Schweizer Fahrende

18. Juli 2014 13:02; Akt: 18.07.2014 13:50 Print

«Geldmacherei in unserem Namen»

von Romana Kayser - Bei den Schweizer Fahrenden brodelt es: Nach einem Veruntreuungsfall erhebt ein jenischer Verein massive Vorwürfe gegen ihre vom Bund subventionierte Vertretung.

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Vereinspräsident «Bewegung der Schweizer Reisenden» Mike Gerzner an einer Pressekonferenz im Frühling (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

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Der mediale Wirbel um die angebliche Misswirtschaft des Präsidenten der Radgenossenschaft Daniel Huber rüttelte die «Bewegung der Schweizer Reisenden» auf. Der grösste jenische Verein distanziert sich vehement von der Dachorganisation des jenischen Volkes in der Schweiz.

Das Vertrauen in die Radgenossenschaft sei beim jenischen Volk schon lange nicht mehr vorhanden, sagt Mike Gerzner, Präsident des Vereins. Die vom Bund anerkannte und subventionierte Dachorganisation der Jenischen in der Schweiz kümmere sich nicht wirklich um die Probleme der Fahrenden. Schon seit Jahren kämpften sie mit einem akuten Mangel an Stellplätzen, Behörden-Schikanen und Stigmatisierung durch die Bevölkerung – die Dachorganisation habe daran aber nichts geändert. «Die Radgenossenschaft macht ihre Arbeit nicht, entsprechend sind die Subventionen an sie ungerechtfertigt», so Gerzner, «das ist Geldmacherei im Namen des jenischen Volkes.»

«Als Vertreter der Jenischen nicht tragbar»

Dass der Präsident der Radgenossenschaft Geld veruntreut haben soll, ist für Claude Gerzner, Pressesprecher des Vereins, überhaupt nicht erstaunlich. «Daniel Huber ist als Präsident der Radgenossenschaft nicht tragbar.» Die Mitglieder des Vereins kennen Huber persönlich. Dennoch sei er nie für sie da, wenn sie ihn bräuchten. «Entweder ist er in den Ferien, am Jagen oder man erreicht nur seine Sekretärin.»

Dass Huber als «höchster Fahrender» bezeichnet werde, sei eine Schande. «Es kann nicht sein, dass ein Mann, der vom jenischen Volk überhaupt nicht gewählt worden ist, als ‹Oberhaupt› bezeichnet wird», so Claude Gerzner. Das jenische Volk wolle seine Vertreter selber bestimmen. «Wir fordern freie Wahlen für ein Gremium, das unsere Anliegen angemessen vertritt.»

«Eng verbandelter Familienclan»

Seit ihrer Gründung im Jahr 1975 sei die Radgenossenschaft ein eng verbandelter Familienclan – im Verwaltungsrat sei auch heute noch ein Grossteil der Mitglieder miteinander verwandt. «Wenn man nicht zur Familie gehört, kommt man entweder gar nicht rein oder man wird nach einem Jahr wieder rausgemobbt», empört sich Mike Gerzner. Jüngstes Beispiel sei Jean-François Gerzner, der Bruder von Claude. Nachdem dieser als Verwaltungsrat der Radgenossenschaft von Huber Auskunft über die finanzielle Situation der Radgenossenschaft gefordert habe, wurde ihm per Whatsapp den Rauswurf angekündigt.

«Nun wollen wir uns die Tyrannei nicht mehr länger gefallen lassen», so Mike Gerzner. Dank einer besseren Vernetzung durch die neuen Medien seien die jungen Jenischen zu mehr Selbstbewusstsein gekommen. Bereits im Zuge der Demonstrationen in Biel und Bern im Frühling habe man erfolgreich versucht, die Öffentlichkeit und die Politik auf die Missstände aufmerksam zu machen.

BAK soll Dachverband besser kontrollieren

Nun müsse das Bundesamt für Kultur (BAK), der grösste und praktisch alleinige Geldgeber der Radgenossenschaft, endlich handeln: «Wir fordern mehr Transparenz und eine regelmässige Kontrolle der Radgenossenschaft», so Mike Gerzner. Es dürften nicht länger Subventionen verteilt werden, für die keine Leistungen zurückkommen.

Gemäss Mediensprecherin Anne Weibel hat das BAK Kenntnis von den Vorwürfen. Man sei mit den Organisationen im Gespräch. «Wir suchen mit allen Akteuren gemeinsam nach einer Lösung.» Das Kernanliegen des BAK sei es, dass den Bedürfnissen der Jenischen in der Schweiz Rechnung getragen werden kann. Für das laufende Jahr erhielt die Radgenossenschaft rund 264'800 Franken.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Oliver am 18.07.2014 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach lächerlich

    Da wird vom Bund wieder mal kräftig Geld verteilt ohne zu kontrollieren was damit eigentlich angestellt wird. Dies scheint mir in unserer Verwaltung ein Standart zu sein. Einfach lächerlich.

  • Kurt Röösli am 18.07.2014 14:07 Report Diesen Beitrag melden

    Die Bundesgiesskanne

    Ich kann das Gejammer dieser Leute nicht mehr hören! Es gibt keinen Grund warum auch nur ein Franken Steuergelder an Jenische Organisationen gezahlt wird. Das ist eine krasse Bevorzugung gegenüber anderen Leuten die wirklich bedürftig sind.

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  • Walter Portmann am 18.07.2014 13:28 Report Diesen Beitrag melden

    Affentheater

    Die nehmen sich sehr viel heraus und ich frage mich, weshalb die überhaupt Forderungen stellen dürfen. Kann jetzt jeder mit dem Wohnwagen herumfahren und parken wie und wo er will und dann noch weitere Forderungen stellen !?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • U.Engel am 21.07.2014 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    Selbst ist der Jenische

    Wer als Nichtjenischer einen Parkplatz, Campingplatz oder ein Haus bauen will, muss alles selber zahlen und bauen. Es kann nicht sein, dass der Bund diese Organisationen subventioniert und die Kantone Standplätze zur Verfügung stellen. Die sollen sich diese Standplätze seber kaufen, unterhalten und vermieten. jedes Kind hat in der Schweiz ein Recht auf eine unentgeltliche Schulbildung, auch Jenische. Wenn sie aufgrund ihres Herumziehens die Ausbildung nicht gewährleisten können , sollen sie selber für Unterkünfte für ihre Kinder sorgen.

    • karl am 24.07.2014 13:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      kein kommentar

      wie es aussieht hören sie das nicht gern,keine stellungsnahme mehr

    • kurt am 26.07.2014 14:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @karl

      das würde mich auch wundernehmen. anscheinend reden die fahrenden nicht darüber

    • veronica am 09.08.2014 06:22 Report Diesen Beitrag melden

      selber nicht lesen wollen

      Das Problem ist, die Jenischen antworten anständig und immer wieder gibt es neue Beschuldigungen die schon längst wiederlegt worden sind. Standplätze kaufen ist nicht möglich für Wohnwagenbenützing. Dann blieben die Plätze die von den Gemeinden an sie vermietet werden.

    • Mozzarella am 17.11.2014 20:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      zuwenig Info

      Ich habe selber schon Jenische kennen gelehrnt,die mussten ihre Kinder jeden Tag nach Bern in die Schule fahren,immer an den selben Ort egal wo sie sich in der Schweiz aufhalten und die bezahlen sehr viel für die Parkplätze wo sie ihre Wohnwagen hin stellen. Noch dazu habe,ich selten so anständige Menschen kennen gelernt,zuasmmen halt und nicht nur an sich selber denken ist in diese alten der Schweiz angehörenden Kultur verankert. Nicht so wie wir das machen.

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  • michael am 20.07.2014 14:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ein betroffener

    ich bin bei fahrenden aufgewachsen. niemand denkt an die kinder, immer andere schulen und keine freunde ausser in der gruppe. privat untereicht der so schlecht war. heute habe ich matura und ein studium, das war mega hart mit der schlechten schulbildung, meine elter fahren heute noch. sie schämen sich für ihren sesshaften sohn der noch studiert hat. die kinder sind die leitragenden darum sollte das mit kindern verboten werden. sogar zirkuskinder haben mehr rythmus

    • kurt am 22.07.2014 16:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      da haben sie recht

      danke das auch mal jemand die unschönen seiten anspricht. was sagen die fahrenden dazu

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  • Pfarrer Ernst Kassiber am 20.07.2014 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    Der Wahrheit endlich ins Auge sehen

    Wenn ich so die Kommentare lese wird klar: Die Lebensart der Jenischen ist längst überholt. Wir leben nicht mehr im Zeitalter der Jäger und Sammler (Steinzeit, Broncezeit), sondern haben eine Industrialisierung hinter uns. Seither sind die Menschen sesshaft geworden, bauen Häuser und arbeiten in Betrieben. Herumstreunen und Betteln wird nicht gern gesehen. Schlimm für die Schweizer Roma ist, dass sich französische bzw. rumänische Zigeuner aus dem Elsass zu Raubzügen über die Grenze in die Schweiz wagen, schlimmer noch: ihre Kinder dafür einsetzen. Dass so etwas ist nur noch widerwärtig!

  • Heidi Keller am 19.07.2014 19:04 Report Diesen Beitrag melden

    Undurchsichtige Familienclans

    Könnte es sein, dass die anderen jenischen Familien einfach auch etwas von dem Geld wollen, das der Bund grosszügig verteilt und das eine einzelne Familie einsackt und für sich behält?

    • Mike Gerzner am 19.07.2014 20:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Kein geld wir wollen kein geld

      Unser verein ist kein Familien Clan wie die radgenossenschaft Es ist zufall das ich und mein Onkel im verein sind Die anderen 12 Vorstands mitglieder sind von anderen Familien Und unser verein ist gegen subwentionen Jeder kann arbeiten

    • Till Sitter am 20.07.2014 08:31 Report Diesen Beitrag melden

      Befriedigend

      Muss doch sehr befriedigend sein, anderen Leuten irgend etwas zu unterstellen.

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  • Edi Steinlin am 19.07.2014 16:27 Report Diesen Beitrag melden

    Finanzen

    Wir haben ein riesiges Problem in der Schweiz, wir haben zu viel Geld !!!