Aktivist in Deutschland

10. September 2019 03:37; Akt: 10.09.2019 03:39 Print

«Hongkong ist das neue Berlin»

Dem Hongkonger Bürgerrechtler Joshua Wang wurde die Ausreise verwehrt. Nun durfte er doch in die deutsche Hauptstadt fliegen.

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Der Aktivist wurde zuvor am Flughafen in Hongkong verhaftet: Joshua Wong war bei seiner Ankunft in Berlin ein gefragter Mann. (9. September 2019) (Bild: Reuters/Hannibal Hanschke)

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Der Hongkonger Bürgerrechtler Joshua Wong hat nach seiner Ankunft in Berlin weiteren Widerstand gegen die Regierung in seiner Heimat angekündigt. Die ehemalige britische Kronkolonie sei jetzt ein Bollwerk zwischen der freie Welt und der «Diktatur Chinas», sagte Wong am Montagabend auf einer Veranstaltung auf dem Dach des Reichstages.

Er zog Parallelen zwischen der friedlichen Wiedervereinigungsbewegung in Deutschland und dem Freiheitskampf in Hongkong. «Wenn wir in einem neuen Kalten Krieg sind, dann ist Hongkong das neue Berlin.» Wong betonte, die Demokratiebewegung werde sich von der Rücknahme des umstrittenen Gesetzes, das Auslieferungen an China ermöglichen sollte, nicht einlullen lassen.

Wong war kurz vor seinem Abflug nach Deutschland in Hongkong aus Polizeigewahrsam entlassen worden. Er war unter dem Vorwurf festgenommen worden, gegen Kautionsauflagen verstossen zu haben.

Enttäuscht von Merkel

Der deutsche Aussenminister Heiko Maas hatte nach der Freilassung Wongs am Montag gesagt, es sei ein gutes Signal, dass der junge Demokratie-Kämpfer wieder auf freiem Fuss sei. «Das Recht auf freie Meinungsäusserung ist ein fundamentales Prinzip. Es darf keinen Einschränkungen unterliegen», twitterte er.

Der 27-jährige Bürgerrechtler hatte sich zuletzt enttäuscht von Angela Merkels Besuch in China gezeigt. Die Bundeskanzlerin hätte sich noch deutlicher äussern und für freie Wahlen einsetzen müssen, sagte er der «Bild am Sonntag». Die Kanzlerin hatte in China erklärt, die Volksrepublik müsse sich in Hongkong um eine friedliche Lösung bemühen. Am Mittwoch soll sich Wong auf einer Veranstaltung der Bundespressekonferenz zur Lage in der chinesischen Sonderverwaltungszone äussern.

(roy/sda)