    Vermutlich die gleiche Sorte Leute die die anderen Fahrgäste mit Ihren lauten privat Telefonaten belästigen. Fahren Sie mit Ihren Auto!!!!!

  • Inna am 16.07.2019 16:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Güte

    Man kann sich auch über Sachen aufregen, mir ist es egal ob mich die Kontrolleure mit meinem Namen ansprechen oder nicht.