Geri-Gate

19. August 2014 17:04; Akt: 20.08.2014 11:42 Print

«Geri Müllers demütiger Auftritt war überzeugend»

Ist dem Grünen-Nationalrat Geri Müller mit seiner öffentlichen Entschuldigung der Befreiungsschlag gelungen? Kommunikationsexperte Roger Huber ist optimistisch.

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Kommunikationsexperte Roger Huber: «Geri Müller hätte sich früher professionell beraten lassen müssen.» (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

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Geri Müller hat sich heute in aller Öffentlichkeit entschuldigt. Fanden Sie den Auftritt überzeugend?
Roger Huber:
Ich fand seinen Auftritt gut und glaubwürdig. Er trat sehr demütig auf. Dieser Mann ist durch die Hölle gegangen. Dafür, dass er eine so schwierige Zeit hinter sich hat, hat er die Pressekonferenz souverän gemeistert. In Anbetracht dessen aber, dass er schon seit Freitag Kenntnis von der Berichterstattung hatte, hätte er sich schon früher professionell beraten lassen müssen. So hätte er den Medien den Wind aus den Segeln nehmen können. So aber wurde die Story täglich hochgekocht.

Geri Müller wollte nach der Pressekonferenz keine Fragen beantworten. Eine kluge Strategie?

Eigentlich würde ich meinem eigenen Klienten raten, sich den kritischen Fragen der Journalisten zu stellen. Diese Angelegenheit aber ist sehr intim. Im Kampf um die beste Frage versuchen sich Journalisten gegenseitig zu übertrumpfen. Gewisse verlieren da den Anstand und es werden Fragen unter der Gürtellinie gestellt. Da muss man emotional doch sehr stabil sein, um nicht die Nerven zu verlieren.

Umfrage
Hat Sie Geri Müller mit seinem Auftritt überzeugt?
35 %
54 %
11 %
Insgesamt 3114 Teilnehmer

Wird er sich als Nationalrat und Stadtamman halten können?
Geri Müller hat auf moralischer Ebene einen Imageschaden erlitten und es wird noch weitere Phasen des Spottes geben. Die Geschichte wird weiterdrehen, aber sie wird an Dynamik verlieren. Wenn Geri Müller weiterhin demütig auftritt, sich selber bleibt und keine belastenden Geschichten auftauchen, hat er gute Chancen. Problematisch ist, dass die Bevölkerung von Menschen mit wichtigen Ämtern verlangt, dass sie einen Heiligenschein haben. Dabei sind das ja auch nur Menschen.

(dp)