Angriff von Herdenschutzhund

16. Juli 2014 11:44; Akt: 16.07.2014 13:05 Print

«Ich dachte, meine letzte Stunde sei gekommen»

Ein Herdenschutzhund hat im Kanton Freiburg einen Mann gebissen. Die Schutzhunde sind umstritten: Wanderer fühlen sich bedroht, doch Schafhalter wollen sie vermehrt einsetzen.

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Ein Herdenschutzhund hat im Kanton Freiburg einen Wanderer gebissen. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

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Ein Wanderer ist auf dem Schafarnisch im Kanton Freiburg von einem Herdenschutzhund angegriffen worden. Zur Zeitung «La Liberté» sagt er: «Ich dachte, meine letzte Stunde sei gekommen!» Er sei auf dem offiziellen Weg in Richtung Gipfel gewandert, als er ein paar Schafe und den Hund gesehen habe. «Er rannte bellend auf mich zu und kam sehr nahe.» Kurz darauf sei ein zweiter Hund erschienen und die Tiere hätten ihn umkreist.

«Ich blieb ruhig und versuchte, mich von der Herde wegzudrehen», sagte der Wanderer. Als er sich gedreht habe, hätten die Hunde ihn angesprungen und einer habe ihn ins Gesäss gebissen. Er habe versucht, sich mit seinen Spazierstöcken zu schützen, und habe es geschafft, sich von den Hunden zu entfernen. Danach seien sie zur Herde zurückgekehrt.

Der Wanderer wandte sich später an den Eigentümer der Hunde. Dieser habe ihm erklärt, dass der Gipfel nicht zugänglich sei, wenn seine Hunde und die Schafe auf der Weide seien. Der Wanderer sagt: «So leeren wir die Berge. Viele Wanderer wagen es nicht mehr, in Gegenden zu wandern, in denen Schutzhunde eingesetzt werden.»

Kantonstierarzt schaltet sich ein

Der Wanderer sagt, er habe schon von anderen Fällen auf derselben Alp gehört. Deshalb habe er den Kantonstierarzt und die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Grégoire Seitert, der zuständige Kantonstierarzt, sagt: «Die Behörden sind sich der Situation der Schutzhunde bewusst. Sie müssen in der Lage sein zu beissen, um ihre Herden zu verteidigen. Der Schutz der Menschen darf aber auch nicht zu kurz kommen.» Er habe jedes Jahr Probleme mit den Schutzhunden einer Alp. «In diesem Fall musste ich die Hunde beschlagnahmen.»

«Man sollte die Hunde nicht verteufeln»

François Meyer, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Vereinigung für die Entwicklung der Landwirtschaft Agridea, sagt: «Wir sollten die Hunde nicht verteufeln.» Die Zahl der Bisse habe sich in den letzten Jahren nicht erhöht. Bei 7 Alpen und 15 Schutzhunden im ganzen Kanton Freiburg seien es durchschnittlich zwei Bisse pro Jahr.

Der Schutzhund hat sich laut Ueli Pfister, Präsident des Herdenschutzvereins, als effektivstes Mittel gegen Luchse und Wölfe erwiesen. Er sei sowohl Wach- als auch Begleithund, deshalb verhalte er sich je nach Situation verschieden. Er werde ausgebildet, die Schafherde als seine Familie zu sehen, die er beschützen müsse. «Nähert sich ein Wanderer der Herde, ist es der Job des Schutzhundes, das mit Bellen zu verhindern. Solange der Wanderer ruhig bleibt und sich wieder entfernt, wird ihm nichts passieren.» Er fügt aber an: «Ein Null-Risiko gibt es nicht.»

(nsa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sandy am 16.07.2014 12:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Natur...

    Wanderer müssen lernen bei ihrem Hobby die Umgebung und Natur zu respektieren.....Schafherden mit Schutzhunden ist dasselbe wie Kuhweiden mit Mutterkühen....da sollte man als Wanderer auch besser fernbleiben. Und doch gibts es immer wieder welche die es herausfordern.... Vielleicht sollten die Gebiete auch Beschildert werden....zur warnung!

  • Rudi Rüssel am 16.07.2014 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Besser als Lamas, was? :)

    Scheinbar sind die Hunde besser als Lamas und können tatäschlich auf eine Herde aufpassen. In Anbetracht dessen, dass wohl Tausende jedes Jahr von einem Hund gebissen werden, kann man das ruhig in Kauf nehmen. Jedenfalls besser als die Wölfe sinnlos abzuknallen, die notabenene wohl schon länger durch die Wälder streifen als wir Menschen und irgendwelche Schafe und Nutztiere.

  • Patrik am 16.07.2014 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    Wanderer selber schuld

    Wir haben mit der Schule auch einen Auslflug unternommen, bei dem wir von einem Hund angegriffen wurden. Aber die Lehrer sind selber schuld, wenn sie den Bauer vorher nicht informiert habe, dass wir seine Weide überqueren wollen. Das geht so nicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pragmatiker am 16.07.2014 17:17 Report Diesen Beitrag melden

    Ist das nun ein Kampfhund?

    Hatte der Besitzer den Hundeführerschein? Wär noch wichtig zu wissen. Der Hund gehört jedenfalls eingeschläfert da er Menschen attackiert und beisst.

  • Ella-Luise am 16.07.2014 14:51 Report Diesen Beitrag melden

    Es braucht Kompromisse..

    Man kann es dem Menschen absolut nie Recht machen. Wir sollten endlich damit aufhören so brutal egoistisch zu sein, dies ist nämlich wesentlich schlimmer, als ein Hundebiss! Ich hoffe, dass der Besitzer seine Hunde bald und unversehrt zurückbekommt, schliesslich haben diese gezeigt wie gut sie ihren Job machen und vielleicht ist dieses Erlebnis dem Wanderer eine Lehre, denn genauso wenig wie man einfach so durch das Haus fremder Menschen geht, sollte man das Revier fremder Tiere durchqueren.

  • Lilly H. am 16.07.2014 13:50 Report Diesen Beitrag melden

    Wie auch immer...

    Ach ja.Und von den Lama's werden die Wanderer wohl bespuckt?Na sowas...Irgendwie müssen die Herden doch beschützt werden.Jeder Wanderer sollte mit solchen Begegnungen rechnen und auf sich selber aufpassen.Aber wie man's auch macht,die Nörgler sind überall.

  • Bürger2erKlasse am 16.07.2014 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    Subventionslaster

    diese Schafe haben meiner Meinung nach nichts auf den Alpen verloren. Das sind nur subventionierte Rasenmäher. Dann hinterlassen sie noch mehr Stickstoff, was wiederum zu erhöhtem Wuchs der Wiesen führt. Ein sinnlos perfekt aufeinander gestimmtes System. Das nur kostet.

  • tobias wüthrich am 16.07.2014 13:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unglücklich

    ja gut war halt pech. dennoch sind herdenhunde sinnvoll. und wenigstens etwas hilfe für den bauern. allerdings steht im bericht von mehrfachen Beschwerden auf der gleichen alm = sollte wirklich mehr Kommunikation herrschen , ansonsten tiere entfernen oder beschildern rechtzeitig