Klares Nein zu Agrarinitiativen

23. September 2018 17:17; Akt: 23.09.2018 17:17 Print

«Es gibt schon genügend Bio-Lebensmittel»

Die beiden Agrarinitiativen sind deutlich abgelehnt worden. Gründe seien die Komplexität der Vorlagen sowie die Angstmacherei der Gegner, sagen Befürworter.

Reaktionen von Befürwortern und Gegner zum Volksentscheid.
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Die Agrarinitiativen hatten vor dem Volk keine Chance: 68 Prozent sprachen sich gegen die Initiative zur Ernährungssouveränität aus, 61 Prozent stimmten gegen die Fair-Food-Initiative.

Ulrike Minkner, Vizepräsidentin der Allianz für Ernährungssouveränität, zeigte sich entsprechend enttäuscht: «Eine solch krasse Niederlage hatte ich nicht erwartet.» Die Laune liess sich die Biobäuerin aber nicht verderben. Das Komitee werde nun feiern, dass man überhaupt soweit gekommen sei. «Die Initiative wurde hauptsächlich von Freiwilligen getragen. Sie alle verdienen ein grosses Dankeschön», so Minkner.

Als zu zu radikal erachte sie die Vorlage nicht, jedoch als zu komplex, sagt Minkner. Schweizer Landwirtschaftspolitik sei kompliziert. «Wir haben versucht, die komplexen Zusammenhänge aufzuzeigen. Doch diese zu verstehen, ist schwierig», sagt Minkner.

Steigende Preise als schlagendes Argument

Maya Graf, Co-Präsidentin des Fair-Food-Initiativkomitees, sprach von einer verpassten Chance. Zugleich rief sie in Erinnerung, dass die Ziele der Initiative, etwa mehr faire Lebensmittel und die Förderung einer regionalen Landwirtschaft, nie bestritten worden seien. Umso mehr nehme man Gegner und Bundesrat nun beim Wort. «Beim schrankenlosen Freihandel braucht es jetzt dringend mehr Nachhaltigkeitskriterien – so wie das die Bundesverfassung ja bereits vorsieht», sagt Graf. Auch gegen die Lebensmittelverschwendung müsse der Bund stärker vorgehen.

Balthasar Glättli, Fraktionspräsident der Grünen, sieht vor allem zwei Gründe, weshalb die Fair-Food-Initiative abgelehnt wurde. Zum einen sei eine Mehrheit der Schweizer offenbar der Ansicht, dass sie bereits genug Möglichkeiten haben, faire Produkte zu kaufen. Zum anderen das Preisargument: «Faire Produkte sind nicht zum gleichen Dumpingpreis erhältlich, da muss man ehrlich sein», räumt Glättli ein. Jedoch hätten die Gegner mit übertriebenen Zahlen Angstmacherei betrieben.

«Markt reagiert immer auf Konsumentendruck»

Gross war die Erleichterung dagegen bei Babette Sigg, Präsidentin des Konsumentenforums und Co-Präsidentin des Komitees «2x Nein zu den Agrar-Initiativen». «Die Resultate zeigen, dass der Stimmbürger zufrieden ist mit der aktuellen Situation», sagt sie. Ausschlaggebend für den Ausgang der Abstimmung war laut Sigg die Preiserhöhung, «die in jedem Fall gekommen wäre». Das Nein zu den Agrarinitiativen zeige, dass der Konsument die Auswahl an unterschiedlichsten Produkten schätze. Daran werde sich der Markt auch künftig orientieren: «Der Markt reagiert immer auf den Druck des Konsumenten.»

«Wir konnten aufzeigen, dass bei Annahme der Initiative die Auswahl an importierten Lebensmitteln kleiner geworden wäre. Die Bevölkerung will sich nicht bevormunden lassen, wenn es darum geht, was sie essen soll», sagt die FDP-Nationalrätin Regine Sauter, die sich gegen die Fair-Food-Initiative engagierte. Die Anliegen der Initiativen seien durchaus sympathisch. «Aber es gibt bereits heute genügend Bio-Lebensmittel. Wenn die Konsumenten das wollen, haben sie die Macht, das zu fördern.»


(sul)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • A. Bossi am 23.09.2018 17:26 Report Diesen Beitrag melden

    Gott sei Dank

    Gott sei gedankt. Nicht noch mehr lebensbehindernde Gesetze und Verordnungen. Wir haben schon viel zu viele Gesetze und Verordnungen. Mit jedem Gesetz steigt die Macht des Staatsapparates bis in das Unerträgliche

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  • Hony12 am 23.09.2018 17:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bio

    Bio bio bio. Als otto normalverbraucher sollte man die Lebensmittel auch noch leisten können.

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  • 079BomyTrump am 23.09.2018 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Entscheidung

    Super gute Entscheidung. Es gibt wichtigeres im Leben. Bio ist genug vorhanden. Kümmert euch lieber um euere Scheidungskinder statt sie täglich 12 std in der Kita zu deponieren und mit Ritalin zu füttern. Danke vielmol

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kann Rechnen am 24.09.2018 20:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bio gibts überall günstiger

    Das Bio in Deutschland oder Frankreich ist gleich gut und kostet die Hälfte. Ich habe aber nicht den doppelten Nettolohn wie ein Deutscher. Mit zwei Kindern bekomme ich als Ingenieur etwa 15% mehr Nettolohn. Wenn ich die Miete in das Brutto einrechne, habe ich etwa 20% weniger.

  • alice am 24.09.2018 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Vertrauen

    ich kaufe nie BIO ich vertraue unseren Bauern.

  • G Nauer am 24.09.2018 12:01 Report Diesen Beitrag melden

    verkehrte Welt

    eigentlich sollte der Normalfall Bio sein und alles andere mit Zusätzen müsste aufs Strengste deklariert werden, Bio müsste man nicht anschreiben müssen, denn es ist eigentlich logisch, dass alles aus der Natur bio sein MÜSSTE. Verkehrte Welt eben.

  • Gwendolin M. am 24.09.2018 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt hunderte mehr oder weniger

    seriöse Labels und Bio à gogo. Wer will, kann sich bereits heute schon so ernähren oder auch aufs Land fahren und dort beim Bauern einkaufen (wenn es denn besser ist). Zudem stagniert der Bioabsatz, viele Bauern bleiben auf ihren Produkten sitzen. Auch bei den Eiern kann es gut sein, dass man Bio-Eier im Karton von Freilandeiern hat oder Freilandeier im Bodenhaltungskarton (grössere Reportage deutsches Fernsehen), denn scheinbar ist eben der Konsument nicht bereit dafür zu bezahlen.

    • Rentnerin am 24.09.2018 12:19 Report Diesen Beitrag melden

      Bald gibt es keine Schweizerbauern mehr

      Wir sind ja nicht bereit etwas mehr für heimische Produkte zu bezahlen. Dann kommt der grösdte Teil aus der EU. Die behalten dann vielleicht die guten Lebensmittel für sich und schicken uns das Gammelfleisch und so weiter. Wir könnten uns nicht mal gross wehren, sind ja dann voll auf die Importe angewiesen. Viel Spass.

    • S. Istes am 24.09.2018 15:41 Report Diesen Beitrag melden

      egal...

      so lange es hübsche, reiche Bauerntöchter zum Heiraten gibt

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  • Parteiverachter am 24.09.2018 11:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kurzdenker

    Lustiges völkchen die schweizer. Wollen alle freiheit die es gibt. Zwar nicht in die EU (find ich auch gut) aber dann von der lebensmittel beziehen und sich abhängig machen. Wenn die oder die amis (getreide) den hahn abstellen, dann bellen die sicherheitsbedürftigen und kurzdenker nicht mehr so laut.

    • PDD am 24.09.2018 11:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Parteiverachter

      die Schweiz wird nie ein selbstversorger, oder kommt der treibstoff für Traktor etc aus der Schweiz?

    • Volle Zustimmung am 24.09.2018 12:05 Report Diesen Beitrag melden

      @Parteiverachter, So ist es leider

      Ich frage mich auch langsam wo und wann Grossmäulige und dauernd rote Daumen Drücker den Verstand abgegeben haben. Es dürfte sich da wohl grossteils um jüngere Generationen handeln. Sind verwöhnt, wollen allen (oft unnötigen) Luxus, alles ist selbstverständlich, aber haben null Bezug zur Realität wenn es wieder mal hart kommen sollte. Dovon haben viele keine reale Plan mehr. Aber man muss sie wohl laufen lassen, sie wollen es doch gar nicht hören. Deren Wille ist ihr Weg, egal ob er gut oder schlecht enden wird.

    • Parteiverachter am 24.09.2018 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @PDD

      Auch ein kurzdenkerargument ohne lösungsansatz. Ja autom werden und in den schulen, mit den richtigen fächern, lehren dass man auf eigene beine stehen kann. Mathematik, physik, chemie, biologie, geologie, ethik, geschichte, kunst, soziologie, psychologie, machen menschen zu selbstdenkenden wesen. Die 3 erden die wir brauchen werden uns sonst mal zwingen autonom zu werden.

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