Bäuerin

29. Oktober 2018 21:01; Akt: 29.10.2018 21:01 Print

«Kuhhörner werden mit Gewalt zurechtgebogen»

Eine Bäuerin hält nichts von der Hornkuh-Initiative, denn die Hörner würden durch ein sogenanntes Joch geformt, dieses sei für die Tiere unangenehm.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Hornkuh-Initiative, über die wir am 25. November abstimmen, will, dass Bauern Geld erhalten, wenn sie ihre Kühe nicht enthornen. Die Enthornung sei für die Tiere schmerzhaft und sie würden noch lange nach den Prozedur unter dem Ausbrennen leiden. Bei 20 Minuten hat sich nun aber eine Bäuerin aus dem Kanton Freiburg gemeldet, die auf einen weiteren Aspekt hinweist. «Die schönen Hörner, die wir heutzutage bei den Kühe sehen, wachsen natürlicherweise nicht so schön nach oben. Sie werden gewaltsam mittels eines sogenannten Jochs in diese Position gedrängt. Das wird von den Befürwortern oft verschwiegen», sagt Andrea Brüllhardt.

Das Joch sei für das Tier wie eine Zahnspange, jeder Bauer würde es nach Gutdünken so stark anspannen, wie er es für richtig halte. «Ich bin keine Tierärztin, aber ich habe den Eindruck, dass die Tiere unter dem Joch leiden. Bei vielen betroffenen Tieren habe ich zum Beispiel beobachtet, dass sie das Joch loswerden wollen.» Im Vergleich dazu sei das Enthornen nicht unbedingt schlimmer. «Das findet ja unter Narkose statt, es schmerzt danach höchstens die Wundheilung.»

«Höllenqualen» beim Hornbruch

Viel schlimmer sei es, wenn ein einmal gewachsenes Horn abbreche, etwa bei einem Kampf oder einem Sturz der Kuh. «Das ist ein schrecklicher Anblick, es blutet extrem und das Tier durchleidet Höllenqualen.» Eine Enthornung sei darum vielleicht die bessere Variante, wenn es ums Tierwohl gehe.

Armin Capaul, Initiant der Hornkuh-Initiative, hat auch schon Joche verwendet, um Hörner seiner Kühe zu formen, momentan lasse er die Hörner aber einfach wachsen. Es gibt auch andere Methoden, um Hörner zu formen. «Bei den Walliser Eringerkühen schleifen die Bauern zum Beispiel einfach das Horn ein wenig ab, es wächst dann eher in dieser Richtung nach.»

Laut Initiant Capaul ist das Joch nicht schmerzhaft

Beide Methoden seien nicht schmerzhaft für das Tier. «Wir feilen uns ja auch die Fingernägel ab, das Horn ist aus einem ähnlichen Material. Schmerzhaft ist nur, wenn man bis zum Hornzapfen vorstösst, wo auch die Blutgefässe und Nerven zu finden sind.

Die Hörner seien zudem nicht einfach Dekoration, sondern wichtig für die Kommunikation und das Sozialverhalten der Tiere. «Jede Stellung der Hörner gegenüber Artgenossen ist eine Botschaft. Indem die Kühe ihre Hörner vorzeigen, verhindern sie direkte Auseinandersetzungen, denn die die Rangordnung unter den Kühen lässt sich so auf Distanz klären.»

Gewicht am Horn ist verboten

Kühe würden zudem sich selbst und andere Kühe mit dem Horn kratzen oder aneinander reiben, ohne sich zu verletzen. «Dieses natürliche Sozialverhalten zeugt vom Bewusstsein und von der Kontrolle über das eigene Horn.»

Laut Stefan Kunfermann, Mediensprecher des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, sind die Schmerzen, die durch ein Joch verursacht werden, durchaus vergleichbar mit Schmerzen bei einer Zahnspange. «Der Unterschied zum Enthornen besteht darin, dass es sich bei Letzterem um einen einmaligen Eingriff unter Anästhesie und Schmerzbehandlung handelt.

Beim sogenannten Joch wird das Tier dagegen einem lange andauernden und permanenten Schmerz ausgesetzt.» Allerdings sei das Schmerzempfinden sowohl bei Tieren als auch bei Menschen sehr individuell ausgeprägt. Gemäss der Tierschutzverordnung sei das Beeinflussen der Hornstellung durch Gewichte, die einen Zug auf die Hörner ausübten, verboten.

(the)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Carla M. am 29.10.2018 21:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unsinnige Diskusionen

    Lasst den Kühen genügend Platz im Stall, dann können die Hörner ganz normal wachsen.

    einklappen einklappen
  • 2Ez am 29.10.2018 21:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach:

    Richtige Kühe haben Hörner.

    einklappen einklappen
  • Alis am 29.10.2018 21:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sarkasmus Hörner versus Zähne

    Kindern werden mit Gewalt die Zähne gerichtet......Sie tragen Zahnspangen für tausende von Franken.....Arme Kinder und sie haben keine Lobby,nein sogar die Eltern unterstützen diese Gewalt am Kind

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Motztante am 09.11.2018 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Respekt

    Eigentlich ist es ja tatsächlich nicht das grösste Tierwohlproblem, das wir haben. Aber mich stört es auch dass Tiere für den eigenen Nutzen so verunstaltet werden. Kühe ohne Hörner, Schweine ohne Schwänze, Katzen ohne Fell... Es ist einfach respektlos.

  • Sandra am 09.11.2018 12:24 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Schande

    Ich habe für die Initiative gestimmt, obwohl ich ganz klar der Meinung bin, dass nur ein Verbot richtig wäre, seit ich weiß, wie die Kühe enthornt werden. Und auch das Richten der Hörner sollte bestraft werden, sobald es der Kuh nur irgendwie weh tun könnte. Was wir den Tieren alles antun aus idiotischen Argumenten, sorry. Die Argumente der Gegner überzeugen mich nicht. Die Hörner gehören zu den Kühen, sie werden damit geboren. Früher ging es auch mit. Hunden darf man Ohren und Schwänze nicht mehr kopieren, was absolut richtig ist, aber die armen Kühe müssen weiter leiden.

  • Martin am 07.11.2018 05:23 Report Diesen Beitrag melden

    Unfähig Tiere zu halten?

    Die Bauern sind heute in der Schweiz Landschaftsgärtner. Ohne Subventionen würde es keine Bauern mehr geben in unseren Land. Eine Kuh hat Hörner, seit Jahrtausenden schon. Wenn die Bauern nicht mehr fähig sind, Tiere zu halten wie ihre Väter, sollen sie einen andern Beruf wählen.

  • Jangdebang am 06.11.2018 17:23 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz klar...

    ...Hörner belassen. Ebenso diejenigen der Hornochsen in Bundesbern, damit sie diese wieder vermehrt für die Werte und Rechte ihrer Bürger einsetzen.

  • Jangdebang am 03.11.2018 14:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein JA auch für Hornochsen

    Ja für die Hornkuh-Initiative, aber auch ein JA für die Hornochsen in Bern, damit diese mit ihren Hörner wieder mehr kämpfen und sich für die Rechte ihrer Bürger einsetzen - notfalls mit ihren Hörnern.