Oberwil-Lieli

22. Februar 2017 20:28; Akt: 22.02.2017 20:51 Print

«Herr Glarner hiess uns herzlich willkommen»

von Laly Zanchi - Auch in Oberwil-Lieli leben nun Flüchtlinge. 20 Minuten hat die syrische Familie besucht. Sie lobt die Schweiz in den höchsten Tönen.

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Am vergangenen Freitag zog die erste syrische Flüchtlingsfamilie ins Aargauer Oberwil-Lieli. Das Dorf von Gemeindeammann und SVP-Nationalrat Andreas Glarner hatte sich zuvor geweigert, Flüchtlinge aufzunehmen. Die vierköpfige Familie – die Töchter sind 11- und 15-jährig – ist christlichen Glaubens. Sie lebt seit drei Jahren in der Schweiz. 20 Minuten hat die Familie zu Hause besucht. Die Wohnung ist dank Spenden der Einwohner komplett möbliert. Familienvater Said S.* sitzt in Jeans und Karohemd im Wohnzimmer, daneben seine Frau Leila*. Er sagt in gebrochenem Deutsch: «Wir wurden in Oberwil-Lieli herzlich empfangen. Auf der Gemeinde waren alle hilfsbereit und freundlich.» Auch SVP-Asylhardliner Glarner machte der Familie bereits seine Aufwartung: «Herr Glarner hat uns besucht und gesagt, dass wir hier herzlich willkommen sind.» Zur Asylpolitik des Dorfes will er sich nicht äussern. Überhaupt hätten sie die Schweizer seit ihrer Ankunft als sehr freundlich erlebt. In Syrien lebte die Familie S. in einem Ort nahe der Hauptstadt Damaskus. Sie hätte dort nach Kriegsausbruch drei Jahre lang ausgeharrt. «Es war wirklich schlimm, ständig explodierten Autobomben und Raketen. Wir haben wegen des Krieges viele Freunde verloren», sagt Said. Symbolbild: Zerstörung nach Anschlag in Sayyida Zeinab, 10 km südlich von Damaskus, am 2. Februar 2016. Seine beiden Töchter seien dem Tod nur knapp entronnen. «Eine Rakete traf den Bus, der zur Schule meiner Kinder fuhr», sagt Said. Gattin Leila S. fügt an: «Der Busfahrer, eine Lehrerin und sieben Kinder starben dabei. Es war wirklich furchtbar.» Symbolbild: Zerstörung nach Anschlag in Damaskus am 29. April 2013. Als vorläufig Aufgenommene bemühe sich die Familie um ihre Integration in die Schweiz, sagt Said S. «Wir leben jetzt hier und dazu gehört auch, dass wir die lokale Kultur akzeptieren.» Er konnte durch seine Mitgliedschaft im Fischereiverein schon viele Kontakte mit Schweizern knüpfen: «Wir gehen oft zusammen Raclette und Fondue essen, ich finde es lecker!» Da Said S. in der Schweiz keine Stelle in seinem Beruf als Goldschmied fand, liess er sich zum Pflegehelfer ausbilden. «Die Schweiz ist wirklich grosszügig. Wir konnten Deutschkurse besuchen und ich konnte eine neue Ausbildung machen, dafür bin ich dankbar.» Die beiden Töchter von Familie S.hätten sich gut eingelebt. «Sie haben schnell Deutsch gelernt und schlagen sich gut im Unterricht», sagt Said stolz. Leila S. sagt strahlend: «Sie haben auch schnell Freunde gefunden, eine Kollegin meiner Tochter hat ihr sogar ein Bild gemalt.» (Bild: Anschlagbrett im Wohnzimmer der Familie S.)

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Am vergangenen Freitag zog die erste syrische Flüchtlingsfamilie ins Aargauer Oberwil-Lieli. Das Dorf von Gemeindeammann und SVP-Nationalrat Andreas Glarner hatte sich zuvor geweigert, Flüchtlinge aufzunehmen – und dafür gar Ausgleichszahlungen von mehreren 100’000 Franken in Kauf genommen.

Die vierköpfige Familie – die Töchter sind 11- und 15-jährig – ist christlichen Glaubens. Sie lebt seit drei Jahren in der Schweiz. 20 Minuten hat die Familie zu Hause besucht. Die Wohnung ist dank Spenden der Einwohner komplett möbliert, an einem grossen Brett hängen Kinderzeichnungen. Familienvater Said S.* (47) sitzt in Jeans und Karohemd im Wohnzimmer, daneben seine Frau Leila* (42). Er sagt in gebrochenem Deutsch: «Wir wurden in Oberwil-Lieli herzlich empfangen. Auf der Gemeinde waren alle hilfsbereit und freundlich.»

Besuch von Glarner

Auch SVP-Asylhardliner Glarner machte der Familie bereits seine Aufwartung: «Herr Glarner hat uns besucht und gesagt, dass wir hier herzlich willkommen sind.» Zur Asylpolitik des Dorfes will er sich nicht äussern. Überhaupt hätten sie die Schweizer seit ihrer Ankunft als sehr freundlich erlebt. Trotzdem überkomme sie manchmal das Heimweh. «Natürlich vermissen wir Syrien auch, ich denke jeder Mensch vermisst seine Heimat.»

In Syrien lebte die Familie S. in einem Ort nahe der Hauptstadt Damaskus. Sie hätten dort nach Kriegsausbruch drei Jahre lang ausgeharrt. «Es war wirklich schlimm, ständig explodierten Autobomben und Raketen. Wir haben wegen des Krieges viele Freunde verloren», sagt Said. Die Familie habe sich sechs Monate lang nur im Wohnzimmer ihrer Wohnung aufgehalten.

«Die Küche und die Schlafzimmer waren auf die Strasse gerichtet, da hätte jederzeit eine Rakete hineinfliegen können.» Seine beiden Töchter seien dem Tod nur knapp entronnen. «Eine Rakete traf den Bus, der zur Schule meiner Kinder fuhr», sagt Said. Gattin Leila S. fügt an: «Der Busfahrer, eine Lehrerin und sieben Kinder starben dabei. Es war wirklich furchtbar. Unsere Töchter haben schlimme Erinnerungen an diese Zeit.»

«Die Schweiz ist sehr grosszügig»

Als vorläufig Aufgenommene bemühe sich die Familie um ihre Integration in die Schweiz, sagt Said S. «Wir leben jetzt hier und dazu gehört auch, dass wir die lokale Kultur akzeptieren.» Er konnte durch seine Mitgliedschaft im Fischereiverein schon viele Kontakte mit Schweizern knüpfen: «Wir gehen oft zusammen Raclette und Fondue essen, ich finde es lecker!»

Said hatte in seiner Heimat als Goldschmied gearbeitet. Da er in der Schweiz keine Stelle in diesem Bereich fand, liess er sich zum Pflegehelfer ausbilden. «Die Schweiz ist wirklich grosszügig. Wir konnten Deutschkurse besuchen und ich konnte eine neue Ausbildung machen, dafür bin ich dankbar.» Er hofft, bald eine Stelle zu finden, er habe sogar schon ein erstes
Bewerbungsgespräch. Seine Frau Leila möchte vorerst noch nicht arbeiten: «Die Kinder sind zwar nicht mehr so klein, aber da wir schon wieder an einen neuen Ort gezogen sind, brauchen sie etwas Unterstützung.»

Die beiden Töchter von Familie S. hätten sich aber gut eingelebt. «Sie haben schnell Deutsch gelernt und schlagen sich gut im Unterricht», sagt Said stolz. Leila S. sagt strahlend: «Sie haben auch schnell Freunde gefunden, eine Kollegin meiner Tochter hat ihr sogar ein Bild gemalt.»

* Name geändert