Kirchenglocken-Urteil

13. Dezember 2017 15:16; Akt: 13.12.2017 16:09 Print

«Ich bin entsetzt, dass Glocken weiterläuten»

Nach einem Bundesgerichtsurteil dürfen die Kirchenglocken nachts weiter läuten. Kläger Alfred Naef (70) ist enttäuscht – und wettert gegen die Richter.

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Die Glocken der reformierten Kirche Wädenswil ZH dürfen weiterhin auch nachts alle 15 Minuten schlagen. Das Bundesgericht hat eine Beschwerde der Stadt und der Kirchgemeinde gutgeheissen.

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Sollen Kirchenglocken auch nachts läuten dürfen?

Die Niederlage vor Bundesgericht schmerzt den Rentner Alfred Naef, der 200 Meter neben der Kirche wohnt. Er und seine Frau hatten sich in der Nachtruhe gestört gefühlt und auf den Vorinstanzen erreicht, dass die Kirchenglocken zwischen 22 bis 7 Uhr nur noch zur vollen Stunde schlagen dürfen.

Rentner akzeptiert Urteil nicht

«Ich bin entsetzt über dieses Urteil und dass die Glocken jetzt weiter läuten», sagt Naef zu 20 Minuten. «Das ist kein Gericht, sondern ein befangener Verein, der unterwandert ist von Lobbyisten eines luschigen, zwielichtigen Clubs namens Kirche.» Im Gegensatz zum Zürcher Verwaltungsgericht hätten sich die Richter nicht mit den Lärmstudien auseinandergesetzt. Nicht nur die Weltgesundheitsorganisation bestätige seit langem, dass der Lärm von Kirchenglocken schädlich für die Gesundheit sei. «Der Entscheid ist gegen jedes Menschenrecht», sagt Naef.

Dass die Kirchenglocken nicht verstummen, treffe vor allem seine Frau. Laut Naef leidet sie an einer unheilbaren neurologischen Krankheit, die sich unter Lärmeinfluss verschlimmere. Auch die Koffer zu packen, sei keine Option. «Sie können eine schwer kranke Frau nicht einfach umsiedeln.»

IG Stiller ist enttäuscht

Gross ist die Enttäuschung auch bei der IG Stiller. Sprecherin und Vorstandsmitglied Nancy Holten sagt: «Ich bin sprachlos. Ich ging davon aus, dass das Bundesgericht zeitgemäss entscheiden wird.» Der Viertelstundenschlag diene einzig und allein der Zeitangabe. «Das ist ein alter Zopf. Heute haben alle eine Uhr oder ein Handy, um die Zeit zu erfahren. Ausserdem ist die Nacht zum Schlafen da.»

Eine Studie der ETH mit 27 Probanden habe gezeigt, dass uns Kirchengeläut aufwachen lässt. Wenn dieser Nachweis nicht reiche, brauche es eben mehr Studien. «Wir sind für einen tiefen, gesunden Schlaf. Die Richter haben sich dem Druck der Mehrheit der Bevölkerung gebeugt, die am Stundenschlag hängt.» Allerdings fange die Diskussion nun erst richtig an: «Wir behandeln zahlreiche Klagen jedes Jahr. Nun werden sich viele Leute erst recht überlegen, ob es den Lärm noch braucht.»

«Auch Traditionen haben ihren Wert»

Erleichtert reagiert die reformierte Kirche des Kantons Zürichs: «Der Viertelstundenschlag ist zwar ein weltliches Geläut, von dem das Wohlergehen der Kirche nicht abhängt. Aber auch Traditionen haben ihren Wert», sagt Sprecher Nicolas Mori. Froh sei man darüber, dass das Gericht die «wackelige» ETH-Lärmstudie realistisch eingeschätzt habe.

Den Kirchgemeinden rate man, bei Beschwerden gesprächs- und kompromissbereit zu sein. «Es gab tatsächlich Fälle, wo es sehr laut war. Heute kann man aber etwa durch technische Massnahmen viel erreichen.» Zum Beispiel könne man Plexiglasscheiben anbringen, die dämpfend wirkten. Gleichzeitig dürften die Gemeinden aber nicht gleich einknicken. «Zieht jemand in ein Dorf in Sichtweite der Kirche und deckt sie gleich mit Klagen ein, ist das schwierig.»

Die Mehrheit der Bundesrichter kam am Mittwoch zum Schluss, dass es keinen Anlass gebe, um von der bisherigen Rechtsprechung abzuweichen. Die Lärmstudie, auf die sich das Zürcher Verwaltungsgericht bei seinem anderslautenden Entscheid gestützt hatte, erachtet das Bundesgericht als zu wenig aussagekräftig und fundiert. Das Gutachten hatte festgestellt, dass bereits Lärm von weniger als 60 Dezibel zu Aufwachreaktionen führen könne.

(daw/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Linda die echte. am 13.12.2017 15:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer war denn zuerst?

    Wenn es diesen Personen nicht passt! Man kann auch umziehen. Aber Vorsicht nicht Flughafen oder Dörfer oder Städte. Besser in die Berge fernab von bewohnten Gebieten.

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  • Pitri am 13.12.2017 15:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unglaublich

    so ein Theater, ich habe jahrelang in der Nähe einer Kirche gewohnt, auch diese hatte den Viertelstundenschlag. Ich habe trotzdem auch bei offenem Fenster gut geschlafen. Wenn ich nicht schlafen konnte dann sicher nicht wegen denen. Im Gegenteil, die haben mich beruhigt. Im übrigen, als sie in der Revision waren, habe ich sie vermisst.

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  • Traditions Bürger am 13.12.2017 15:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    Finde den Entscheid mehr als gut. Das Glockenläuten ist Tradition und diese gilt es zu wahren. Wenn man doch in die Nähe einer Kirche zieht muss man mit Glockenläuten rechnen. Und die Kirche war sicher zuerst da.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Melanie K. am 13.12.2017 16:46 Report Diesen Beitrag melden

    Es nervt!

    Wieso sind es immer Pensionäre oder einzelne Personen die so etwas stört? Es macht mich so wütend, dass einzelne Personen das Gefühl haben, sie dürfen alles bestimmen/überall mitreden! Die Kuhglocke, das Hornen auf dem Zürisee und die Kirchenglocken gehörten zu UNS! Wenn das stört der soll doch bitte gehen und nicht zurückkommen. 3 Tipps für solche Menschen von mir: Ohrenstöpsel, Umziehen und Entspannungskurs Liebe Mitmenschen, lasst euch von solchen Personen nicht vorschreiben wie die Schweiz auszusehen hat. Lieber Herr Naef, Sie nerven!!!!

  • Verena Rosselet am 13.12.2017 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    Kirchenglocken

    Einfach voll daneben - ich habe in Bülach 20 Meter neben der reformierten Kirche gewohnt - Kirchenglocken gehören einfach zum friedlichen Alltag eines Dorfes, einer Stadt. Herr Näf fährt bestimmt nicht Auto.... und wenn, dann hoffentlich elektrisch:lärmarm!und Hunde, Hähne und ,paarungsreife Katzen, tja da wird es langsam schwierig!

  • mine am 13.12.2017 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Religiöser Lärm ist halt kein Lärm

    Hmm, dass heisst ich darf mit dem Megafon in der Nacht herumrennen und die Zeit auszupossaunen? Das wäre ja dann auch nicht Ruhestörend. Ich muss es nur regelmässig machen und ein Kreuz tragen. Die Zeit zu wissen ist ja wichtig. Sorry Leute aber die Forderungen waren nicht überrissen. Er wollte nur den Takt auf einmal pro/h reduzieren. Nicht die Kirche abschaffen!

  • däusi am 13.12.2017 16:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kirchenglocken

    In den 68er kämpfte man für love und peace,freiheit, tolerante Leute und h eute? Kirchen, kuh und Rauchverbote, laktoseintoleranz, frauenquoten, ach wo bist du geblieben schöne und ruhige Helvetia?

  • Toni Tobler am 13.12.2017 16:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Traktorlärm vom Gemüsebauer...

    ....nebenan raubt uns der Schlaf nachts um halb zwei Uhr (!) viel mehr! Wir wohnen über sechzig Jahre neben der Kirche und keiner in der Familie hatte es jemals gestört.