Jugendgewalt

16. März 2010 23:10; Akt: 16.03.2010 23:14 Print

«Heute sind die Strafen lächerlich»

von Nico Menzato - Der Fall der brutalen Schläger von München zeigt offenbar Wirkung: 103 Nationalräte fordern eine Verschärfung des Jugendstrafrechts.

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Der Wind im Bundeshaus scheint gedreht zu haben: Scheiterte die SVP in den letzten Jahren noch mit ähnlichen Vorstössen, haben nun 103 bürgerliche Nationalräte eine Motion von Hans Fehr (SVP) unterzeichnet, die das Jungendstrafrecht in vier Punkten massiv verschärfen will:
•  unbedingte Strafen bei schweren Verbrechen
•  Gefängnis für Jugendliche, die in einem Heim nicht kooperieren
•  eine massgebliche Erhöhung des maximalen Freiheitsentzugs von heute 4 Jahren
•  eine Beurteilung nach dem Erwachsenenstrafrecht bei schweren Taten.

«Heute sind die Strafen oft lächerlich, der Handlungsbedarf ist dringend, da es unter Jungen eine enorme kriminelle Energie gibt», so Fehr. Die Vorschläge seien zentrale Säulen, damit das Strafrecht greif.
Für Strafrechtsprofessor Daniel Jositsch (SP) gehen die Forderungen komplett in die falsche Richtung: «Der Sinn des Jungendstrafrechts ist zu verhindern, dass fehlgeleitete Jugendliche als Erwachsene erneut strafbar werden. Dazu braucht es neben harten Strafen aber Begleitmassnahmen.» Die sehr tiefe Rückfallquote im Vergleich zum Ausland zeige, dass das Schweizer Jugendstrafrecht ein Erfolg sei – dieser Erfolg sei aber in Gefahr. Jositsch: «Die Kriminalität wird steigen, wenn Jugendliche ohne Betreuung mit Schwerstkriminellen im Gefängnis sitzen.»