BDP-Vorstoss

11. März 2016 16:32; Akt: 11.03.2016 17:01 Print

«Heilung» von Schwulen soll verboten werden

von J. Büchi - Dubiose Therapeuten versprechen auch in der Schweiz, Homosexualität zu kurieren. Nun soll der Bundesrat betroffene Jugendliche schützen.

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Laut Schwulenverbänden gibt es vor allem im religiösen Umfeld Bestrebungen, Homosexuelle umzupolen. (Bild: Keystone/AP/Matt Slocum)

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«Als mir zugetragen wurde, dass es noch solche Therapien gibt, habe ich Hühnerhaut bekommen», sagt BDP-Fraktionschefin Rosmarie Quadranti. «Ich dachte: Das darf in der Schweiz im 21. Jahrhundert doch nicht wahr sein.» Die Rede ist von Heilern, die Homosexuelle von ihrer «Andersartigkeit» kurieren wollen.

In einem politischen Vorstoss verlangt Quadranti ein Verbot solcher Therapien bei Minderjährigen. Wenn ein erwachsener Mensch sich einer Behandlung unterziehen wolle, sei das seine Sache. Aber Jugendliche, die eventuell von den Eltern oder Drittpersonen unter Druck gesetzt würden, müssten geschützt werden. «Für die Betroffenen sind die Therapien mit unendlichem Leid verbunden», so Quadranti. Die Suizidrate sei bei schwulen und lesbischen Jugendlichen ohnehin erhöht. «Wir dürfen es nicht verantworten, dass selbsternannte Heiler Teenager in der Pubertät in den Selbstmord treiben.»

«Psychologische Vergewaltigung»

Stephan Bischof, Vorstandsmitglied beim Schweizer Dachverband der Schwulen Pink Cross, kennt mehrere Fälle von Betroffenen. Viele seien 13 oder 14 Jahre alt, wenn sie von den Eltern in die Therapie geschickt würden. Praktisch alle stammten aus dem religiösen Umfeld. «Die meisten bewegen sich in fundamental-evangelischen oder evangelikalen Kreisen. Ich kenne aber auch zwei Fälle aus dem katholischen Milieu.» Dort würden die Namen von Heilern, welche sich auf den «Umgang mit homosexuellen Gefühlen» spezialisiert haben, unter der Hand weitergegeben.

«Was mich selber sehr überrascht hat, ist, dass es sich nicht nur um selbsternannte Therapeuten handelt, sondern teilweise auch um Psychologen mit staatlichem Diplom», so Bischof. «Es ist pervers, was diese Leute mit schutzbedürftigen Teenagern machen.» Den Betroffenen werde gesagt, sie müssten nur genug Willensstärke an den Tag legen – «dabei ist ja wissenschaftlich bewiesen, dass Homosexualität nichts ist, was man sich aussucht». In den USA würden gar Elektroschock-Therapien angewandt, solche Fälle seien in der Schweiz glücklicherweise nicht bekannt.

Neues Gesetz nötig?

Wer im Internet nach «Heilung Homosexualität» in der Schweiz sucht, wird schnell fündig. Eine Organisation wendet sich etwa direkt an Menschen, «die sich eine Veränderung ihrer gleichgeschlechtlichen Orientierung wünschen». Auf der Website heisst es: «Heute gibt die Schwulenbewegung (...) das Denkverbot: lebe es aus, ein anderer Weg ist nicht denkbar. Wer anders denkt, wird mundtot gemacht. Bei mir sollen SIE erspüren, was ihr innerer Konflikt ist und wie Sie damit umgehen wollen.»

In ihrem Vorstoss will Rosmarie Quadranti vom Bundesrat wissen, ob Therapien gegen Homosexualität heute bereits strafbar sind – ob etwa der Straftatbestand der Nötigung erfüllt ist. «Wenn nicht, dann muss geprüft werden, ob gesetzliche Anpassungen nötig sind.»

ICF sieht kein Problem

Für Nicolas Legler, Sprecher der Freikirche ICF, ist diese Diskussion «bedenklich»: «Jeder Mensch soll selber entscheiden, welche Therapien er für sich in Anspruch nehmen möchte.» Es sei eine krasse Bevormundung, wenn die Politik diktiere, welche Behandlungen «genehm sind». Legler kennt mehrere ICF-Besucher, die eine solche Therapie besucht haben. «Ich gehe davon aus, dass sie das aus freien Stücken gemacht haben – ICF übt jedenfalls keinerlei Druck aus.»

Die wissenschaftliche Darstellung, dass Homosexualität angeboren sei, sei nicht unbestritten: «Es gibt durchaus
Betroffene, die von einer erfolgreichen Behandlung berichteten.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mann am 11.03.2016 16:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mein Gott

    Lasst doch die Schwulen schwul, die Lesben lesbisch sein. Ich bin hetero und stehe auch auf Sexpraktiken die nicht alltäglich sind. Und jetzt? Solange niemand zu etwas gezwungen wird und alle im legal geht es niemand etwas an!

  • Holzfisch am 11.03.2016 17:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht "heilbar"

    «Es gibt durchaus Betroffene, die von einer erfolgreichen Behandlung berichteten.» jo und mit 45 können sie sich nicht mehr selbst unterdrücken und verlassen dann ihre kinderreiche Familie oder begehen Suizid.

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  • Daniel am 11.03.2016 17:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dringend

    Es muss dringend etwas gegen diese körperliche und geistige Gewalt an homosexuellen Minderheiten gemacht werden! Wer sich das als Erwachsener antun will, na ja... Aber Jugendliche müssen vor religiösen oder sonstigen Fundamentalen geschützt werden! Hier werden Menschenrechte und -würse verletzt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Andrea Mordasini am 11.03.2016 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Homosexualität ist keine Krankheit!

    Tragisch, dass es immer noch Menschen und Institutionen (Freikirchen zum Beispiel) gibt, die Homosexualität nach wue vor als Krankheit betrachten, die es zu therapieren und zu heilen gilt, da abnormal, schlimm, schlecht, falsch, verkehrt :(. Doch falsch und unnormal sind nicht die Schwulen und Lesben, sondern die Heteros, die die Homos als krank betrachten! Egal ob hetero, bi oder homo: JEDER Mensch ist ok und hat eine Existenzberechtigung, ohne sich für seine sexuelle Neigung schämen und kritisieren lassen zu müssen. Bitte etwas mehr Toleranz, Respekt und Leben und leben lassen, danke :)!

  • Tinu am 11.03.2016 19:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum nicht?

    Wer sich heilen lassen will, soll es doch versuchen! Es gibt genug 'anders gepolte' die sich ein normales Leben wünschen!

  • JackMac am 11.03.2016 19:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tiefstes Mittelalter

    Es gibt ja den Exorzismus bei den Katholiken auch noch! Beides völliger Schwachsinn und aus dem Mittelalter!

  • Seppl am 11.03.2016 18:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das darf doch nicht wahr sein

    Erst will man das Männer Frauen dazu zwingen können abzutreiben und jez fordert man das Homosexuelle nicht mehr behandelt werden dürfen wenn sie krank sind! In was für einer Welt leben wir eigentlich?!

  • Jooo am 11.03.2016 18:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nachfrage macht das Angebot

    Es währe besser, wenn man mehr dafür kämpfen würde, dass schwule akzeptiert werden. Wenn die ganze Bevölkerung schwule akzeptiert muss man auch kein Verbot aussprechen da diese Kliniken dann keinen Profit machen. Ansonsten wird man verstekte kliniken machen