Reich datet schön

30. Juli 2015 22:58; Akt: 31.07.2015 14:48 Print

«Ich, 31 und Studentin, suche dich, Sugardaddy»

von B. Zanni - Tausende junge Schweizerinnen daten ältere, reiche Herren – gegen Geld. Die «Einkaufscenter-Mentalität» mache auch vor Beziehungen keinen Halt, sagen Experten.

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Nette Gesellschaft gegen Luxus: Sugardaddys lesen den Sugarbabys jeden Wunsch von den Lippen ab. (Bild: istock)

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Der Oberkörper steckt in einem bauchfreien Netz-Spitzenshirt. Darunter blitzt ein grüner BH hervor. So präsentiert sich die 31-jährige Studentin «MeHappyAngel» auf ihrem Profil. Sie sucht nach «einem Gentlemen, um das Leben zu geniessen und Teil der sonnigen Seiten des Lebens zu sein. Ein Arrangement auf lange Zeit, etwas Liebe, Romanze und Aufregung.» Ihre Bedingungen sind klar: «Bitte schreib mir nur, wenn du auch freundlich genug bist, am ersten Treffen ein Geschenk mitzubringen. Es geht um den Eindruck, Achtsamkeit und Respekt.» Momentan befinde sie sich in einer Situation, in der sie auf die Hilfe und Unterstützung eines grosszügigen Mannes angewiesen sei, fügt sie an.

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MeHappyAngel ist eine von momentan 8000 Schweizerinnen, die sich auf der Dating-Plattform SeekingArrangement.com angemeldet haben. Im Schnitt sind sie zwischen 21 und 27 Jahre alt. Die Plattform führt Sugarbabys und Sugardaddys zusammen. 2300 Männer haben in der Schweiz ein Profil. Darunter der 43-jährige «Dr. Sebastian». Er ist Chirurg und verfügt über ein Vermögen von zwei Millionen Franken. Er bezeichnet sich als «grosszügig, intelligent, sportlich witzig, kultiviert und muskulös». Was er sucht: «Ein unter 31-jähriges Sugarbaby mit klaren und realistischen Erwartungen, das von einem reifen, aber spassigen Gentleman gern verwöhnt, betreut und beschützt wird.» Den Sugarbabys verspricht er «Friends with Benefits», Shopping und Reisen in Europa und der Ostküste der USA. Der durchschnittliche Zuckerpapa ist 44-jährig und hat ein Einkommen von über 260'000 Franken. Für die Frauen macht er pro Monat 3400 Franken locker.

Doch worum geht es hier genau? Um die Suche nach schnellem Sex? Nach der grossen Liebe? «Viele Leute suchen moderne Beziehungen, die ihrem Lifestyle entsprechen, weil gewöhnliche Beziehungen nicht mehr zu ihren Bedürfnissen passen», sagt Sprecherin Angela Jacob Bermudo diplomatisch. Die Leute sagten geradeheraus, was sie bei einem Partner suchten. Wer die Erfahrungsberichte liest, merkt schnell: Hier bieten junge, hübsche Frauen nette, weibliche Gesellschaft, vielleicht auch Sex. Im Gegenzug lassen die meist ein Stück älteren Männer sie im Luxus schwelgen. Sie speisen mit ihnen in schicken Restaurants, nehmen sie auf exotische Reisen mit und schenken ihnen Louis-Vuitton-Taschen.

«Ein virtuelles Bordell»

Paar- und Sexualberaterin Silvie Baumann Froesch überrascht der Boom der Plattform nicht. Ihrer Ansicht nach gibt die Gesellschaft den Menschen vor, dass sie alles haben können. «Die Einkaufscenter-Mentalität macht auch vor Beziehungen keinen Halt», sagt Baumann. Die heutige Generation suche den perfekten Partner auf Zeit und wolle sich nicht festlegen. «Es ist problematisch, dass sich die Menschen nicht mehr tiefer mit jemandem auseinandersetzen und so die vielen Facetten eines Menschen entdecken», kritisiert die Paar- und Sexualtherapeutin. Zudem befürchtet sie, dass solche Plattformen bestehende Beziehungen zerstören. «Für Menschen, die sich in der Beziehung mehr Freiheiten wünschen, ist Seeking Arrangement sehr verlockend», sagt Baumann.

Fabienne Amlinger, Geschlechterforscherin am Interdisziplinären Zentrum für Geschlechterforschung, sagt: «Die Plattform kann einerseits als virtuelles Bordell betrachtet werden.» Andererseits würden die Austauschbeziehungen in diesem Paararrangement sehr klar, ehrlich und offen darlegt, sagt Amlinger. Problematisch sei jedoch, dass die zum grössten Teil jüngeren Frauen älteren, oftmals verheirateten Männern ihre Schönheit, Begleitung und Sexualität im Gegenzug zu finanzieller Unterstützung anbieten würden. «Insofern können diese Damen tatsächlich als 'bezahlte Dekorationsobjekte' betrachtet werden», sagt Amlinger. Mit Emanzipation habe dies in der Tat wenig zu tun.«Die Frauen begeben sich in ein klassisches Macht- und Abhängigkeitsverhältnis zu einem Mann, das auf dessen Goodwill und Geld basiert.»

Paar- und Sexualberaterin Angela Della Torre dagegen findet die Sugar-Beziehungen legitim. «Für erfolgreiche Berufsleute, die keine Zeit für einen Partner haben, aber trotzdem Aspekte einer Beziehung geniessen wollen, ist das eine praktikable Lösung», sagt Della Torre. Auch habe sie den Eindruck, dass Statusunterschiede in diesen Arrangements weniger problematisch seien als in der Realität. «In echten Paarbeziehungen, die im Alltag bestehen müssen, hat das finanzielle Machtgefälle oft grosses Konfliktpotenzial.» Beispielsweise fühle sich die Partnerin in ständiger Schuld oder ohnmächtig, wenn sie ihren Luxus nur dank des Einkommens des Ehemanns geniessen könne. Auch glaubt sie, dass es vielen Menschen bei den Sugar-Beziehungen darum gehe, ein Märchen zu erleben. «Wenn der Prinz dabei ist – umso besser.»

Sind Sie ein Sugarbaby oder ein Sugardaddy? Dann schreiben Sie uns: feedback@20minuten.ch

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • mamo am 30.07.2015 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Schönreden

    Zitat:"Für erfolgreiche Berufsleute, die keine Zeit für einen Partner haben, aber trotzdem Aspekte einer Beziehung geniessen wollen, ist das eine praktikable Lösung" = Escortservice = Prostitution...nichts anderes.

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  • Obelix am 30.07.2015 23:18 Report Diesen Beitrag melden

    Freier und Prostituirte

    Ist den Männern egal dass diese Püppchen nur an deren Geld interessiert sind? Mir wäre es zu schade das Geld für solche Puderdosen aus dem Fenster zu werfen!

  • Nie Mals am 30.07.2015 23:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Ist keine Lösung und frage mich wie weit sich unsere Frauen noch herunter lassen. Das kann es nicht sein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Der Mannkannalles am 31.07.2015 22:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo sind die Feministen?

    Wo sind nun die Feministen? Das hier ist moderne Prostitution und die Frau macht sich mehr und mehr abhängig vom Mann. Die Forderungen sind natürlich auch gerecht: -gleiche Löhne -gleiche Anerkennung(Gleichberechtigung) -keine Frau ist ein Ding( Sexsymbol) Viel Spass, denn niemand wird euch dabei unterstützen und es stehz " Die Zahl der Sugarbabys steigt und die Expertinnen wundern sich kaum"

  • Miss Swiss am 31.07.2015 21:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umfrage

    Bei der Umfrage fehlt für mich eine Mischform der Antworten: ja, es ist Prostitution, aber es ist okay, wenn die Bedingungen für beide Seiten klar sind.

  • Emma am 31.07.2015 18:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zuckerpapa nicht gleich....

    ...alter Greis. Wie geschrieben steht, ist das durchschnittliche Alter des Zuckerpapa 44 Jahre. Die sollten in diesem Alter aber schon noch zu den knackigeren Männern gehören. Wer sich als Frau nur für Geld und Luxus mit solchen, meist verheirateten Männern einlässt, ist für die immer nur ein Abenteuer. Sugardaddys mit Geld, wechseln die Frauen wie die Unterhosen die ihnen ihre Frau oder Haushälterin zu Hause wäscht. Er ist auch ein Typ Mann der sich nicht scheiden lässt, besonders nicht für eine Käufliche, auch wenn sie noch so jung und schön ist. Der Schein muss gewahrt werden.

  • Christine Bergmann am 31.07.2015 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    anders sein

    Es gibt im Fall such gutaussehende Frauen, die voll berufstätig sind, zwei Kinder grossziehen und nie einen Rappen Alimente kassiert haben! Und diese bleiben alleine weil viele Männer keinen Mumm haben, sich auf eine selbstbewusste und eigenständige Frau einzulassen...

  • Der Ewiggestrige am 31.07.2015 17:36 Report Diesen Beitrag melden

    Mit 31 ...

    ... sollte das Studium eigentlich abgeschlossen sein und es ist Zeit sich auf die Sugar-Mami-Rolle vorzubereiten.