Prügel-Statistik

23. November 2017 06:00; Akt: 23.11.2017 07:07 Print

«Heute gehen Frauen wirklich aufeinander los»

Frauen treten und schlagen immer häufiger. Darunter leiden Polizisten. Bei prügelnden Frauen reagieren sie gehemmt.

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Immer öfter sind Polizisten mit Gewalt und Drohungen von Frauen konfrontiert. Das zeigt die Statistik der letzten acht Jahre, auf der eine deutliche Zunahme der Verurteilungen zu verzeichnen ist. Viel höher ist die Zahl der polizeilich Beschuldigten - darunter befinden sich mit grosser Sicherheit auch jene Personen, die per Strafbefehl verurteilt wurden. Der zahlenmässig grosse Unterschied zwischen Beschuldigten und Verurteilten lässt sich damit erklären, dass wohl ein Teil zu Unrecht beschuldigt wurde, ein grosser Teil der Beschuldigten aber per Strafbefehl verurteilt wurde und darum nicht vor Gericht kam. Laut Stadtpolizei Zürich ist Gewalt von Frauen aber immer noch so selten, dass Beamte im ersten Moment gehemmt sind, wenn eine Frau gewalttätig wird. Das dauere aber nur einen Moment, sagt ein Polizist von der Front, dann gehe man gleich vor wie bei Männern. Doch nicht nur bezüglich Gewalt und Drohung gegen Beamte lässt sich eine Zunahme weiblicher Gewalt feststellen. Auch ein Blick auf der Anzahl polizeilich beschuldigter Frauen, denen eine Tätlichkeit vorgeworfen wird, hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Währenddessen ist die Anzahl Männer, denen eine Tätlichkeit vorgeworfen wird, gesunken. Zum Tatvorwurf Tätlichkeit gibt es schweizweit keine Zahlen zu Verurteilungen, weil diese nicht in allen Kantonen gleich erhoben werden. Eine Tendenz zur Zunahme lässt sich auch der Statistik zur einfachen Körperverletzung entnehmen: Bis auf einen Einbruch im Jahr 2015 zeigen die Zahlen stetig nach oben. Bei einer einfachen Körperverletzung wird schon ein rechtes Mass an Gewalt angewendet. Einfache Knochenbrüche, schwere Prellungen oder blutende Verletzungen können als einfache Körperverletzung gewertet werden. Frauen schlagen aber nicht nur häufiger zu, sie sind grundsätzlich deutlich krimineller geworden in den letzten Jahren. Das zeigt eine Auswertung aller Vergehen und Verbrechen nach Strafgesetzbuch, Betäubungsmittelgesetz, Strassenverkehrsgesetz, Militärstrafgesetz und Ausländergesetz. Auffallend ist hierbei, dass die jungen Frauen bis 29 mit Abstand am meisten Straftaten begehen. Und: Sie haben im Verlauf der Jahre im Vergleich zu den älteren Frauen auch mehr zugelegt. Auch wenn Frauen gegenüber Männern ein wenig aufgeholt haben, machen Straftaten von Männern immer noch den Grossteil der Vergehen und Verbrechen aus. So wurden 17,3% aller von Erwachsenen verübten Verbrechen und Vergehen von Frauen verübt. Der grosse Rest geht auf das Konto der Männer.

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Im November 2016 wurde die Polizei zu einer Bar in St. Gallen gerufen, weil eine 27-Jährige nach einer Schlägerei das Lokal nicht verlassen wollte. Darauf versuchte sie mehrfach die Polizisten zu treten, zu schlagen und zu beissen. Einer Freundin, die sie zurechtwies, verpasste sie eine Ohrfeige.

Die junge Frau ist kein Einzelfall. 2015 registrierte die Polizei 252 Frauen, die gegenüber Beamten tätlich geworden waren, wie der polizeilichen Kriminalstatistik des Bundesamts für Statistik zu entnehmen ist. 2016 waren es gar 281. Seit 2009 ist die Zahl der Frauen, die wegen solcher Straftaten beschuldigt werden, um 34 Prozent gestiegen.

Bei den Verurteilungen sieht die Situation ähnlich aus: Von 2009 bis 2016 nahm die Zahl der verurteilten Frauen von 145 auf 191 zu – insgesamt um 24 Prozent. Bei den Männern sind diese Zahlen auch gestiegen, aber nur um 4 Prozent. Darum ist mittlerweile jede achte Person, die wegen Gewalt gegen Beamte verurteilt wird, eine Frau.

Für Polizisten ein Unterschied, wenn es eine Frau ist

In der Stadt Zürich stellt man nicht die gleiche lineare Zunahme fest. «Die Zahlen der angezeigten Frauen wegen Gewalt gegen Polizistinnen und Polizisten der Stadtpolizei Zürich schwankten in den letzten Jahren stark. 2016 etwa hatten wir praktisch eine Verdoppelung der weiblichen Beschuldigten gegenüber 2015», sagt Sprecherin Judith Hödl. Laut Hödl gibt es Unterschiede zwischen der Gewalt von Frauen und Männern. «Typisch für Frauen ist etwa zu kratzen, zu beissen oder unsere Mitarbeitenden anzuspucken.»

Weil es viel seltener vorkomme, dass Frauen aggressiv seien oder Gewalt anwendeten, sei das auch für Polizisten eine eher ungewohnte Situation, so Hödl. Laut einem Polizisten von der Front ist man im ersten Moment etwas gehemmt. Aber nachher laufe alles genau so ab, wie wenn es ein Mann wäre. Auch bei der Anzeige werde selbstverständlich kein Unterschied gemacht.

Mehr Tätlichkeiten und mehr Körperverletzungen

Gewalt üben Frauen aber nicht nur gegen Beamte aus. Sie schlagen, stossen oder treten auch sonst immer öfter: Jede vierte Person, die polizeilich einer Tätlichkeit (siehe Box) beschuldigt wird, ist mittlerweile eine Frau.

Besonders alarmierend ist: Während die Anzahl der wegen Tätlichkeit polizeilich beschuldigten Frauen in den letzten acht Jahren um 10 Prozent zunahm, ging sie bei den Männern in derselben Zeit um 12,5 Prozent zurück.

Zahlen der einfachen Körperverletzung nehmen zu

Eine Tendenz ist auch feststellbar, dass Frauen immer öfter so fest zuschlagen, dass dabei Knochen brechen oder sonst so schwere Verletzungen entstehen, dass eine medizinische Behandlung notwendig ist. Juristisch bezeichnet man dies als einfache Körperverletzung (siehe Box).

Bei den Frauen gibt es bezüglich der für einfache Körperverletzung Verurteilten einen Einbruch im Jahr 2015, ansonsten zeigen auch diese Zahlen nach oben, während sie bei den Männern in den letzten Jahren zurückging – um über acht Prozent. Bei den Frauen hingegen sind es 2016 18 Prozent mehr als noch im Jahr 2009. Im Jahr 2016 wurde entsprechend rund jede achte Verurteilung wegen einfacher Körperverletzung gegen eine Frau ausgesprochen.

«Die Qualität ihrer Ausraster ist intensiver»

Gewaltberaterin Leena Hässig von der Berner Fachstelle Gewalt kann aus der Praxis eine Zunahme von Gewalt vor allem bei jungen Frauen bestätigen. «Die Qualität ihrer Ausraster ist intensiver als früher, heute gehen die Frauen zum Teil wirklich aufeinander los, wo sie früher mehr verbal gestritten oder gestossen haben.»

Laut Hässig stellen dies auch Betreuerinnen gewalttätiger Frauen in anderen Ländern fest. «Aus meiner Sicht sind das traumatisierte Frauen, die heute kaum mehr die Möglichkeit haben, ihr Erlebtes zu bewältigen und wieder einen angesehenen Status in der Gesellschaft zu erlangen», sagt Hässig.

Die Verturteilungen für Verbrechen und Vergehen hat deutlich zugenommen

Blickt man in die Statistik aller Verurteilungen von Frauen wegen Vergehen und Verbrechen im Rahmen verschiedenen Gesetzbücher, bestätigt auch diese, dass Frauen immer krimineller werden – auch wenn man deutlich weiter zurückgeht. Wurden 1996 noch 7909 erwachsene Frauen wegen Vergehen oder Verbrechen verurteilt, waren es 2016 bereits 17'194. Das ist eine Zunahme von rund 120 Prozent in den letzten 20 Jahren.

Zwar ist in dieser Zeit auch die Anzahl der Frauen, die in der Schweiz wohnen, stark gestiegen. Doch auch im Verhältnis zur weiblichen Bevölkerung haben die Verurteilungen deutlich zugenommen. Blickt man in die Aufteilung nach Altersgruppen, lässt sich feststellen, dass Frauen über alle Altersgruppen hinweg mehr Straftaten verüben.

Mehr junge Frauen sind kriminell

Deutlich zu sehen bei dieser Statistik ist aber, dass Frauen zwischen 18 und 29 am häufigsten verurteilt werden. Und: Der Abstand zwischen den ganz jungen und den Frauen ab 30 hat sich in den letzten Jahren vergrössert.

Juristin und Strafrechtsexpertin Joelle Vuille von der Uni Neuenburg erforscht unter anderem kriminelle Frauen. Für sie sagt die Statistik allein noch nicht viel aus, weil viele Faktoren sie beeinflussten. Und: In der Schweiz sei Frauenkriminalität noch kaum untersucht.

Emanzipation ist eine Erklärung

Eine mögliche Erklärung für die eindeutige Zunahme aller Straftaten sei aber die Emanzipation der Frauen. «Wenn man sich mehr ausser Haus aufhält, arbeitet, andere Menschen trifft und auf Reisen geht, gibt es auch mehr Gelegenheiten, eine Straftat zu begehen, als wenn man immer zu Hause eingesperrt ist.»

Vuille betont aber, dass die Kriminalität von Frauen auch heute noch nicht im Ansatz jener der Männer gleicht und Männer besonders bei Gewaltverbrechen die Frauen weit hinter sich lassen.

(ann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mani Motz am 23.11.2017 06:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht alles angezeigt

    Wenn wirklich jede Tätlichkeit von Frauen angezeigt würde, wäre die Rate noch viel höher. Während eine Ohrfeige von Mann zu Frau schnell und richtig als Gewalt ausgelegt wird, kommt es umgekehrt Recht häufig vor und wird verschwiegen.

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  • Sabai am 23.11.2017 06:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sache vom Charakter

    Ich glaube nicht, dass die Gewalt Geschlechter Spezifisch ist. Ist eine Frage vom Charakter, ob er oder sie zuschlägt.

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  • Mann am 23.11.2017 06:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Emanzipation

    tja und ich muss daran glauben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • qwertz am 23.11.2017 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    der letzte Absatz des Artikels

    ist ein Paradebeispiel an Relativierung und Ablenkung vom eigentlichen Thema, im Sinne von "Ja, Frauen auch, aber Männer sind viel schlimmer." Es ist die selbe Relativierung wie wenn man nach einem rechtsextremistischen Terroranschlag oder einem Amoklauf-Angriff sagt "aber islamistische Anschläge sind immer noch viel häufiger", das ist zwar zu 100% wahr, aber trotzdem eine Relativierung und Ablenkung vom eigentlichen Thema. Es gibt auch TäterINNEN, auch wenn es wesentlich mehr TätER gibt.

  • RF am 23.11.2017 13:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Streichen wir die jährliche Umverteilung

    Dass wir die Frauen wieder zur Vernunft und auf den Boden zurück bringen streichen wir doch die jährliche Umverteilung. Dank der Umverteilung erhalten die Frauen jedes Jahr über eine Vielzahl von Gesetzen und Kassen 15 bis 20 Milliarden Franken von den Männern. Das haben die SP Politikerinnen transparent gemacht, allerdings nicht freiwillig.

  • Severin M. am 23.11.2017 13:26 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Verbote = mehr Kriminelle

    Natürlich steigt die Kriminalität wenn immer mehr Kriminalisiert wird. Der Linke Staat fährt ja die "Null-Toleranz" Schiene... Dann muss man sich nicht wundern wenn es immer mehr Spannungen gibt... (Siehe z.B. USA). ... Von Polizisten muss man erwarten dass sie mit Gewalt klar kommen, aber im Gegenzug nicht unfair sein, wenn Sie mal ein wenig Rabiat durchgreifen...

  • Niky am 23.11.2017 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbstdarsteller

    Es ist sehr erstaunlich, wer hier Regie führt,wahscheinlich ist Sie am Essen machen... Die dislikes bestätigen alles!!!

  • RF am 23.11.2017 11:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist Gleichberechtigung

    Unter Gleichberechtigung verstehe ich: AHV-Alter 65/65; Gleiche Witwen- und Witwerrente; Gleiche Voraussetzungen bei Scheidung, Sorgerecht und Besuchsrecht; Gleiche Voraussetzungen beim Militärdienst, Zivilschutz und Militärpflichtersatz; Gleiche Voraussetzungen bei den Versicherungen; Gleiche Voraussetzungen beim GA Senioren; Warum sind die Krankenkassenprämien von Mann und Frau identisch? Eine Frau kostet im Schnitt pro Jahr ca. 1000 Franken mehr als ein Mann; Warum muss eine Mutter beim Vaterschaftstest die Einwilligung geben? Es gibt viele Kuckuckskinder; Es ist egal welcher Mann bezahlt!!