Ernährungsberaterin

01. September 2016 14:05; Akt: 01.09.2016 15:58 Print

«Ich erlebe oft Veganer, die einem Wahn nah sind»

von B. Zanni - Militante Fleischkonsumgegner sind auf dem Vormarsch. Experten erklären, warum.

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Heute wimmle es nur so von Spezial-Essstilen, sagt der Ernährungswissenschaftler Uwe Knop. LowCarb, Paleo, Vegan, Detox und Clean-Eating seien die Spitze der selbsternannten Besser-Esser. «Klassisches Fast Food ist in diesen Kreisen verpönt, sodass das eine oder andere Plakat als Frustableiter herhalten muss.» Viele Veganer würden ihren Ernährungsstil auf missionarische Weise vertreten, sagt die Ernährungsberaterin Sonja Ricke. «Leider erlebe ich oft Veganer, die einem Wahn sehr nahe sind.» Konsumpsychologe Christian Fichter: «Der Schweizer Konsument ist nicht mehr bereit, alles zu schlucken, was man ihm vorsetzt.» Dank dem Internet und dem Konsumentenschutz befasse sich nicht mehr nur die Elite mit dem Thema Ernährung. Die Konsumenten wollten sich nicht mehr von der Industrie täuschen lassen. Unbekannte haben Anhänger des Schweizerischen Viehhändler-Verbands mit dem Schriftzug «Tiertodestransport» ... oder «Tiermörder Pfui» besprayt. Ausgebremste Tiertransporter: «Die Tiertransporteure sind aufmerksam und gewarnt, denn solche Ausbremsmanöver können schwerwiegende Folgen für Mensch und Tier haben», sagt Peter Bosshard, Geschäftsführer des Schweizerischen Viehhändler-Verbands SVV. Auf der Seite Schweizerfleis.ch werfen Veganer sogar Vegetariern Mord vor und zeigen Bilder von Anti-Fleisch-Sprayereien, ... ... «Fleisch ist Mord»-Klebern in Einkaufsregalen ... ... oder von Demos vor einer Metzgerei in Deutschland. Mit den Worten «Sklavenfutter» und ... ... «Grausam» beschmierten Unbekannte kürzlich McDonald's-Werbeplakate im Zürcher Hauptbahnhof. Renato Pichler, Geschäftsführer des Vereins Swissveg, fällt auf: «Egal, ob vegan, glutenfrei oder Paleo - wir merken, dass die Anhänger sogenannt gesunder und fleischloser Essstile ihre Positionen heftiger vertreten als früher.» Tierbefreiung heisse «Kampf den Kapitalisten», schreibt die Tierrechtsgruppe Zürich auf ihrer Website. Darunter setzte die Gruppe ein Foto eines Transparents mit der Aufschrift: «Fleischindustrie enteignen! Kapitalismus abschaffen!» Auf der Website Schweizerfleis.ch ersetzen die Aktivisten die Slogans der Plakate der Fleischbranche Proviande Genossenschaft durch anklagende Slogans. Leid-Lieferant ist eine Abänderung ... ... des Originals «Offizieller Protein-Lieferant der Schweiz». Das Plakat, das das Fleisch mit «Eisenpräparat» bewirbt, ... ... erhält auf dem Plakat der Veganer den Slogan «Leichenpräparat». Aus dem Slogan «Für Vegetariar nicht geeignet» wurde ... ... ein «Für ethisch Minderbemittelte geeignet» gemacht. «Biologisch abbaubar» von Schweizer Fleisch ... ... wurde zu «Biologisch tot» umformuliert.

Zum Thema
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Ernährungsfachleute beobachten, dass militante Kreise der Ernährungsindustrie zunehmend den Krieg erklären. Heute wimmle es nur so von Spezial-Essstilen, sagt Ernährungswissenschaftler Uwe Knop. LowCarb, Paleo, Vegan, Detox und Clean-Eating seien die Spitze der selbsternannten Besser-Esser. «Klassisches Fast Food ist in diesen Kreisen verpönt, sodass das eine oder andere Plakat als ‹Frustableiter› herhalten muss.»

Umfrage
Sind Sie zufrieden mit dem Angebot der Schweizer Lebensmittelindustrie?
17 %
36 %
27 %
9 %
11 %
Insgesamt 4729 Teilnehmer

Laut Knop gehört die Einstellung, das «böse, süchtig, dick und krank machende Fast Food zu bekämpfen» zum fundamentalistischen Rüstzeug und zur Daseinsberechtigung einer kulinarischen Gutmenschen-Diaspora.

Wütende Kunden

Viele Veganer würden ihren Ernährungsstil auf missionarische Weise vertreten, sagt Ernährungsberaterin Sonja Ricke. «Leider erlebe ich oft Veganer, die einem Wahn sehr nahe sind.» Solche Kunden hätten von ihr die Bestätigung erwartet, dass ihre Ernährung die beste sei. «Da ich ihnen diese nicht geben konnte, wurden sie wütend und warfen mir vor, ich sei gegenüber dem Leben nicht respektvoll und würde Tiere töten.» Um nicht noch mehr Öl ins Feuer zu giessen, habe sie sich diese Beratungen nicht mehr zu verrechnen getraut.

Auch Uwe Knop wurde schon angegriffen, passten seine Aussagen nicht in das Schema gewisser Kreise. «Dazu gehören Beschimpfungen und Drohungen übelster Art oder der absolut frei erfundene Vorwurf, ich würde von der Industrie bezahlt.» Auch gewisse Studien sind für die Besser-Esser ein rotes Tuch. «Ein Ergebnis, das besagte, Vegetarier seien häufiger krank, akzeptierten sie partout nicht.»

«Der Konsument will nicht mehr alles schlucken»

Der Konsumpsychologe Christian Fichter stellt fest, dass bestimmte Produkte oder Marken auf Facebook und Twitter zunehmend zu Hass-Zielen werden. Dazu würden Firmen zählen, die als Umweltsünder verschrien seien und ungesunde Produkte wie Chips, Schokolade, künstlich Gesüsstes oder übermässig Gesüsstes herstellen würden. Aber auch die Grossverteiler, die mit unsozialen Arbeitsbedingungen Schlagzeilen gemacht hätten, gerieten in den Fokus. Dahinter würden nicht nur militante Vertreter bestimmter Ernährungsstile stecken.

Woher kommt der Widerstand? Fichter: «Der Schweizer Konsument ist nicht mehr bereit, alles zu schlucken, was man ihm vorsetzt.» Dank dem Internet und dem Konsumentenschutz befasse sich nicht mehr nur die Elite mit dem Thema Ernährung. Die Konsumenten wollten sich nicht mehr von der Industrie täuschen lassen. «Dazu haben Produkte geführt, die als gesund beworben wurden, im Kleingedruckten aber genauso fettig und zuckrig waren wie offiziell ungesunde Produkte.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Theorie & Praxis am 01.09.2016 14:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Scho easy

    Kein problem, bleibt mir mehr fleisch übrig. Ich glaube bei diesem wetter grillier ich mir ein schönes steak heute.

  • JonSnow am 01.09.2016 14:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Privatangelegenheit

    Essverhalten ist wie Religion oder ein Penis. Man kann darauf stolz sein, es ist aber was Individuelles und man sollte nicht in der Öffentlichkeit damit rumwedeln und prahlen.

  • Der Frühstückskoch am 01.09.2016 14:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leben und Leben lassen

    Lasst uns Fleischesser in Ruhe, dann lassen wir euch Veganer in Ruhe. Wir werden eh alle sterben. Auf die paar Jahre mehr oder weniger kommt es nicht an.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Meerschweinchen am 02.09.2016 12:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Steak und Gemüse lecker

    Ich hab ganz gern mal ein saftiges feine Steak aufm Teller. Mmh... Feiiiin mit Gemüse sehr lecker und fleisch sollte auch auf dem Teller sein wenn man diät macht, da der Mensch nun mal tierische Eiweise benötigt.

  • Wakka am 02.09.2016 11:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rinds-Entrecote

    300g , freue mich schon auf heute Abend. An die Veganer : fast in alles hat es Tier spuren, also wenn Ihr kein Fleisch isst, dann lasst bitte auch shampoos, nagellack, lippenstift, alles was klebt und so weitere sachen in ruhe. Noch ein Tipp: macht weiter so und in der Zukunft wird man ganz bestimmt weniger Tieren töten.

  • Meerschweinchen am 02.09.2016 10:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bild 12

    Sagt die Zukunft voraus so siehste in 20 jahre aus wenn du nie Fleisch isst. ;-D

  • Peter Fox am 02.09.2016 08:16 Report Diesen Beitrag melden

    OK Vegan

    Vegan zu leben ist ja okay, soll jeder machen wie er will, ebenso vegetarisch oder Paleo oder was auch immer. Aber warum muss man anderen etwas aufzwängen wollen? Genau daher kommt doch danach die Abneigung. Klar ist die Fleischproduktion einer der übelsten Faktoren der Klimaerwärmung, dass lässt sich nicht abstreiten. Aber andere zwingen zu wollen darauf zu verzichten ist einfach nur daneben!

  • Stefi am 01.09.2016 20:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leben und leben lassen

    Auch ich finde, man soll doch jeden das essen lassen was er mag. Das einzigste was ich nicht so genau verstehe ist, warum die veganer und Vegetarier dann ihr Essen trotzdem so aussehen lassen müssen als währe es Fleisch? Wie z.B vegetarische Würstchen oder Burger. Manchmal ist die Welt schon etwas verdreht.

    • Dominik am 02.09.2016 09:12 Report Diesen Beitrag melden

      Dominik

      Es geht ja nicht um das aussehen, gewissen fällt es so einfach einfacher zu essen, aber meist werden solche Artikel vermehrt von Neueinsteigern gekauft. Sondern um die Tiere, die Umwelt und die Gesundheit. Um das alles besser zu Verstehen empfehle ich den Film Cowspiracy, Forks over Knives oder Earthlings. In allen sind wissenschaftliche Texte vorhanden.

    • Greg am 02.09.2016 09:19 Report Diesen Beitrag melden

      @Stefi

      Vielleicht, weil Veganer auch gerne Würstchen und Burger essen, sich aber Ihr Motto "Leben uns leben lassen" wirklich zu Herzen genommen haben und deshalb darauf verzichten, dass für ihr Essen Tiere leiden und sterben müssen.

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