Schäden nach Unwetter

09. Juli 2017 15:55; Akt: 10.07.2017 14:14 Print

«Hier sieht es aus wie in einem Kriegsgebiet»

von Christian Holzer - Nach den heftigen Gewittern im Aargau räumen die Anwohner auf – und warten auf Hilfe. Die Feuerwehr ist noch tagelang beschäftigt.

Nach den Überschwemmungen beginnt in der Region Zofingen AG das Aufräumen. Die Anwohner haben ein solches Unwetter noch nie erlebt.
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In Zofingen AG hat am Sonntagmorgen das grosse Aufräumen begonnen. In jeder Strasse ist das Scharren von Besen zu hören – auch bei Claudine Buchmüller an der Eigerstrasse: «Auf dem Parkplatz stand das Wasser 15 Zentimeter hoch, dann floss es in die Waschküche.» Mit Hilfe der Nachbarn habe sie das Wasser und den Schlamm selber aus dem Haus gekriegt (siehe Video oben).

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Wie Buchmüller erzählen auch andere Anwohner von sintflutartigen Regenfällen. «So etwas habe ich noch nie gesehen. Es kam so viel Regen und Hagel vom Himmel, zeitweise hat man keine 30 Zentimeter weit gesehen», meint eine Frau. Die Strassen hätten Flüssen geglichen: «Meine Eltern, die nahe am Wald wohnen, hatten heute Morgen ein totes Reh im Garten.»

«Müssen Tage auf die Feuerwehr warten»

Heftige Gewitter haben am Samstag und in der Nacht auf Sonntag zu grossflächigen Überschwemmungen, Hangrutschen und Stromausfällen in der Region Zofingen geführt. Tiefgaragen und Unterführungen stehen zum Teil meterhoch unter Wasser. Die Strassen sind von Schlamm und Wasser verwüstet (siehe Videos unten).

Neben etlichen Feuerwehmännern sind Elektriker, Sanitäre und Heizungstechniker in der ganzen Stadt unterwegs. «Wir hoffen, unsere Heizung hat keinen Schaden genommen», sagt M. B., der in der Zofinger Altstadt wohnt. Die Feuerwehr habe den Keller heute Morgen leergepumpt. Andere Keller stehen noch immer unter Wasser: «Die Feuerwehr priorisiert schlimmere Fälle. Weil bei uns das Wasser nur einige Zentimeter hoch steht, müssen wir noch einige Tage warten», sagt eine andere Anwohnerin. Peter Siegrist, Inhaber der Zofinger Bar Key 69, war mit Gästen zwei Stunden lang eingeschlossen. Die Solidarität sei nun aber gross (siehe Video).

«Wie im Kriegsgebiet»

Uerkheim, gut 10 Autominuten von Zofingen entfernt, hat es besonders schlimm erwischt. Dort verwandelte sich der Dorfbach am Samstag zum reissenden Fluss. «Im Dorfzentrum sieht es aus wie in einem Kriegsgebiet», meint ein Feuerwehrmann.

Besonders schwer hat es etwa das Lebensmittelgeschäft von Elsbeth Byland getroffen. Es steht keine 10 Meter neben dem Bachbett – seit Samstagabend gleicht es einer Ruine: «Das Wasser kam urplötzlich angeschossen und hatte eine immense Wucht», sagt Byland. Es habe die Tür aufgebrochen und vermochte gar den 300 Kilo schweren Ladentresen umzuwerfen. «Ich konnte nichts mehr machen, ausser mich in Sicherheit zu bringen», so die Verkäuferin. Schliesslich stand das Wasser hüfthoch.

Überschwemmung in Uerkheim

Über 40 Jahre hat sie ihren Lebensmittelladen geführt – jetzt ist alles weg. Die ganze Familie ist gekommen, um bei den Aufräumarbeiten zu helfen, jedoch habe sie kaum noch etwas retten können: «Das Wasser hat alles zerstört. Wir haben bereits eine 40-Kubik-Mulde gefüllt. Eine weitere, kleinere Mulde haben wir auch bald voll», sagt Byland. Ob sie ihr Geschäft wieder eröffnen wird, weiss sie derzeit noch nicht: «Jetzt muss zuerst mal alles trocken werden.»

Polizeigebäude unter Wasser

Die Kantonspolizei Aargau schreibt, es seien über 600 Elementarereignisse gezählt worden. Über 350 Notrufe gingen ein. Die Autobahn A1 bei Zofingen musste zeitweise gesperrt werden. Die Polizei, der Zivilschutz und 25 Feuerwehren waren im Einsatz. Sogar Trinkwasser wurde verteilt.

Auch an der Polizei gehen die Unwetter nicht spurlos vorbei. Das Bezirksgebäude Zofingen, in dem die Staatsanwaltschaft, das Gericht, die Regional- und die Kantonspolizei untergebracht sind, steht ebenfalls unter Wasser und kann zum Teil nicht mehr betreten werden, wie die Polizei mitteilte.

In der ganzen Region waren am Sonntag etliche Strassenwischmaschinen unterwegs:

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Geni am 09.07.2017 16:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Video mit 12 sek Werbung

    Ein Unwetter für 12sek Werbung zu missbrauchen, finde ich fragwürdig

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  • Mythenmetz am 09.07.2017 16:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer nicht fragt bleibt ...

    Fährt nun ein E-Auto durchs Wasser, bekommen wir dann einen elektrischen Schlag?

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  • Frau Gulietta Gentilone (-Melone) am 09.07.2017 16:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ringier Verlag

    Morgen gibt s eine nasse Zeitung.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ralf Kreuzer am 10.07.2017 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    Spenden

    Wenn das im Wallis oder der Innerschweiz passiert wäre, könnten wir uns vor Spendenaufrufen kaum retten...

  • jc heusser am 10.07.2017 10:37 Report Diesen Beitrag melden

    Klinaerwärmung!

    Leider wird als Folge der stetigen "Klimaerwärmung" das Unwetterpotential weiter zu nehmen! Wohl oder übel muss sich der Mensch darauf "einstellen"!

    • Beat Meier am 10.07.2017 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @jc heuss

      Bloedsinn. Es gibt keine Klimaerwaermung. Das sind nur die neuen Ablassbriefe fuer die Eliten. Der Dumme soll bezahlen. Studiert Geschichte und bildet Euch damit ihr nicht auf sog. Klimaexperten hereinfaellt. Es ist wie im 15. 16. Jht. mit dem Ablasshandel des Vatikans. Heute sind es die Eliten die die Macht haben wie damals der Kirchenstaat.

    • Abspann am 10.07.2017 11:29 Report Diesen Beitrag melden

      @Beat Meier

      Komische Theorie, Geschichte studieren und sich bilden wäre wohl das letzte, was die mächtige Elite möchte. Und drum gibts ja fast auch keine Schulen und Bücher, es dürfen nur ganz wenige Lesen und Schreiben können.

    • Henä am 10.07.2017 14:16 Report Diesen Beitrag melden

      Ich bin dumm

      Ja Beat, ich staune dass Umweltbildung noch nicht bei allen angekommen ist. Es gibt viele Studiengänge in Umweltwissenschaft, versuch es einmal. Du wirst Staunen und Furcht erfahren.

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  • urschweizer am 10.07.2017 10:23 Report Diesen Beitrag melden

    Was für ein Titel ...

    Wer sagt, es sähe aus wie im Kriegsgebiet, soll sich mal einige Filme aus wirklichen Kriegsgebieten (gestern z.B. Mossul) vor Augen halten. Dann ist das gerade mal ein "laues Lüftchen". Journalismus zum vergessen ...

  • Werbejonny am 10.07.2017 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Sinnfreie Kriegsrhetorik

    Man merkt, dass die Autoren vom Newsexpress nach Klicks bezahlt werden. So wird mit reisserischen und sinnfreien Titeln Klicks provoziert. Ja, es stimmt, ich klicke drauf. Aber etwas sei den Werbetreibenden gesagt: Ich schau mir eure Werbung nicht an und auch der Artikel wird zuweilen ignoriert.

  • matt am 10.07.2017 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Landwirtschaft

    Weshalb haben wir solche Zustände, wohl auch wegen der Landwirtschaft, welche die Ackerböden extrem verdichtet... und somit kann das Wasser nicht mehr in die Böden versickern. Die meisten geben jetzt der Zuwanderung die Schuld... Aber ein beträchtlicher Teil dazu beigetragen haben auch die Bauern mit ihrer Landwirtschaft.

    • Peter Moser am 10.07.2017 09:35 Report Diesen Beitrag melden

      @matt

      Ackerböden die verdichtet sind will der Bauer selber nicht. Durch verdichtete Ackerböden hat der Bauer mindestens 20% weniger Ertrag...

    • Zisterndeuter am 10.07.2017 09:54 Report Diesen Beitrag melden

      Bauer

      Wenn der Bauer auf seinem verdichteten Acker verdichtet Häuser baut, dann übersteigt sein Mehrertrag mindestens 23, 45%.....

    • Fabian Lustenberger am 10.07.2017 10:17 Report Diesen Beitrag melden

      Zuwanderung tatsächlich mitschuldig

      Am wenigsten versickert Wasser in überbauten Gebieten z.B. auf Dächern oder auf Asphalt-Böden. Dort ist leider die Zuwanderung am meisten verantwortlich. Vor 50 Jahren hätten wir noch viel mehr Böden gehabt, die versicker-tauglich waren.

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