Adventskalender-umgekehrt

07. November 2019 18:10; Akt: 08.11.2019 07:46 Print

«Ich musste weinen, als ich den Inhalt sah»

von Qendresa Llugiqi - Mit ihrem Projekt Adventskalender-umgekehrt greift die alleinerziehende Mutter Julia Nickel (37) mit ihren Helfern anderen Armen unter die Arme. Eine von ihnen ist Sara Ullrich.

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Die zweifache Mutter Julia Nickel (37) bietet Hilfesuchenden mit ihrem Projekt Adventskalender-umgekehrt Direkthilfe in Form von Fresspäckchen an. Letztes Jahr hat auch die alleinerziehende Mutter Sara Ullrich (38) aus Gettnau LU durch das Projekt ein Paket voller Lebensmittel erhalten. «Ich musste weinen, als ich den Inhalt sah. Mein Helfer hatte sich richtig Mühe gegeben. Das Paket war mit Liebe gemacht.» Neben Esswaren wie Nudeln, Reis und Kartoffeln habe es auch etwas Süsses für ihren 13-jährigen Sohn gehabt. «Wir bekamen sogar persönliche Geschenke.»

Ullrich stehen nach eigenen Angaben zusammen mit ihrem Sohn 1490 Franken im Monat zur Verfügung. Geld erhält sie vom Sozialamt. Weil sie gehbehindert ist, kämpft sie mit der IV um eine Rente. Auch ihrem Sohn geht es gesundheitlich nicht gut. «Im Alter von zwei Monaten hatte er eine Hirnhautentzündung, die dann weitere Folgen – wie etwa Epilepsie – mit sich brachte. Wir lebten die ersten drei Jahre praktisch im Spital.» Seither ist ihr Sohn auf den Heilpädagogischen Dienst angewiesen. «Er ist so ein tolles Kind. Durch die Entzündung wurde jedoch alles schwieriger: Er leidet an ADHS, ist ab und zu aggressiv und sehr fordernd.» Auch sie werde wegen ihrer Gehbehinderung im Paraplegiker-Zentrum behandelt.

Schlimmster Monat: der Dezember

«Normalerweise wären wir im Minus, vor allem, wenn wir Spezialausgaben haben, wie etwa für Medikamente, die wir im Voraus bezahlen müssen oder für Billette, um die Therapien wahrnehmen zu können», sagt Ullrich. Verschiedene Leute würden ihnen mit Fresspäckchen jeweils über die Runden helfen. «Dadurch können wir etwas beim Essen einsparen und rutschen nicht ins Minus.»

Der schlimmste Monat im Jahr sei jedoch der Dezember. «Natürlich will ich meinem Sohn schöne Feiertage schenken. Er soll sie wie jedes andere Kind geniessen», sagt Ullrich. «Dazu gehört, dass es nach Weihnachten aussieht und ein tolles Essen auf dem Tisch steht. Vielleicht auch ein Geschenk.» Dies seien jedoch alles Extrawünsche, die sie sich nicht leisten könnten. Bereits jetzt mache sie sich Sorgen, wenn sie an das Jahresende denke: «Ich weiss nicht, wie diese Feiertage werden», sagt Ullrich unter Tränen. Deshalb mache sie auch dieses Jahr beim Adventskalender-umgekehrt mit. «Letztes Jahr konnte ich mit den geschenkten Lebensmitteln drei Viertel eines Monats überbrücken. Es war eine Erleichterung für mich und meinen Sohn.»