Nachwuchstalent Elia (13)

23. Mai 2019 09:14; Akt: 23.05.2019 10:11 Print

«Ich fuhr schon als Zweijähriger Rennkart»

von Zora Schaad - Der 13-jährige Elia Sperandio fährt in seinem Kart allen davon. Der Junior-Schweizer-Meister erzählt, warum er trotz hoher Geschwindigkeiten keine Angst hat.

Der 13-jährige Kartfahrer Elia Sperandio ist mit zwei Jahren zum ersten Mal Kart gefahren. Auf der Rennstrecke ist er nicht zu bremsen. (Video: T. El Sayed)
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Sein Talent fiel dem Vater schon auf, als Elia auf dem Bobby-Car durch die Wohnung fuhr und Geschwindigkeiten und Kurven intuitiv im Griff hatte. Also setzte Roger Sperandio sein Söhnchen mit zwei Jahren zum ersten Mal in einen Kart – und brachte ihn vor lauter Begeisterung kaum mehr raus.

Doch kaum ein Jahr später weinte das Kleinkind in seinem Fahrzeug: nicht aus Angst. Nicht, weil er sich verletzt hatte. Nicht, weil er lieber spielen wollte. Sondern weil ihm sein Kart zu langsam war.


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Heute ist Elia Sperandio 13 Jahre alt, hat bei den Schweizer Meisterschaften in der Kategorie Super-Mini 2017 den ersten Platz geholt, 2018 folgte der Titel auf Junior-Stufe. Die Ausscheidung für das laufende Jahr ist in vollem Gang – und Elia mischt bisher auch dieses Mal ganz vorne mit. «Mir gefällt das sehr, das Rennfeeling, die Geschwindigkeit, die Technik und etwas mit meinem Vater zu unternehmen», so das Nachwuchstalent aus Mels.

«Ich möchte wie Sebastian Vettel fahren»

Elia träumt davon, eines Tages in der Formel 1 zu fahren wie sein Idol Sebastian Vettel. Und falls das nicht klappt? «Dann bleibt es bei einer Lehre und ich arbeite wie jeder andere auch.» Für den Erfolg arbeitet der Teenager hart. Fast jedes Wochenende ist er mit seinem Vater unterwegs, fährt mit dem Wohnmobil zu Rennstrecken in der Schweiz oder im angrenzenden Ausland.

Auch der Vater, ein gelernter Automechaniker, investiert viel. Häufig arbeitet er am Abend an Elias Praga-Kart, justiert, schraubt und ölt das 9000-Franken-Fahrzeug. Viel Zeit für anderes bleibt Vater und Sohn nicht.

«Angst macht einen langsamer»

«Schule, Hausaufgaben, Freunde treffen, Kart fahren: Alles geht grad noch so auf», sagt Elia. Er wirkt gelassen, Nervosität vor Rennen kennt er nicht, auch Angst nicht, obwohl er Geschwindigkeiten von bis zu 125 km/h erreicht. «Früher war ich manchmal nervös, aber das hat sich gelegt. Und Angst darf man sowieso keine haben, sie macht einen nur langsamer.»

Er brauche weder Rituale noch Glücksbringer, so der Rennfahrer. «Aber im Wohnmobil, mit dem wir zu den Rennen unterwegs sind, fährt immer noch mein Plüschtier mit.»

Elia wirkt routiniert, aber alles andere als arrogant. Die Frage nach Fans macht ihn verlegen. «Bis jetzt habe ich keine Fans und habe noch nie Autogramme gegeben. Aber ja, ich würde mich schon über Fanpost freuen.»

Dass er so jung schon so erfolgreich ist, weckt auch Neid. «Als ich jünger war, so vier, fünf Jahre alt, wurde ich von älteren Fahrern schräg angeschaut, wenn ich sie mit meinem kleinen Kart überholt habe. Es gab auch einige, die einen Crash gebaut oder in die Box rausgefahren sind, damit sie sich nicht von mir überholen lassen mussten.»

«Dass ich keine Lust aufs Fahren habe – das gab es noch nie»

Schon fünfmal stand Elia bei einer Meisterschaft zuoberst auf dem Podest. «Ein sehr gutes Gefühl, man weiss, man hat etwas erreicht.» Ob ihn auch etwas nerve an seinem Sport? Elia überlegt und verneint dann. «Blöd ist nur, wenn am Kart etwas nicht läuft. Aber dass ich keine Lust aufs Fahren habe – das gab es noch nie.»