glp-Präsident

22. März 2011 06:21; Akt: 22.03.2011 12:48 Print

«Ich bin bei den Grünen so beliebt wie Blocher»

Die Grünliberale Partei will bei den Wahlen 2011 ihre Sitze verdoppeln. Parteipräsident Martin Bäumle über Freunde und Feinde der Partei.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Martin Bäumle wählt klare Worte: «Die Türe für die Zusammenarbeit mit den Grünen ist aktuell geschlossen», sagt der Präsident der Grünliberalen Partei (glp) und Zürcher Nationalrat im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA. Für die glp sei es «zielführender», in der Mitte umweltpolitisch zu agieren, als zusammen mit den Grünen auf einen Bundesratssitz zu spekulieren.

«Arithmetisch hätten Grüne und Grünliberale ausreichend Stärke.» Über einen Bundesratssitz zu diskutieren mache aber erst Sinn, wenn eine Kandidatur im Parlament eine Chance hätte und mit einem Grünliberalen besetzt werden könnte. Das sei gegenwärtig nicht denkbar und ein Bundesratssitz für die glp 2011 kaum ein Thema.

«Ich bin bei vielen Grünen so beliebt wie Christoph Blocher», sagt Bäumle lachend. Dieses «Feindbild» löse sich erst mit neuen Köpfen. Die Anzahl an bekannten Gesichtern in der glp sei gegenwärtig noch «bescheiden», räumt Bäumle ein. Für die Partei sitzen derzeit drei Zürcher Vertreter im Nationalrat.

Im Ständerat will die glp ihre beiden Sitze (ZH, UR) halten. In der Grossen Kammer dagegen sei es das Ziel, die Anzahl Sitze mindestens zu verdoppeln und so bis zu acht Sitze zu erobern.

Klare Chancen auf zusätzliche Nationalratssitze rechnet sich die glp im Aargau ( 1), in Bern ( 1) und in der Waadt ( 1) aus. Potenzial auf einen Sitzgewinn sieht Bäumle in Basel, Graubünden, Luzern und St. Gallen. In Bern liege zudem ein zweiter, in Zürich möglicherweise zu den drei bisherigen ein vierter Sitz drin.

Zünglein an der Waage

Mit dem Ziel von sechs bis acht Nationalratssitzen will die glp erstmals eine eigene Fraktion stellen. Die Partei habe Platz in der Politlandschaft Schweiz, denn sei habe sich gut etabliert, glaubt Bäumle. Die Zusammenarbeit mit der CVP/EVP-Fraktion sei sehr gut verlaufen und solle in einem anderen Rahmen fortgeführt werden. «Durch die gemeinsame Fraktion litt unsere eigene Profilierung».

Die glp habe bewiesen, dass sie alleine das Zünglein an der Waage spielen könne. Führend sei sie etwa beim Agendasetting um Klimaschutz, Atomkraftwerke und nachhaltige Energien gewesen. Bäumle geht davon aus, dass die Ereignisse in Japan der Partei Auftrieb verschaffen. «Es schadet uns nicht, dass alle auf dieses Thema setzen».

Die Bevölkerung wisse, wer die treibende Kraft hinter der Diskussion sei. Wenn andere auf Positionen der glp einschwenkten, beweise das nur, «dass wir richtig liegen». Es liege auf der Hand, wer diesbezüglich glaubwürdige Politik betreibe und wer nicht.

«Ich traue dem Strategiewechsel der FDP nicht», sagt Bäumle in Anspielung auf die Ankündigung von FDP-Parteipräsident Fulvio Pelli. Dieser hatte verlauten lassen, die Freisinnigen forderten Alternativen zu Atomkraftwerken. «Die FDP versucht, auf den grünliberalen Zug aufzuspringen», resümiert Bäumle.

Bis zu 800 000 Franken für Wahlkampf

Neben der Debatte um Atomkraftwerke und nachhaltige Energien seien auch klimapolitische Fragen Themenschwerpunkte im Wahlkampf der glp. Zentral sei weiter die glp-Volksinitiative, die verlangt, die Mehrwertsteuer abzuschaffen und durch eine Steuer auf nicht- erneuerbare Energien zu ersetzen.

Wichtig sei für die glp auch die Problematik um «too big to fail». Die Partei gehe dabei zwischen Linken und Rechten einen «dritten Weg». «Wir verlangen griffige, aber wirtschaftsverträgliche Massnahmen».

Was ihre eigene Finanzierung angeht, so legt die glp die Karten auf den Tisch. Auf nationaler Ebene investiert die Partei 200 000 Franken in den Wahlkampf, in den Kantonen bis zu 600 000 Franken - insgesamt kommt ein Beitrag von 800 000 Franken zusammen.

Erfolge im Wahlkampf könnte die glp zulasten der bürgerlichen Parteien verbuchen. «Vor allem von freisinniger Seite rechne ich mit einem Zufluss», sagt Bäumle. Er wünsche sich, dass die glp Neuwähler dazu gewinne und Wähler auffange, die von links nach rechts wechselten.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Interessierter Leser am 22.03.2011 16:26 Report Diesen Beitrag melden

    Bäumle ist ein Ausnahme-Politiker

    Vielseitig, intelligent, kompetent. Der versteht von der Finanzbranche mehr als Pelli. Auch im undurchsichtigen Energiemarkt kennt er sich bestens aus. Der Beliebtheitsvergleich mit Blocher ist nicht schlecht. Der Mann ist ein ausgezeichneter Volksvertreter mit gesundem Menschenverstand. Kein einziger Politiker hat eine 100% vertretbare Meinung, auch nicht Bäumle.

    einklappen einklappen
  • Merlin am 22.03.2011 11:16 Report Diesen Beitrag melden

    Na Bravo,

    Noch keinen Leistungsausweis, aber sich mit Blocher vergleichen. Anmassung pur. An jeder Arena teilnehmen und dort viel reden, aber nichts sagen ist kein Leistungsausweis Herr....na, wie war nochmal der Name?

    einklappen einklappen
  • Christian am 22.03.2011 08:23 Report Diesen Beitrag melden

    Politisches Ausnahmetalent

    Martin Bäumle sagt, bei Grünen (Rotgrünen) sei er so beliebt wie Christoph Blocher. Die Gemeinsamkeit ist - beides sind politische Ausnahmetalente. Ob man ihre Ansichten teilt oder nicht, spielt bei dieser Bewertung keine Rolle.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jan F am 22.03.2011 21:47 Report Diesen Beitrag melden

    Gruen ja, aber nicht links

    Sorry Daniel, aber da hast du keine Ahnung. Die Gruenliberalen politisieren bei umweltpolitischen Fragen meist zu hundert Prozent auf der Gruenen Linie. Aber bei finanz- und sozialpolitischen Fragen halt nicht. Dort sind die Gruenen noch linker als die SP. Entsprechend moegen sie die Gruenliberalen (und besonders Baeumle als ehemaligen Gruenen) nicht..

  • Daniel am 22.03.2011 19:13 Report Diesen Beitrag melden

    Ist Grün in Grünliberal wohl falsch?

    Ist Grün in Grünliberal wohl falsch? "Ich bin bei vielen Grünen so beliebt wie Christoph Blocher." Das heisst, die wirklichen Grünen, sehen keine Umweltpolitik in der Grünliberalen Partei. Diese Art von Etikettenschwindel ist in der Schweizer Politik weit verbreitet.

  • Interessierter Leser am 22.03.2011 16:26 Report Diesen Beitrag melden

    Bäumle ist ein Ausnahme-Politiker

    Vielseitig, intelligent, kompetent. Der versteht von der Finanzbranche mehr als Pelli. Auch im undurchsichtigen Energiemarkt kennt er sich bestens aus. Der Beliebtheitsvergleich mit Blocher ist nicht schlecht. Der Mann ist ein ausgezeichneter Volksvertreter mit gesundem Menschenverstand. Kein einziger Politiker hat eine 100% vertretbare Meinung, auch nicht Bäumle.

    • Peter Meier am 27.03.2011 16:59 Report Diesen Beitrag melden

      Kompetent und anständig

      Einverstanden. Er ist für die freie Marktwirtschaft, unter Berücksichtigung vernünftiger, realisierbaren grünen Bedingungen. Im Gegensatz zu Blocher bleibt er auch anständig und seiner Linie treu. Wo Blocher immer wieder auf Schweizer und Ausländer schiesst und mit den linken und Grünen zusammenspannt.

    einklappen einklappen
  • Energieberater am 22.03.2011 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Unabhängige Partei / saubere Strategie

    Die Zeit gibt den Grünliberalen recht. Gangbare Wege zu einer nachhaltigen Wirtschaft werden aufgezeigt. Noch ist die Partei klein, dafür aber auch unverfilzt und unabhängig (z.B. von der Atomindustrie).

  • Merlin am 22.03.2011 11:16 Report Diesen Beitrag melden

    Na Bravo,

    Noch keinen Leistungsausweis, aber sich mit Blocher vergleichen. Anmassung pur. An jeder Arena teilnehmen und dort viel reden, aber nichts sagen ist kein Leistungsausweis Herr....na, wie war nochmal der Name?

    • Santi am 22.03.2011 11:39 Report Diesen Beitrag melden

      Blocher beliebt?

      Er hatte das mehr im negativen Sinne gemeint. "...so beliebt (unbeliebt) wie Christoph Blocher"

    • Merlin am 22.03.2011 12:26 Report Diesen Beitrag melden

      beliebt....

      Um so beliebt oder unbeliebt wie Blocher zu sein, sollte man mal so bekannt sein wie Blocher

    • Jaffa am 22.03.2011 13:41 Report Diesen Beitrag melden

      Jaja

      Mit genug gepolter und einer unsympathischen Art wird man schnell bekannt. Mir sind gute Politiker lieber als gute Geschäftsführer die in der Politik eigentlich nichts zu suchen haben.

    einklappen einklappen