Kritik am Zivilschutz

01. Mai 2016 20:36; Akt: 01.05.2016 21:26 Print

«Hälfte der Aufgebotenen sitzt im Restaurant»

von R. Landolt - Ein langjähriger Zivilschützer kritisiert das Programm «Aktiv Plus» der Stadt Zürich als blödsinnig. Die Stadt wehrt sich.

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Es sei ein «offenes Geheimnis unter Zivilschützern, dass zu viele Leute aufgeboten und die Tage künstlich in die Länge gezogen werden». Das sagt M.L. über das «Aktiv Plus»-Programm der Stadt Zürich. (Bild: Keystone/Petra Orosz)

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M.L. hat in der Stadt Zürich 20 Jahre lang Zivilschutzdienst geleistet. Jeweils eine Woche im Jahr brachte er Spritzen in Fixerstuben, fuhr Demente in Tagesstätten und verteilte jüngst bei den Altstetter Sexboxen XXL-Pakete mit Kondomen. Nachdem sich ein Firmengründer über den Zivildienst-Zwang aufgeregt hat, findet M.L., der Chef eines 25-köpfigen Unternehmens ist: «Bevor der Zivildienst abgeschafft wird, muss der Zivilschutz hinterfragt werden.»

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Insbesondere am «Aktiv Plus»-Programm der Stadt Zürich übt er heftige Kritik: «Die Hirnlosigkeit wird auf die Spitze getrieben.» Ausserdem werde «im grossen Stil» Verschwendung betrieben. «Unter den Zivilschützern ist es ein offenes Geheimnis, dass zu viele Leute aufgeboten und die Tage künstlich in die Länge gezogen werden.»

«Die Hälfte der Belegschaft reicht aus»

Primär gehe es bei «Aktiv Plus» um begleitete Patiententransporte: Etwa würden Zivilschützer Patienten mit Nieren-Insuffizienz ins Spital fahren und abends wieder abholen. «Die Hälfte der 16- bis 20-köpfigen Belegschaft reicht aus für diese Transporte», ist M.L. überzeugt. «Den Rest sieht man bei schönem Wetter auf der Terrasse im Restaurant Waid sitzen.»

«Die Liste der Blödsinnigkeiten liesse sich beliebig verlängern», sagt M.L. Ein «Highlight» sei die Spritzentour. Dabei brächten zwei Männer neue Spritzen in die Fixerstuben der Stadt und würden alte abholten. «Zwischen den Aufträgen am Morgen und am Nachmittag wartet man zwei Stunden, bis die Fixerstube Brunau aufmacht.» Warum nicht gleich beide Aufträge am Nachmittag ausgeführt würden oder die Fixerstube dies nicht selber mache, versteht M.L. nicht. Sein Fazit: «Effektive Arbeitszeit: zwei Stunden. Eingeteilte Ressourcen: zwei Leute à fünf Stunden.»

«Wartezeiten liegen in der Natur der Sache»

Laut Urs Eberle, Sprecher Schutz & Rettung der Stadt Zürich, sind sich die Verantwortlichen von «Aktiv Plus» keiner Probleme bewusst: «Wir haben mehrheitlich positive Rückmeldungen dieser Zivilschutz-Angehörigen. Sie freuen sich, einen sinnvollen Beitrag für Betagte oder behinderte Menschen zu leisten».

Die Anzahl der eingesetzten Teams und Fahrzeuge basiere auf langjährigen Erfahrungswerten. «Dass es immer wieder zu Engpässen kommt und dann wieder zu Wartezeiten, liegt in der Natur der Sache.»

«Halten uns an die gesetzlichen Vorgaben»

M.L. stört sich allerdings nicht nur am Rumsitzen: «Das ‹Aktiv Plus›-Programm erfüllt die gesetzlichen Voraussetzungen für einen ‹Einsatz zugunsten der Gemeinschaft› nicht.» Er verweist auf einen Leitfaden des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz, der Kantonen und Gemeinden bei der Ausgestaltung der Einsätze Orientierung bieten soll.

Darin steht: «Der Zivilschutz darf private Unternehmen nicht oder nur geringfügig konkurrenzieren.» M.L. ist dahingegen «klar der Meinung, dass ‹Aktiv Plus› Private wie etwa den Behinderten-Fahrdienst Tixi Taxi konkurrenziert». Gemäss Leitfaden dürfen Zivilschützer keine «‹Hilfsarbeiter-› oder ‹Handlanger›-Tätigkeiten ohne Ausbildungs- und Übungszweck» ausführen. «Klar geht es bei unseren Aufgaben um Handlanger-Tätigkeiten», meint M.L. dazu. Es handle sich zudem um «Tätigkeiten, die über das ganze Jahr hinweg geleistet werden und dadurch Mitarbeiter ersetzen» – auch dies verbietet der Leitfaden.

Für Urs Eberle von der Stadt Zürich sind die Vorwürfe ungerechtfertigt: «Für den Betrieb von ‹Aktiv Plus› halten wir uns an die gesetzlichen Vorlagen.» Der Leistungsauftrag des Stadtrats – der Betrieb von drei bis sieben Patiententransportern innerhalb von 50 Wochen im Jahr – werde erfüllt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zivilschützler am 01.05.2016 20:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur Zivilschutz?

    Und wird im Militär nichts künstlich in die Länge gezogen?

  • Pralinchen am 01.05.2016 20:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich finde...

    Die sollen, statt im Restaurant zu sitzen, im Pflegeheim sich um alte und demente kümmern..mit ihnen spazieren, spielen und ihnen etwas Zuwendung schenken. Das wäre wertvoll. Viele sitzen dort einsam herum.

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  • QonoS am 01.05.2016 20:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zivilschutz Quo Vadis

    Aber wehe man wird aufgeboten und bittet um Aufschub weil gerade viel Arbeit oder Wichtiges im Geschäft läuft. Das geht auf keinen Fall und es wird ein Theater darum gemacht. So wie es jetzt aufgegleist wird bringt der Zivilschutz nichts

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Die neusten Leser-Kommentare

  • dani am 03.05.2016 21:11 Report Diesen Beitrag melden

    abschaffen

    Die Vorgesetzten im Zivilschutz sind schlimmer als die im Militär! Alles pedantische Möchtegerns, welche gerne im Militär weiter gemacht hätten, aber nicht einmal dafür hat es gereicht. Den ganzen Laden kann man mit einer Truppe Vollberuflicher ersetzen. Käme 1000x günstiger und wäre effektiver.

  • Oberst im Generalstab Pädi am 03.05.2016 17:07 Report Diesen Beitrag melden

    Alles Warmduscher

    Die Zivis sind allesamt Warmduscher. Ein echter Mann hat Militärdienst geleistet.

  • Rapheli am 03.05.2016 16:46 Report Diesen Beitrag melden

    Bestätigung

    Dieser M.L. könnte ich sein. Bei meinem Einsatz war ich auch nur im Kafi. Immerhin ist der Nussgipfel gratis, sonst würde ich dort künden.

    • Korporal Neukom am 03.05.2016 16:52 Report Diesen Beitrag melden

      Wiederspruch

      Als altgedienter Korporal in der 3 Brigade des Battalions von Morgarten, muss ich diesen Kommentaren wiedersprechen. Bei meiner Tätigkeit als Korpi hatte ich NIE, sie lesen richtig, NIE einen gratis Nussgipfel.

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  • Eine Linie genommen am 03.05.2016 14:38 Report Diesen Beitrag melden

    Gesoffen+gehascht!

    Kenne den Unterschied nicht.Ob Zivilschutz oder Militär bei beiden wird am Abend gesoffen und gehascht.!

  • @ Zivpol GR am 03.05.2016 07:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    War ja klar!

    Deswegen habe ich mich gleich gemeldet und ja gesagt,als eine Einheit zur Logistischen Unterstüzung neu aufgestellt wurde.Den bei der UemPi lief immer irgendwas schief.Entweder fehlten die Leute oder das Material.