Schicksal

21. Juni 2019 11:58; Akt: 21.06.2019 11:58 Print

«Ich bin weder Mann noch Frau»

von Zora Schaad - Edwin Ramirez ist non-binär, dunkelhäutig und Rollstuhlfahrer. Sein Coming-out empfand er als «extrem befreiend».

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«Ich habe mich gefragt: Braucht es das auch noch? Ich falle ohnehin schon auf. Aber ich habe mich bedrückt gefühlt und gefangen in meiner Rolle als Mann. Seit raus ist, dass ich non-binär bin, fühle ich mich viel besser.»

Non-binär bedeutet bei Edwin Ramirez, dass er biologisch zwar ein Mann ist, seine Geschlechtsidentität aber irgendwo zwischen Mann und Frau liegt. Dass er sich seit dem Outing vor einem Jahr nicht mehr festlegen muss, sei «extrem befreiend».

Kleider kaufe er in der Damen- und in der Herrenabteilung, beim Toilettengang wählt er das Behinderten-WC. Und in der Liebe? «Ich stehe auf Frauen und nonbinäre Menschen. Zuletzt hatte ich eine offene Beziehung mit einer Pansexuellen – einer Frau also, die sich von Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht angezogen fühlt.» Eine Ehe mit Kindern hätte sich der Marketingassistent – unabhängig von seinem Geschlecht – ohnehin nie vorstellen können.

Diskriminierungen sind Alltag

Auch wenn er nicht täglich geschminkt ist: Edwin Ramirez (29) fällt auf. Weil er während der Geburt zu wenig Sauerstoff erhielt, sitzt er im Rollstuhl.

Ein Luftröhrenschnitt rettete ihm das Leben, schädigte aber auch die Luftröhre. Die raue Stimme, die schnappende Atmung und der Afrolook sind seine Markenzeichnen.

Diskriminierungen erlebt Ramirez immer wieder. «Es gibt Leute, die meine Non-Binarität ins Lächerliche ziehen. Andere sprechen extra langsam. Vielleicht, weil ich im Rollstuhl sitze. Vielleicht denken sie, ich könne kein Deutsch. Und mir wurde auch schon Gewalt angedroht.»

Gesamthaft seien die Reaktionen auf sein Coming-out positiv gewesen. Noch wissen nicht alle davon. «Mein Arbeitgeber erfährt es mit diesem Artikel. Ich bin sicher, er wird es gut aufnehmen.»