Giezendanner entschuldigt sich

20. Oktober 2008 12:23; Akt: 20.10.2008 12:34 Print

«Ich lege die Uhr unter die Werkstattpresse»

von Lukas Mäder - Wirbel um eine 15-Franken-Uhr: Nationalrat Ulrich Giezendanner hat eine gefälschte Rolex in die Schweiz geschmuggelt und davon erzählt. Jetzt sieht er den Fehler ein und zieht die Konsequenzen.

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Ulrich Giezendanner wirkt zerknirscht: «Ich habe einen Blödsinn gemacht und muss dazu stehen.» Deshalb hat sich der Aargauer SVP-Nationalrat heute entschuldigt. Grund für seine Reue ist eine gefälschte Schweizer Uhr, die er für 15 Franken in Dubai gekauft hat. Um welche Marke es sich dabei handelt, weiss Giezendanner nicht mehr genau: «Ich glaube, es ist eine Rolex.» Gerne erinnert hat er sich in der «SonntagsZeitung», wie er die Uhr über die Grenze geschmuggelt hat: «Ich war dabei tatsächlich ziemlich nervös. Ich hatte die Uhr am Zoll in der Hosentasche.»

Nationalrat als Gesetzesbrecher

«Ich habe beim Kauf nicht gewusst, dass ich die Uhr nicht einführen darf», sagt Giezendanner. Nervös sei er am Zoll gewesen, weil er die Uhr nicht deklarierte. Inzwischen ist der Nationalrat aufgeklärt: Seit dem 1. Juli ist es auch Privatpersonen verboten, gefälschte Markenartikel in die Schweiz zu nehmen. Deshalb gebe es keine Ausreden, so Giezendanner: «Ich bin alleine schuld.» Ein Nationalrat, der in der Öffentlichkeit steht und gegen Parallelimporte ist, könne das nicht machen.

Deshalb kam heute der Sinneswandel: «Ich habe mich bei Stop Piracy und beim Verband der Uhrenindustrie entschuldigt», sagt Giezendanner. Dort stiess er auf offene Ohren: «Ich habe die Entschuldigung angenommen», sagt Yves Bugmann, Leiter der Rechtsabteilung beim Uhrenverband FH. «Gewisse Leute denken, bei Fälschungen handle es sich um einen Spass.» Doch dahinter stünden meist das Organisiserte Verbrechen und Kinderarbeit. «Deshalb muss man das Bewusstsein in der Bevölkerung noch verbessern,» sagt Bugmann.

Zerstörungskation in der LKW-Werkstatt

Giezendanners gefälschte Uhr trägt dazu einen Teil durch ihre Medienpräsenz bei. Doch eine mediengerecht inszenierte Zerstörungsaktion mit einem seiner Sattelschlepper will der Fuhrhalter nicht durchführen. «Ich werde die Uhr unter die Werkstattpresse legen, damit sie wirklich platt ist», sagt er. Giezendanner hat seine Lektion gelernt: «So einen Blödsinn mache ich nie mehr.»