Wütende Mediziner

07. November 2018 14:20; Akt: 07.11.2018 14:38 Print

«Herr Berset, hören Sie auf mit dem Ärzte-Bashing!»

In einer Inseratekampagne greift die Zürcher Ärztegesellschaft Bundesrat Berset an. Er wolle mit falschen Zahlen die Ärztelöhne drücken.

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Eine Studie des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) sorgte kürzlich für Aufsehen: Ärzte verdienen laut dieser viel mehr als bisher angenommen, das mittlere Einkommen liege bei 257'000 Franken im Jahr. 118 Ärzte in der Schweiz würden gar mehr als eine Million Franken verdienen. Bisher war man anhand von BFS-Zahlen davon ausgegangen, dass ein selbstständiger Arzt im Schnitt 154'414 Franken verdient.

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Verdienen Ärzte zu viel?

Gegen diese Studie laufen die Ärzte nun Sturm. «Herr Bundesrat, hören Sie auf mit dem Ärzte-Bashing», schreibt die Ärztegesellschaft des Kantons Zürich in einem Inserat, das am Dienstag in mehreren Schweizer Tageszeitungen erschienen ist. Mit falschen Zahlen betreibe Bersets Bundesamt Fehlinformation und wiegle das Volk gegen die Ärzte auf. Die Studie sei tendenziös, irreführend und basiere auf veralteten Daten.

Auch die FMH kritisiert die BAG-Studie

Bersets Absicht sei, die Einkünfte der Ärzte aus der Grundversicherung zu senken. «Wir werden es uns nicht länger gefallen lassen, dass Sie uns verleumden und die Ärzte in der Bevölkerung diffarmieren. Kümmern Sie sich um das, wofür Sie als Gesundheitsminister zuständig sind: Die Aufrechterhaltung der guten Gesundheitsversorgung in der Schweiz!», heisst es im Inserat.

Auch die Schweizer Ärzteorganisation FMH kritisiert nun, nachdem man sich mit der BAG-Erhebung vertieft befasst habe, in einer Mitteilung die Studie: «Die Einkommensstudie des BAG weist gegenüber der Erhebung des BFS erhebliche Mängel auf, die in der Medienmitteilung des BAG nicht dargestellt werden.»

«BFS-Zahlen widerspiegeln Ärzteeinkommen besser»

Die Daten der BAG-Studie stammten aus den Jahren 2009 bis 2014, seien also vor der ersten von zwei Tarifreduktionen des Bundesrats beim Tarmed-Tarif erhoben worden. Sie seien deshalb wenig aussagekräftig in Bezug auf die heute real existierenden Ärzteeinkommen. Die BFS-Studie hingegen basiere auf Daten von 2015, also dem ersten Jahr nach dem ersten Tarifeingriff. «Sie widerspiegeln demnach die heute real existierenden Ärzteeinkommen wesentlich besser.»

Das BAG kontert, es handle sich keineswegs um eine Kampagne. Sprecherin Kathrin Holenstein: «Das BAG hat schon vor einiger Zeit kommuniziert, eine solche Studie durchzuführen. Im Vergleich zur BFS-Analyse hat unsere Studie eine breitere Datenbasis und berücksichtigt die zunehmende Teilzeitarbeit. Zudem wurden erstmals auch Spitalärzte einbezogen.» Die Abdeckung sei mit rund 90% der Ärzte hoch. Man stütze sich auf Zahlen von 2014, weil die AHV-Daten erst verzögert zur Verfügung stehen würden.

Den grossen Unterschied erklärt Holenstein so: «Die beiden Analysen untersuchen je andere Dinge.» Das BFS habe die Versorgungsstruktur im ambulanten Bereich untersucht, etwa die regionale Verteilung von Praxen, die Praxisstruktur oder den Umsatz der Unternehmen. Die Daten beruhen auf der Selbstdeklaration der Unternehmen. «Vertieft analysiert wurden dann Einzelunternehmen und deren Umsätze», so Holenstein. Die Zahlen seien zudem nicht auf Vollzeitäquivalente umgerechnet worden.

(the)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Frau Meier am 07.11.2018 14:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hausarzt

    Das Problem ist vor allem, dass ein Normalo-Hausarzt für seinen Job eher wenig verdient und einige Star-Götter in Weiss den grossen Zapfen mit heim nehmen, gerade Chirurgen. Mein Hausarzt zb ist völlig ausgebucht auf Wochen hinaus und er hat mir mal gesagt, dass Hausärzte zwar nicht schlecht verdienen, es aber sehr viel Einsatz braucht, während man woanders mehr Geld für weniger Stress verdient.

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  • Madlen am 07.11.2018 14:54 Report Diesen Beitrag melden

    Fertig Abzocke

    Auf gar keinen Fall aufhören ! Basta. Nicht alle Ärzte gehören zum Abzockerverein, aber die, die dabei sind wissen es ganz genau und schreien nun am lautesten...

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  • Chris am 07.11.2018 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    Wo's raucht ist auch ein Feuer ...

    Liebe Ärzte, selbst wenn die Daten der BFS-Studie auf Daten von 2015 basieren ist sie dennoch glaubhaft. Niemand will Ihnen einen anständigen Lohn streitig machen. Wenn man als Akademiker 154'414 Franken verdient ist das sicher in Ordnung. Als Ingenieur muss man sich schon gewaltig anstrengen um in diese Region zu kommen. Was absolut nicht geht und bekämpft werden muss, sind die Gehälter deutlich oberhalb dieses Durchschnitts. Daher begrüsse ich die Anstrengungen von Bundesrat Berset. Sein Anliegen muss durchgesetzt werden!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Zuviele Ärzte mit zu hohen Löhnen am 08.11.2018 14:50 Report Diesen Beitrag melden

    Gesundheitswesen von Politik geschützt

    Verantwortung der Ärzte von wegen. Es gibt keine Kontrolle, es kann gepfuscht werden und niemand kann dies belegen. Verstehe auch nicht wiso Ärzte die höchsten Löhne aller Berufgattungen haben sollten. Das BAG sollte endlich hier regulativ eingreiffen anstelle mit den Ärzten gemeinsame Sache zu machen.

  • Kardi am 08.11.2018 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    Medi-DJ's

    Ja - das denke ich auch - die meisten verdienen zuviel oder viel zuviel! Dazu sind halt auch die Medi's sackteuer. Musste kürzlich notfallmässig zum Arzt wegen einer Gürtelrose. Wartezeit im Wartezimmer: 1/2 Std Wartezeit im Behandlungsraum: 1/2 Std Konsultation Arzt: 10 Min Rechnung: 730.- (300.- Arzt , 350.- Medi's, Labor 80.-) =1800 CHF/Std

  • Lösungsfinderin am 08.11.2018 14:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lösung

    An all die, die gegen die hohen Ärztelöhne sind: geht doch einfach weniger zum Arzt wegen jeder Kleinigkeit (Schupfen, Mückenstich, etc) und verlangt nicht bei jedem Piecks im Knie ein MRI und dann verdienen die Ärzte schon weniger an euch! Dann haben sie auch Zeit sich um die wirklich kritischen Fälle zu kümmern!

    • Franz K. am 08.11.2018 15:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lösungsfinderin

      Wenn das so einfach wäre. Als Antwort darauf würden die Ärztelöhne noch kräftiger steigen.

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  • Airwick am 08.11.2018 14:23 Report Diesen Beitrag melden

    Es stinkt irgendwie

    Tja sieht nach Panikreaktion aus .. in der Regel verhalten sich Schuldige so , nicht diejenigen die etwas zu befürchten hätten. Gebe zu , mich mit dieser Thematik nicht grossartig auseinander gesetzt zu haben. Dennoch stinkt wieder mal was gewaltig , frage ist nur , was genau.

  • Timber am 08.11.2018 14:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Böshaftigkeit

    Ist doch super wenn Die Ärzte gut verdienen. Wir sind so was von missgünstig geworden. Vielen Dank der Transparenz. Wer würde nein sagen wenn er ein super Angebot bekommt. Dieses aufwiegeln der Gesellschaft ist langfristig unser Untergang.

    • F.K. am 08.11.2018 15:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Timber

      Die Ärzte sollen ihren Verdienst öffentlich machen. Jedes Jahr aufgegliederte Kosten, Verwaltung, Arzt, Pflegepersonal usw. und Fälle aufgliedern. Wie viel für OP, wie viel für Notaufnahmen usw.

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