Motivation

08. April 2019 04:52; Akt: 08.04.2019 04:52 Print

«Geld für gute Noten zu verteilen, ist Unsinn»

von P. Michel - Um ihre Kinder auf Leistung zu trimmen, versprechen Eltern für gute Noten teure Geschenke – oder drohen mit Strafen. Beides bringe nichts, sagt ein Experte.

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Herr Bütikofer, ein Ausflug in den Europa-Park, hundert Franken für die Note 6 an einer Prüfung: Hat sich das Phänomen, Kinder mit Belohnungen zu Leistung anzuspornen, in den letzten Jahren verstärkt?
Konkrete Zahlen sind mir keine bekannt. Es gibt zwei Arten von Eltern, die diese Taktik verfolgen: Die einen freuen sich über die gute Leistung des Kindes und wollen es deshalb belohnen, ihm etwas Gutes tun. Die anderen fürchten, den sozialen Aufstieg zu verpassen. Die Zahl dieser Eltern hat aufgrund des gesellschaftlichen Leistungsdrucks gefühlt zugenommen.

Was sind Gründe dafür?

Eltern sehen ihr Kind zunehmend als ihr «Projekt» an, das erfolgreich sein soll. Das hat auch damit zu tun, dass eine Familie heute durchschnittlich nur noch 1,6 Kinder zählt. Darum muss es das eine Kind «auch schaffen», etwa ins Gymi. Dabei hält sich der Irrtum, dies könne durch Belohnungen für gute Noten erfolgen.

Worin liegt der Irrtum?
Geld für gute Noten zu verteilen, ist Unsinn. Denn indem Eltern nur belohnen, was messbar ist – in diesem Fall gute Noten –, setzen sie falsche Anreize. Das Kind lernt: Für eine Note lohnt sich der Einsatz. Für andere Leistungen, etwa Klassenkameraden bei den Hausaufgaben zu helfen, gibt es kein Geld. Das Kind stuft also automatisch das Helfen bei den Hausaufgaben als weniger wichtig ein. Zudem verlieren Geldgeschenke rasch ihre Wirkung.

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Warum?
Die Belohnung funktioniert nur, wenn die Eltern immer wieder Geld verteilen. Setzen sie aus, verpufft der Effekt. Das Kind denkt: Jetzt lohnt es sich nicht mehr. Das Problem: Es lernt mit Geld nicht, weil es wirklich interessiert ist, sondern nur für die Belohnung. Dabei müsste doch die Freude am Schulstoff selbst geweckt werden.

Es gibt auch Eltern, die mit Strafen versuchen, die Kinder auf Leistung zu trimmen. Eine Lehrerin berichtet davon, dass Schüler Angst hätten, schlechte Noten zu Hause vorzuzeigen. Was ist davon zu halten?
Nicht viel. Solche Strafen wirken nur kurzfristig. Das Kind lernt dann schon für die Prüfung – aber nur aus Angst vor der Strafe. Und der Druck, unter dem das Kind durch die Strafandrohung steht, lässt es oftmals anderweitig ab: etwa indem es andere Kinder plagt.

Da Strafen und Belohnungen nicht funktionieren: Was motiviert Kinder wirklich?
Die Eltern müssten an die sogenannte intrinsische, also die innere Motivation, appellieren. Eine Möglichkeit ist, das Zeugnis mit dem Kind ausführlich zu besprechen und zu betonen, wie stolz man sei, dass das Kind bereits all dies schon wisse und gute Noten erzielt habe. Lob ist für die innere Motivation wichtig. Dadurch wird das Kind angespornt, noch mehr zu lernen – auch in jenen Fächern, in denen es weniger gute Noten hat.

Besteht nicht auch das Risiko, zu viel zu loben?
Ja, das besteht. Darum muss das Lob echt sein. Kinder sind von Natur aus wissbegierig. Wenn sie aus innerer Motivation lernen, hören sie nicht einfach damit auf, wenn sie «echt» gelobt werden.

Etienne Bütikofer leitet das Büro für Bildungsfragen und ist Schulleiter in Kernenried.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Spartacus am 08.04.2019 05:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lachhaft

    Ich finde es auch absolut daneben, Geld für gute Noten zu geben. ABER Die Erwachsenenwelt macht es ja vor! Schaut mal zuerst Euch ins Gärtchen!

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  • Bütikofer Peter am 08.04.2019 05:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Absurd

    So läuft die heutige Gesellschaft (auch bei den Erwachsenen) - Gibst du was, machst du was gibst du nichts gibts auch nichts - Erwachsene sind den Kindern ein Vorbild ;)

  • jane77 am 08.04.2019 05:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was ist dan?

    Freude zu zeigen ist mehr wert als Geld. und das Kind Motivieren bei schlechten Noten....aber nicht von den Eltern erzwungen den in der Lehre müssen die Jugendlichen mehr bringen und dort ist Leistung wichtiger als in der Schule

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Real Swiss am 09.04.2019 14:49 Report Diesen Beitrag melden

    Scheibenkleister nochmal !!!

    Was bringt intrinsische Motivation, wirklich echtes Lob, wenn gewisse Leute: Ausländer, nicht richtig eingeschult oder zu schlecht erklärt wurden, was intrinsische Motivation überhaupt bedeutet ?

  • Anja am 09.04.2019 13:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    5 Liber für 6er in Mathe

    Ich war in der Primar immer sehr schlecht in Mathe und meistens wegen Flüchtigkeitsfehlern. Also versuchten mich meine Eltern mich mit Geld zu reizen. Fünf Franken pro 6er in Mathe. Ich glaub in den 6 Jahren Primarschule konnte ich nur ein 6 nachhause bringen. Als ich in der Sekundarschule fast nur noch 6er in Mathe nachhause brachte wurde diese Regelung schnell abgeschafft, was mich im Grunde nicht störte.

  • M.F am 08.04.2019 20:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    unglaublich was man heutzutage alles "psychologisch " werten muss! Lasst die Eltern Eltern sein so wie sie es für richtig halten für ihre Kinder. Früher hatten die Kinder noch Respekt heutzutage wo man sie ja pädagogisch erzeihen soll haben sie es komischerweise nicht mehr.. Daher last die Eltern einfach nur Eltern sein!

  • Nick am 08.04.2019 20:20 Report Diesen Beitrag melden

    Frage an den Herrn Experten

    Mich würde echt interessieren, wie dieser Experte 14 jährige Schüler (ich meine hier primär Jungen) motivieren will, sich beispielsweise für den "Wilhelm Tell" von Schiller zu interessieren. Ohne (Noten)Druck und andere extrinsische "Motivations"massnahmen hätte ich nicht mal die Titelseite gelesen. Also, ich bin gespannt wie das geht.

  • Leser am 08.04.2019 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    der mensch ist ne ware die nach noten beurteilt wird, sonst nichts". disliken disliken disliken fühlt den button kommt".