Ehe killt Sexleben

09. September 2019 13:16; Akt: 09.09.2019 13:16 Print

«Habe ich Glück, haben wir einmal im Monat Sex»

Im Bett herrscht bei vielen Partnern nach der Heirat Flaute. Leser berichten von ihrem Frust – aber nicht nur.

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«Mein Mann und ich schlafen nachts nicht einmal mehr im selben Zimmer. Weil er Schicht arbeitet und oft erst spät nachhause kommt oder früh aufstehen muss, übernachtet er auf der Couch im Wohnzimmer», berichtet Hausfrau L.N. (Symbolbild) «Mit meinem Ehemann bin ich seit drei Jahren zusammen. Auch seit der Hochzeit haben wir fast jeden Tag Sex. Kommen wir nicht dazu, setzen wir uns auch nicht unter Druck. Mein Partner ist zugleich mein bester Freund», sagt N.S. Das Klischee hält sich hartnäckig: Zu Beginn einer Beziehung fällt man übereinander her, hat Sex in den verschiedensten Positionen und Orten. Nach der Heirat läuft im Schlafzimmer hingegen fast nichts mehr. Nun zeigt die grosse Sex-Umfrage von 20 Minuten, dass Eheleute tatsächlich viel weniger Sex haben als Personen in einer festen Beziehung. Fast jedes Dritte Ehepaar schläft höchstens einmal im Monat miteinander – und das, obwohl sich 87 Prozent Eheleute wünschten, mindestens einmal wöchentlich intim zu werden. Das schlägt auch auf die Zufriedenheit: 18 Prozent von ihnen sind generell unzufrieden mit ihrem Sexleben. Das Phänomen, dass mit zunehmender Dauer der Beziehung die Spannung abnimmt, sei aber bekannt, sagt die Sexualtherapeutin Dania Schiftan. Der Grund dafür sei, dass sich auf Dauer eine gewisse Bequemlichkeit und Eintönigkeit breit mache. «Man kennt sich, man weiss, was dem anderen gefällt und deshalb verläuft der Sex mit der Zeit auch immer ähnlich», sagt Schiftan. «Das Risiko, dass die Idee vom Partner abgeschmettert wird und man dann etwa als pervers gilt, ist vielen zu gross», sagt Schiftan. Daher werde das Thema in der Beziehung oft nicht aufgegriffen und diskutiert, was dazu führt, dass das Sexleben einschlafe. Spätestens wenn Kinder dazustossen sei pragmatisches Denken angesagt, weil für eine ausgedehnte Romantiksession keine Zeit bleibe. Schiftan: «Man kann die Kinder bei den Grosseltern lassen, die Mittagspause nutzen oder am Sonntagnachmittag eine Zimmerstunde für die Kinder organisieren.» Obwohl sich viele mehr Sex wünschen: Die meisten kommen beim Liebesspiel auf ihre Kosten, zeigt die 20-Minuten-Umfrage. 79 Prozent der Befragten geben an, immer oder meistens zum Orgasmus zu kommen. Dabei gibt es jedoch grosse Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Während 69 Prozent der Männer immer zum Höhepunkt kommen, sind es bei den Frauen nur 27 Prozent.

Zum Thema
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Nach der Heirat schläft das Sexleben oft ein. Fast jedes dritte Ehepaar (26 Prozent) hat höchstens einmal im Monat Sex, wie die grosse Sex-Umfrage von 20 Minuten zeigt. Dagegen schläft die Hälfte der unverheirateten Partner mehrmals pro Woche miteinander. Auch bei vielen Lesern herrscht seit der Heirat Flaute im Bett:

Umfrage
Wie oft haben Sie Sex?

L.N.*, Hausfrau (30), seit zwei Jahren verheiratet :

«Mein Mann und ich schlafen nachts nicht einmal mehr im selben Zimmer. Weil er Schicht arbeitet und oft erst spät nachhause kommt oder früh aufstehen muss, übernachtet er auf der Couch im Wohnzimmer. Wenn ich Glück habe, haben wir einmal pro Monat Sex miteinander. Vor der Heirat dagegen schliefen wir täglich oder mehrmals täglich miteinander. Einen Einfluss darauf haben sicher unsere Kinder. Wir brachten je zwei Buben in die Beziehung, als wir vor vier Jahren zusammenkamen. Kurze Zeit später kamen unsere beiden gemeinsamen Kinder dazu.


«Unsere Nächte sind für Sex zu kurz»

Unsere Kinder sind noch klein, das jüngste ist einjährig. Es schläft bei mir im Schlafzimmer. Der zweijährige Sohn wacht nachts oft auf und übernachtet dann bei meinem Mann auf der Couch oder bei mir im Zimmer. Meist ist bei uns um fünf oder sechs Uhr Tagwache, weil die Kleinen dann aufstehen wollen.

Unsere Nächte sind für Sex zu kurz und wir sind oft zu müde dafür. In einer Vierzimmerwohnung fehlen uns auch die Rückzugsmöglichkeiten für Intimitäten. Immerhin schaffen mein Mann und ich es noch, uns am Tag in die Arme zu nehmen und zu küssen. Ich hoffe, dass wir wieder mehr Zeit für uns haben, wenn die Kinder älter geworden sind.»

S.P.* (31), männlich, seit sechs Jahren verheiratet:

«Vor der Hochzeit hatten wir fast täglich Sex. Seit der Heirat schlafen wir nur noch sechs bis achtmal pro Jahr miteinander. Meine Frau kommt ständig mit Ausreden. So sagt sie zum Beispiel, sie sei zu müde. Danach hängt sie aber noch locker eine Stunde am Handy. Ein anderes Mal behauptet sie, Kopfschmerzen zu haben oder sie findet, es sei schon zu spät für Sex. Früher kam das alles nicht vor.»

«Mit etwas mehr Ausgleich mehr Lust»

I.C.* (37), weiblich:

«Naja, kurz nach der Hochzeit wurden wir Eltern und das fordert mich neben einem Teilzeitpensum doch extrem. Hinzu kommt, dass es selbstverständlich ist, dass ich Babysitterin bin und er viele seiner Freizeitaktivitäten trotz strengem Wochenprogramm einfach durchzieht. Mein Privatleben bleibt auf der Strecke. Ich bin nur noch Mami und Hausfrau und das frustriert mich doch ungemein.

Zudem würde ich so gerne wieder regelmässigen Sport machen. Dafür brauchten wir jedoch wieder einen Babysitter, weil mein Mann als Selbständiger nie pünktlich nach Hause kommt. Vielleicht hätte ich mit etwas mehr Ausgleich auch mehr Lust.»

Mit der Affäre erledigte sich unser Liebesleben»

R.H.*, männlich:

«Schon während der Schwangerschaft ist unser Sexleben eingeschlafen. Als meine Frau danach eine Affäre anfing und ich es nach mehreren Monaten herausfand, erledigte sich unser Liebesleben komplett.»

Andere Leser hingegen schwärmen von einem besseren Sexleben.

U.S.* (65), verheiratet seit 40 Jahren:

«Heute sind wir verliebter denn je! Das erleben wir auch im Bett. Ja, es gab Phasen, in denen unser Sexleben fast ‹gekillt› war. Aber wir haben herausgefunden, welche Faktoren uns blockierten und konnten diese eliminieren.»

N.S.* (33), verheiratet seit drei Wochen:

«Mit meinem Ehemann bin ich seit drei Jahren zusammen. Auch seit der Hochzeit haben wir fast jeden Tag Sex. Kommen wir nicht dazu, setzen wir uns auch nicht unter Druck. Mein Partner ist zugleich mein bester Freund.

«Mein Partner ist mein bester Freund»

Wir reden und lachen viel miteinander und üben gemeinsame Hobbys aus. Gleichzeitig lassen wir uns aber auch Freiräume, sodass jeder auch mal nur mit seinen Freunden eins trinken gehen kann. Ich denke, dass wir auf diese Weise auch nach langjähriger Ehe noch füreinander attraktiv bleiben.

Ich habe aus einer früheren Beziehung bereits einen 13-jährigen Sohn.Trotzdem darf sich nicht alles um das Kind drehen. Auch wenn mein Mann und ich dann vielleicht einmal ein gemeinsames Baby haben, müssen wir uns bewusst Zeit füreinander nehmen.»

*Name der Redaktion bekannt

(bz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pater Peter am 09.09.2019 13:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wow...

    ...N.S., verheiratet seit drei Wochen. Das ist natürlich sehr repräsentativ.

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  • Fred am 09.09.2019 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    1 mal im Monat

    davon Träumen viele Sigels;-)

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  • Eliane am 09.09.2019 13:34 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht unbedingt die Ehe schuld

    Also ich denke nicht, dass unbedingt die Ehe an sich "schuld" hat. Sondern viele andere Faktoren auch eine Rolle spielen. In einer langen Beziehung wird es auch mal langweilig egal ob verheiratet oder nicht, oder Kinder rauben einem die letzte Kraft, ausgelaugt von der Arbeit usw. Solche Phasen gibt es halt, aber wichtig ist wieder zurück zu finden damit es für beide Partner stimmt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • die Ritterin am 10.09.2019 15:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    echte Männer übernehmen Verantwortung

    Es wäre interessant zu wissen, wie hoch der Anteil der Kein-Bock-Frauen die Pille einnimmt. Für den Mann ist das natürlich bequem, wenn er sich nicht um Verhütung kümmern muss, aber was nützt ein Verhütungsmittel, bei welche die Nebenwirkung "keine Lust" ist. Es ist langsam an der Zeit, dass Männer endlich Verantwortung für die Verhütung übernehmen. Will heissen Kondome zu benutzen, oder bei abgeschlossener Familienplanung eine Vasektomie vornehmen zu lassen. Mit der Benutzung von Gummis können Männer auch gleich dem immer öfters vorkommemdem Phänomen "Pille vergessen" vorbeugen.

    • Ben3x am 10.09.2019 16:37 Report Diesen Beitrag melden

      Verantwortung

      Da hast du eine perfekte Ausrede gefunden. Die Männer sind schuld, wie immer :-DDDD

    • Marcel am 10.09.2019 17:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ben3x

      Logisch, weil ja auch die Männer schwanger werden können, müssen sie verhüten ^^ Frauen heute machen sichs so einfach, an allem ist der Mann schuld, klar...

    • die Ritterin am 10.09.2019 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Marcel

      Jööö, die Jammeris wieder. Dann lasst eure Frauen weiterhin Hormone schlucken, welche ihr die Lust nehmen und jammert weiter über euer nicht vorhandenes Sexleben. Mir egal, bei mir läufts prima :-)

    • die Ritterin am 10.09.2019 18:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ben3x

      Ich habe nirgends geschrieben, dass der Mann schuld datan hat, sondern lediglich darauf hingewiesen, dass die Pille ein Lustkiller ist. Ändert etwas, oder jammert weiter. Mir ist euer Frust egal

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  • Ich am 10.09.2019 10:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leidenschaft

    Nicht die Häufigkeit ist entscheidend, sondern die Qualität. Ich kann gut einen Monat darauf verzichten, wenn es dafür nachher kracht. Wenn er sich Zeit nimmt und Leidenschaft stimmt, dann sind die Gefühle so gut, dass ich wieder eine Weile davon leben kann.

    • Susa am 10.09.2019 12:59 Report Diesen Beitrag melden

      Wenn's richtig gut war...

      ..dann kann ich erst recht nicht so lange warten :)

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  • babs am 10.09.2019 09:26 Report Diesen Beitrag melden

    @ I.C. (37)

    Ich wollte mich nach drei Jahren Kindererziehung auch wieder mehr meinem Körper und dem Sport widmen. Aber am Abend sind mein Mann und ich beide müde, er von der Arbeit ich vom Nachwuchs und Haushalt. Also hab ich mir ein Fittnesstudio mit guter Kinderbetreuung gesucht. So kann ich jetzt am Vormittag Sport machen (nen tollen Kurs oder an die Geräte), mein Nachwuchs ist in der Nähe und gut betreut und am Wochenende haben wir Zeit als Familie zusammen.

    • Kück am 10.09.2019 21:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @babs

      Am Vormittag Fitness und am Abend müde. Hausfrau sein ist schon schön.

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  • Berner Bär am 10.09.2019 09:11 Report Diesen Beitrag melden

    Ehefeindliche Kampagne?

    Eine weitere Kampagne zur Verunglimpfung der Institution Ehe? Also wenn nur der Trauschein noch den Ausschlag geben soll, dass es nicht mehr klappt, war ja wohl schon zuvor einiges aus dem Lot!

  • egal am 10.09.2019 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Ich werde eh nie heiraten

    verspüre nie Lust. Die Männer können dankbar sein.