Hund, Katze, Vogel

03. Mai 2019 04:58; Akt: 03.05.2019 07:01 Print

Darf man heute noch Haustiere halten?

Hamster im Laufrad und Reptilien unter der Wärmelampe: Tierrechtler stellen die Haltung von Haustieren grundsätzlich infrage. Haustierbesitzer schütteln den Kopf.

Passanten erzählen, wie sie zu Haustieren stehen. (Video: bz/sri)
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Weltweit gehen Menschen auf die Strasse, um gegen Pelzfarmen, Tierversuche, Raubtiernummern im Zirkus oder den Klimawandel zu demonstrieren. In diesem Umfeld wird auch die Haltung von Haustieren zunehmend hinterfragt.

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«In einer idealen Welt leben Mensch und Tier nebeneinander und nicht miteinander», sagt etwa Harald Ullmann von der Tierschutzorganisation Peta Schweiz. Es gebe zwar viele Menschen, die zu ihren Haustieren wie Hunden und Katzen gut seien. «Da wir leider aber auch immer wieder von Misshandlungen hören, wäre es besser, wenn der Mensch gar keine Haustiere mehr halten würde.»

Haustiere stünden in der Abhängigkeit ihres Besitzers und seien ihnen deshalb vollständig ausgeliefert, so Ullmann. «Tiere werden nur zur Belustigung des Besitzer gehalten.» Deutlich zeige sich dies bei solchen, die in Käfigen und Terrarien eingesperrt seien. «Gerade Schlangen, Mäuse, Vögel und Fische haben definitiv nichts in einem Haushalt verloren.»

Ist das Halten von Haustieren noch zeitgemäss?

«Gerade Kleintierhaltung in Käfigen ist Ausbeutung»

Auch Renato Werndli, Tierschützer und Arzt aus St. Gallen, sagt: «Tiere nur zu unserer Unterhaltung zu halten, ist falsch und nicht mehr zeitgemäss.» Er ist der Meinung, dass keine Tiere mehr für rein menschliche Zwecke gezüchtet und ihrer Freiheit beraubt werden sollten, um sie später auszunutzen. «Gerade Kleintierhaltung in Käfigen ist Ausbeutung», so der Mediziner, der selbst seit Jahren vegan lebt.

Ähnlich empfindet Tobias Sennhauser von Tier im Fokus: «Die meisten Käfige für Kleintiere sind zu klein und ignorieren ihr Bedürfnis, sich zurückzuziehen.» Vögel etwa gehörten in die Weiten des Himmels, nicht in den Käfig. Generell verbieten würde er die Haustierhaltung jedoch nicht: «Tiere können durchaus in menschlicher Obhut leben. Die Frage ist immer, ob man sie mit Respekt behandelt und wie weit man auf ihre Bedürfnisse eingehen kann.»

«Haltung sollte artgerecht sein»

Markus Wild, Professor für Philosophie an der Universität Basel, geht das zu weit. Er findet die Haustierhaltung vertretbar, solange sie artgerecht sei: «Tiere geben uns sehr viel.» Er bemängelt aber, dass in der Schweiz zu wenig kontrolliert werde: «Haustiere werden als Eigentum behandelt und man benötigt keinen Sachkundenachweis für ihre Haltung. Das ist sicherlich problematisch.» Zwar habe man das bei Hunden zum Teil eingeführt, bei anderen Tieren sei das aber auch nötig.

Hunde sind laut Wild wegen ihrer Bindung an den Menschen eher als Haustier geeignet als andere Tiere wie etwa Fische: «Die gehören nicht in ein Aquarium, maximal in ein Naturgewässer wie einen Teich oder Weiher. Eine artgerechte Haltung bei Vögeln ist meines Erachtens schwierig», erklärt er weiter.

«Kunden sind besorgter als früher»

Bei Haustierhaltern scheint derweil ein Umdenken stattzufinden. Kunden, die sich für Nager und Vögel interessierten, seien besorgter als früher, stellt Daniela Schaad, Mitarbeiterin des Zoofachgeschäfts Zoo Thun, fest. «Oft wollen sie doppelt oder dreifach so grosse Käfige und Terrarien als der Standard», sagt Schaad. Auch informierten sie sich detaillierter über den Aufwand. «Die Kunden wollen sichergehen, dass sie genügend Zeit für die Betreuung des Tiers haben und wollen auch gut ausgerüstet sein.»

Wer in Nagern oder Vögeln «Gefangene» sieht, denkt laut Schaad zu weit. «Unsere verkauften Nager und Vögel sind ausschliesslich Nachzuchten seit vielen Generationen, die mit einem Leben in der Wildnis nicht zurecht kämen.» Ihre Bemühungen gingen dahin, dass die Tiere in möglichst «naturnahen» Gehegen gehalten würden.

«Dort werden sie von Wildtieren gejagt»

Cyrille Nudin (20)(siehe Video)* hatte früher Kaninchen in einem Freilaufgehege. «Sie hatten es recht gut. Sie bekamen immer Futter, und es wurde wöchentlich gemistet.» Ob sie es in der freien Natur schöner gehabt hätten, sei nicht klar. «Dort werden sie eher von Wildtieren gejagt als bei mir zu Hause, wo sie sicher waren.»

Zikica Micic (20) hat einen Chihuahua. Ihrem Hund gehe es gut. Sie und ihre Familie schauten, dass er rauskomme und genug zu Fressen und zu Trinken bekomme, sagt die Lernende. «Ich bin froh, dass ich ihn habe. Er ist schon seit Jahren ein guter Freund für mich. Ich behalte ihn gern und schaue weiterhin gut zu ihm.»

*Joël Criblez wurde im Video versehentlich als 29-jährig bezeichnet. Sein korrektes Alter ist 20.

(sis/bz)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniel S am 03.05.2019 05:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Political Correctness

    Darf man heutzutage überhaupt noch etwas, ohne dass irgend jemand beleidigt ist?

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  • Jackbart am 03.05.2019 05:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nächstes Leben als Katze

    Ich möchte gerne im nächsten Leben als Katze auf die Welt kommen und bei einer Familie wie meiner leben!

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  • Pegasus77 am 03.05.2019 06:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oh meine Pflanzen im Garten...

    ...erzählen mir Geschichten. Letztens hatte ich ein anregendes Gespräch mit der Palme im Garten, sie hat sich beklagt, dass dies hier so garnicht ihr Klima sei.. mein Baumwoll-Shirt hat gejammert, dass er als Kleinkind seinen Eltern entrissen wurde und es daher Probleme mit der Selbstfindung hat... ja und mein Polyester Hightech Sport-Shirt hat mir geklagt, das es nicht in Ordnung sei die Vorfahren (Erdöl) in der Ruhe zu störren nur um unsere Bedürfnisse zu befriedigen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • S.Box am 07.05.2019 11:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hunde o. Katzen

    Ich finde die einzigen Haustiere die man Artgerecht und den Menschen nahe, sind Hunde und Katzen! Alles andere geht im Haushalt gar nicht!

  • van de weed am 07.05.2019 07:52 Report Diesen Beitrag melden

    es ist nicht zu fassen....

    einige debattieren über die Recht von Haustieren und in armen Ländern verhungern die Menschen......was für eine Welt leben wir den mittlerweile ..??

  • Italogirl am 05.05.2019 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    30 Schlangen in der Wohnung

    Ich hatte mal n Kumpel mit über 30 Schlangen im Keller, 200 Nager als Futter, n Kaninchen und Raben. All dies in einer 2-3 Zimmerwohnung. Ich war oft zu Besuch, aber er war echt ne Sau und lebte sehr unhygienisch. Als die eine Schlange dann junge bekam und litt unter der Geburt, habe ich den Tierschutz kontaktiert und ihn angezeigt. Es stank fürcherlich und er hat sich in keiner Weise drum gekümmert, meine Bedenken belächelt. Ich hab ihn danach nie wieder gesehen.

  • Hundebesitzer am 04.05.2019 19:55 Report Diesen Beitrag melden

    Hahahahaaaa

    genau lassen wir doch nun einmal alle hunde etwa ein halbes jahr lang frei und schauen dann wieviele leute nun alle hinde zum abschuss freigeben würden, weil sie mülltonnen durchwühlen, in gärten rumstreunen und durch die nacht kleffen. Von den unzähligen beissvorfällen nun mal abgeschwiegen. Dazu kommt die vermischung mit wölfen, sogenannten hybriden. Welche dann keine scheuh gegenüber dem menschen zeigen. Usw... Ich bin selbst hundehalter. Wann spricht mal jemand von den erzogenen sowie zur arbeit benötigten haustiere???? Das problem heisst wohl eher fortschritt...!!!

  • Monello am 04.05.2019 16:21 Report Diesen Beitrag melden

    Der Mensch ist einen Predator

    Egal was einige denken, der Mensch ist ein aggressives und intelligentes Heterotrofes Lebewesen welches sich als Energie Quellen Autotrofe ( Pflanzen) aber vorallem andere Heterotrofe ( Tiere) aussuchen um zu überleben. Wir sind und bleiben Predatoren, weil die Natur es so bestimmt hat! Die technische Evolution wird das nicht ändern. Die Menschliche Evolution ist und bleibt fremdbestimmt. Ihrgendwo da draussen, vieleicht in userer Galaxie, gibt es uns überlegene Wesen , auch Predatoren, ansonsten würden sie uns als Energie Quelle nicht aufsuchen...

    • Romeo am 04.05.2019 19:33 Report Diesen Beitrag melden

      @ Monello

      Es gibt schon uns überlegene heterotrofe Wesen auf der Erde, aber nur wenn einer von uns ihnen unbewaffnet gegenübersteht, z.B ein einzelner Tiger oder einen Schwarm Wespen. Grundsätzlich stimme ich deiner These zu.

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