Zuppiger verteidigt sich

09. Dezember 2011 12:09; Akt: 09.12.2011 14:35 Print

«Ich habe alles getan, was ich tun konnte»

Er habe nie etwas Unrechtes gemacht, beteuert der unsanft gestoppte Bundesratskandidat Bruno Zuppiger in einem Interview. Fehler gesteht er zwar ein, belastet aber vor allem einen Angestellten.

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Sichtlich konsterniert: SVP-Nationalrat Bruno Zuppiger gibt an der Medienkonfernz vom 8. Dezember in Bern den Rückzug seiner Kandidatur als Bundesrat bekannt. (Bild: Reuters)

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Ja, er gebe Fehler zu, sagt der gescheiterte SVP-Bundesratskandidat Bruno Zuppiger in einem Interview mit der «Aargauer Zeitung». Dennoch betont er, dass er sich in der ihm vorgeworfenen Erbschaftsaffäre nie habe bereichern wollen.

«Einer meiner Mitarbeiter hat das Mandat betreut», erklärt Zuppiger. Weil er in seinem Betrieb wegen der Politik viel abwesend sei, müsse er seinen Mitarbeitern vertrauen. Allerdings trage er die Verantwortung für das Unternehmen: Für die Versäumnisse in seinem Unternehmen «stehe ich grad und entschuldige mich».

Klageandrohung zwei Tage lang verpasst

Er sei davon ausgegangen, dass die umstrittene Erbschaft längst abgeschlossen gewesen sei, sagte der Zürcher SVP-Nationalrat. 2009 habe ihn die Gegenpartei darauf aufmerksam gemacht, dass das nicht so sei. Weil der mit der Sache betraute Mitarbeiter zu diesem Zeitpunkt bereits pensioniert gewesen sei, habe er die Unterlagen aufgearbeitet und eine gegenseitige Vereinbarung mit der Gegenpartei getroffen.

Doch wie kam es dann zu der Klage? Der Gegenpartei sei sein Angebot zu wenig gewesen und sie habe unter Klageandrohung Nachverbesserungen innert zweier Tage verlangt. «Weil ich zu diesem Zeitpunkt an einer Kommissionssitzung in Neuenburg war und meinen Laptop nicht dabei hatte, ging das an mir vorbei», so Zuppiger.

«Erschüttert und enttäuscht»

Zuvor habe der betreffende Mitarbeiter alles mit der Gegenpartei verhandelt. Dieser sei es auch gewesen, der über die Hälfte des Erbes als Honorar verrechnet habe. «Ich weiss nicht, wieso er so vorgegangen ist», sagt Zuppiger. Er sei jedoch darüber «zutiefst erschüttert und enttäuscht gewesen».

Auf die Frage, ob er gewusst habe, dass ein Erbteil auf eines seiner Konten ausbezahlt worden sei, sagte Zuppiger, er wolle nicht auf Details eingehen, da er sich an die Schweigeverpflichtung gebunden fühle. Er habe gewusst, dass ein Erbteil auf ein separates Konto überwiesen worden sei.

Dass er die Überweisung von 100 000 Franken selbst unterzeichnet habe, sei richtig, hielt Zuppiger jedoch fest. Der Mitarbeiter habe ihm das Dokument zur Unterschrift vorgelegt. «Da habe ich Verantwortung zu übernehmen.» Bereichern wollen habe er sich aber nicht. Die Angelegenheit sei vor einem Jahr gütlich abgeschlossen worden.

«Nicht an Abmachung gehalten»

Warum die Geschichte trotz Stillschweigevereinbarung ans Licht kam, kann sich Zuppiger nicht erklären. «Irgendjemand hat sich nicht an die Abmachung gehalten», ist er überzeugt. Allerdings hätten von der Sache nur die oberste Parteispitze der SVP, nämlich vier Personen, gewusst: Parteipräsident Toni Brunner, Fraktionsvorsitzender Caspar Baader, Vizepräsident Christoph Blocher und Generalsekretär Martin Baltisser.

Zuppiger bekräftigte im Interview, dass die «Weltwoche», die den Fall am Mittwoch publik gemacht hatte, nicht aus Kreisen der SVP informiert worden sei. Doch: «Wer immer das gemacht hat, will mich als Bundesrat verhindern.» Die Information müsse von einem Involvierten gekommen sein, der über die Akten zum Fall verfüge.

Frage nach rechtlichen Schritten offen

Offen liess Zuppiger, ob er nun seinerseits rechtliche Schritte einleiten wird. «Ich muss das mit meinem Anwalt und mit meiner Partei besprechen», sagte er. Es gebe keine weiteren Fälle, die noch ans Tageslicht kommen könnten, versicherte er. «Es gibt noch den Vorwurf, ich sei Waffenhändler. Aber das ist absurd.» Man habe ihn immer wieder desavouieren wollen. «Es ist nie gelungen.»

Er stehe gut da, habe bei niemandem Schulden oder je etwas Unrechtes getan. «Sonst wäre ich heute auch nicht da, wo ich bin.» Auch rückblickend auf die Affäre, die ihn nun vorzeitig zu Fall brachte, findet er: «Ich habe alles, was ich zur Regelung dieses Falles machen konnte, auch gemacht.»

(reh/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bruno Petzer am 09.12.2011 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    Schweigeverpflichtung

    Schweigeverpflichtung wenn es um die eigene Person geht, Ja! Gilt komischerweise aber nicht bei seinem Mitarbeiter, über den kann man fast alles ausbringen!

  • Johan Ritter am 09.12.2011 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    10 Jahre ist zu lunge!!!

    Nach 10 Jahren muss wohl einer den Kopf hinhalten und das ist der Chef, also Zuppiger. Der ehemalige Mitarbeiter soll auch den Kopf hinhalten.

  • Nella Müller am 09.12.2011 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts gemacht...

    "I ha de nüt gmacht!" Wie immer waren es die Anderen! Er muss aus seinem politischen Amt zurücktreten!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Raphael am 09.12.2011 14:19 Report Diesen Beitrag melden

    super 20 Minuten

    und bei Carl Hirschmann hat 20 Minuten jeweils geschrieben "Es besteht die Unschuldsvermutung".. und hier, zieht ihr jemanden wegen einem artikel in der weltwoche runter..

  • Mario Madureira am 09.12.2011 14:13 Report Diesen Beitrag melden

    Schämen Sie sich Herr Zuppiger

    Erst als nach jahren ProSenectute und die Krebsliga mit einer Strafanzeige gedroht haben - hat er das Geld von seinem Privatkonto ausbezahlt. Schämen Sie sich.

  • Remo Zysset am 09.12.2011 14:05 Report Diesen Beitrag melden

    Wie immer

    Es ist immer einfacher, die Angestellten zu belasten. Hat doch der Chef letztlich die Verantwortung und Pasta! Rechtfertigungen sind ziemlich fehl am Platz. Ich wünsche Herr Zuppiger jedenfalls alles Gute in seiner Polit-"Karriere"

    • Beat Müller am 09.12.2011 16:22 Report Diesen Beitrag melden

      E Guete ...

      ... mit Ihrer PASTA!

    einklappen einklappen
  • Dani Andres am 09.12.2011 14:01 Report Diesen Beitrag melden

    Alles Kalkuliert!!

    Höre ich immer wieder" habe alles getan um den Fall zu Regeln" wird systematisch gemacht, meldet sich der "Geschädigte" wird probiert ein Vergleich zu erzielen, um ja nicht vor Gericht gehen zu müssen. Alles Kalkulation ist bei vielen gängige Geschäftspraktik z.B in der Finanzwelt

  • berei am 09.12.2011 13:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rechtliche Schritte??

    Herr Zuppiger Sie erwägen rechtliche Schritte? Nun hat die svp jeden bezug zur Realität verloren. Vieleicht hilft ein Kurs "Betreutes Denken...