Erbe an Kunstmuseum

07. Mai 2014 14:20; Akt: 07.05.2014 18:16 Print

«Gurlitts Bilder sind für Bern ein Segen»

Cornelius Gurlitt vermacht seine millionenschwere Kunstsammlung dem Kunstmuseum Bern. Das Museum und Experten wurden von der Nachricht völlig überrumpelt.

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Die Gurlitt-Bilder sollen nach Bern kommen. Gurlitt hatte kurz vor seinem Tod die wertvolle Kunstsammlung dem Kunstmuseum Bern vermacht. Doch auch Gurlitts Cousine Uta Werner machte Ansprüche auf das Erbe geltend. Das Berner Kunstmuseum, im Bild Direktor Matthias Frehner, kann das Erbe antreten. 2014 gab die Staatsanwaltschaft bekannt, dass die Beschlagnahmung der Bilder aufgehoben wird. Cornelius Gurlitt wurde im November 2013 von «Paris Match»-Journalisten beim Einkaufen in München fotografiert. Ein ganzes Leben hatte er damit verbracht, möglichst kein Aufsehen zu erregen. (18.11.2013). Der angeblich untergetauchte Kunsthändler hatte sich die ganze Zeit in seiner Münchner Wohnung aufgehalten, aber nie auf das Klingeln reagiert. Die Polizei präsentierte den Medien einige der Bilder am 5. November 2013: , Herkunft: Kunst- und Gewerbemuseum in Moritzburg. . In der Münchner Sammlung wurden weitere Zeichnungen und Skizzen Liebermanns gefunden. In der Münchner Wohnung des Kunsthändlers Cornelius Gurlitt stellten Zollfahnder im Frühling 2012 über 1400 während der Nazi-Zeit verschollene Kunstwerke sicher. Weil Gurlitt in Deutschland nicht gemeldet war, dauerte es Monate, bis die Behörden seine Wohnung fanden (im Bild: Die Eingangstür zum Haus in München). Bei den Bildern handelte sich unter anderem um Werke von Pablo Picasso, Henri Matisse, Marc Chagall, Emil Nolde, Franz Marc, Max Beckmann, Paul Klee, Oskar Kokoschka, Ernst Ludwig Kirchner, Max Liebermann und Albrecht Dürer. Die Sammlung soll einen Wert von rund einer Milliarde Euro haben. So hat auch die Berner Galerie Kornfeld (im Bild der Besitzer Eberhard Kornfeld) Bilder von Gurlitt verkauft. Nach dem Verkauf des «Löwenbändigers» vermuteten die Ermittler, dass Gurlitt noch weitere Verstecke mit Kunstwerken hatte. Später kamen sie von dieser Theorie ab. Die deutschen Behörden fragten in den Sechzigerjahren bei der Witwe nach den Bildern. Doch Helene Gurlitt behauptete, alle Gemälde und Unterlagen seien bei einem Bombardement in Dresden verbrannt.

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Der verstorbene Kunstsammler Cornelius Gurlitt hat seine millionenschwere Bildersammlung dem Kunstmuseum in Bern vermacht. Dieses wurde nach eigenen Angaben von Gurlitts Anwalt telefonisch wie schriftlich informiert, dass Gurlitt die Stiftung Kunstmuseum Bern zu seiner Alleinerbin eingesetzt habe.

Trotz Spekulationen in den Medien darüber, dass die Sammlung testamentarisch einer Kunstinstitution ausserhalb Deutschlands vermacht worden sei, schlug die Nachricht wie ein Blitz aus heiterem Himmel ein, bestanden doch zu keiner Zeit irgendwelche Beziehungen zwischen Gurlitt und dem Kunstmuseum Bern, teilte die Institution am Mittwochnachmittag mit.

«Ich kann es eigentlich gar nicht glauben»

Auch Oliver Class, Kunstsachverständiger bei der Allianz-Suisse, hat nicht mit dieser Nachricht gerechnet: «Ich kann es eigentlich gar nicht glauben», sagt er zu 20 Minuten. Denn: «Auch die Bilder hatten keinen Bezug zur Schweiz.» Es zeige jedoch, dass die Schweiz ennet der Grenze immer noch ein sehr gutes Image habe.

Die Werke hätten Gurlitt sehr viel bedeutet. Class kann es daher verstehen, dass der Kunstsammler seine Werke ins Ausland vererbt hat. «Die deutschen Behörden haben seine Sammlung beschlagnahmt. Gurlitt wurde in der ganzen Sache sehr schlecht behandelt.»

Ethische und rechtliche Fragen

Trotz riesiger Freude bereitet das Erbe dem Kunstmuseum Sorgen. Man wolle «nicht verhehlen, dass das grossartige Vermächtnis ihnen eine erhebliche Verantwortung und eine Fülle schwierigster Fragen aufbürde», heisst es in der Mitteilung. Es seien Fragen ethischer und rechtlicher Natur.

Class beruhigt: «Ein Erbe anzunehmen ist legal. Das Kunstmuseum hat sich nichts zu Schulden kommen lassen.» Da jedoch die Herkunft der Bilder teilweise unbekannt sei, könne es sein, dass Personen die Bilder zurückfordern.

Gurlitt starb am Dienstagvormittag

Laut Class ist das Vermächtnis für Bern mehrheitlich ein Segen, auch wenn die Sammlung nur zu Teilen bekannt sei. «Darunter sind bedeutende und weniger bedeutende Werke.» Der Wert der Sammlung wird auf mehrere Millionen geschätzt.

Cornelius Gurlitt, der Sohn von Adolf Hitlers Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, war am Dienstagvormittag im Alter von 81 Jahren in seiner Münchner Wohnung gestorben – ohne seine geliebten Bilder vorher noch einmal zu sehen. Er war seit Monaten schwerkrank.

Dennoch ist die Todesursache noch nicht zweifelsfrei geklärt. Die Staatsanwaltschaft hat nun eine Obduktion des Leichnams beantragt. «Wir wollen damit klären, wie die Todesursache tatsächlich ist und ob es Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden gab», zitiert die Zeitung Bild die Staatsanwaltschaft.

(ale/woz/sda)