Begnadigung von Christian Klar

24. November 2008 14:49; Akt: 24.11.2008 15:47 Print

«Ich muss mit dem Entscheid leben»

von Amir Mustedanagic - Nach 26 Jahren in Haft kommt der ehemalige RAF-Terrorist Christian Klar im Januar 2009 frei. Das hat ein Gericht in Stuttgart entschieden. 20 Minuten Online sprach mit einem, der 1979 in den Lauf des Terroristen blickte - dem Zürcher Stadtpolizisten Bernhard Pfister.

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1979 überfiel Christian Klar mit drei anderen RAF-Terroristen die Schweizerische Volksbank in Zürich. Die Täter flüchteten Richtung Hauptbahnhof. In der Ladenpassage Shopville kam es zum Schusswechsel mit der Polizei. Eine unbeteiligte Passantin starb im Kugelhagel. Auch der Polizeibeamte Bernhard Pfister wurde von drei Kugeln getroffen und schwer verletzt.

Heute Montag, 29 Jahre nach den Ereignissen wurde bekannt, dass der mutmassliche Schütze, Christian Klar, im Januar 2009 in die Freiheit entlassen wird. 20 Minuten Online sprach mit Bernhard Pfister über den Entscheid.

20 Minuten Online: Herr Pfister, heute wurde bekannt, dass Christian Klar entlassen wird. Trifft sie das?
Bernhard Pfister: Nein. Ich mache mir nicht mehr viele Gedanken über die Ereignisse von damals. Die Sache ist ja lange her.

Wühlt Sie die Situation nicht auf? Immerhin haben Sie gesagt, dass es Klar sein könnte, der auf Sie schoss.
Ich habe mit den Ereignissen von damals bereits abgeschlossen. Andere Leute, die geschädigt wurden oder deren Familien betroffen waren vom Terror der RAF, denken da bestimmt anders. Ich kann mit dem Entscheid leben.

Finden Sie den Entscheid gar nicht diskutabel?
Ich gehe davon aus, dass Klars Entlassungsgesuch geprüft wurde und der Entscheid seine Richtigkeit hat. Folglich muss ich ihn auch annehmen. Wenn ich so einen Entscheid nicht anerkennen würde, würde ich den Rechtsstaat nicht anerkennen. Und dann wäre ich bei der Polizei am falschen Ort.

Warum sollten Sie als Polizist mit dem Gerichtsentscheid weniger Mühe haben denn als Privatperson?
Die meisten Leute – das behaupte ich jetzt einfach mal – wählen den Polizeiberuf aufgrund eines Verlangens nach Gerechtigkeit. Dabei muss man früh anerkennen, dass es für Gerechtigkeit immer eine Grundlage braucht. Man muss lernen, damit zu leben, dass es manchmal auch einen Freispruch gibt, weil ein Beweis fehlt. Oder eben, dass ein Täter in einem Rechtsstaat seine Zeit irgendwann abgesessen hat.

Gilt das auch für einen Terroristen wie Klar?
Christian Klar war ein skrupelloser Terrorist – ganz klar. Aber bei allen ist die Strafe einmal abgesessen. Zudem wäre es etwas anderes, wenn er noch gefährlich wäre. Aber er muss sich ja geändert haben, sonst würde er nicht herausgelassen.

Denken Sie, ein Mann wie Klar kann sich überhaupt ändern?
Ein solches Urteil können nur diejenigen fällen, die mit ihm gesprochen haben. Ich habe nie mit ihm persönlich gesprochen, deshalb kann ich mir auch kein Bild machen, wie er heute ist. Letztlich ist es die Entscheidung derjenigen, die die Entlassung erlassen haben. Die werden bestimmt ihre Gründe haben, dass sie ihn jetzt freilassen.

Der deutsche Bundespräsident Horst Köhler hat vor gut einem Jahr Klars Antrag auf Begnadigung noch abgelehnt. Jetzt ist die Situation offenbar plötzlich anders. Können Sie sich das erklären?
Köhler hatte bestimmt seine Gründe, dass er ihn nicht begnadigte. Das wird heute genauso der Fall sein, dass sie ihn entlassen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass sich jemand in einem Jahr mehr ändert als in den 26 Jahren zuvor. Letztlich bleibt mir aber nichts übrig, als den Entscheid anzuerkennen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Deutscher In der Schweiz am 24.11.2008 17:03 Report Diesen Beitrag melden

    Unfassbar, unverständlich

    Unverständlich und ein hohn für jedes Menschenleben was die rote terrororganisation RAF auf dem Gewissen hat. Die Stuttgarter Richter gehören entlassen und weggesperrt, genau wie dieser Mörder Klar und seine Bande. Unfassbar.

  • peter müller am 24.11.2008 17:33 Report Diesen Beitrag melden

    Auf Staatskosten für immer

    Herr Pfister konnte abschliessen, was nicht selbstverständlich ist. Klar kommt nun mit 56 Jahren aus dem Gefängnis. Wozu? Was wird er tun? Wohl gleich in Frührente gehen. Der Staat (die Steuerzahler), den er so erbarmungslos bekämpfte, wird ihn wohl bis ans Lebensende weiter finanzieren müssen. Fürw

  • Beat Caduff am 25.11.2008 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Zeiten ändern sich..

    Vor fast 30ig Jahren kannten wir weder Internet noch hatten wir schnurlose Telefone etc. Was sagt uns das..? Zeiten ändern sich und Menschen mit ihren Ideologien auch. Der deutsche Staat und Gesetz hat sich nicht zuletzt auch wegen der RAF verändert. Ch. Klar hat sich bestimmt auch verändert und sol

Die neusten Leser-Kommentare

  • hjca am 19.12.2008 13:43 Report Diesen Beitrag melden

    eine schande

    dieses gerichtsurteil ist eine absolute schande, so ein uneinsichtiger mörder gehört lebenslang hitter gitter!!!!!!

  • Sigi Huber am 19.12.2008 13:35 Report Diesen Beitrag melden

    Alle Achtung

    Alle Achtung vor so einem Polizist wie Herr Pfister.Ich wünsche ihm alles gute.

  • Sordi am 25.11.2008 11:20 Report Diesen Beitrag melden

    schade

    Schade ist nur, dass die reisserischen Medien Klar sofort zu einem Star machen werden und er sich auch noch eine goldene Nase verdient. Auf diese Weise wird er nicht nur seine extremistische Haltung publik machen können, er wird mit seine Verbrechen auch noch ein Vermögen verdienen!

  • Beat Caduff am 25.11.2008 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Zeiten ändern sich..

    Vor fast 30ig Jahren kannten wir weder Internet noch hatten wir schnurlose Telefone etc. Was sagt uns das..? Zeiten ändern sich und Menschen mit ihren Ideologien auch. Der deutsche Staat und Gesetz hat sich nicht zuletzt auch wegen der RAF verändert. Ch. Klar hat sich bestimmt auch verändert und sol

  • Adrian am 24.11.2008 22:59 Report Diesen Beitrag melden

    Heuchelei

    Und alle die nach härteren Strafen schreien beten täglich ihr Unservater: "...wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.."