Leser im Virusgebiet

12. Februar 2020 04:55; Akt: 12.02.2020 04:55 Print

«Ich stecke hier in China fest»

von Julia Ullrich - Das Coronavirus hat China fest im Griff. Tausende Arbeiter sind infiziert, Firmen müssen den Betrieb einstellen, Touristen stecken fest. Zwei Leser berichten über die Situation vor Ort.

Die Situation in der unter Quarantäne stehenden Stadt Wuhan. Stand: 01.02.2020. (Video: Tamedia)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Seit Ende Januar herrscht auch im Süden Chinas eine Ausnahmesituation: «Die Menschen hier haben Angst. Einige gehen gar nicht mehr vor die Tür», sagte der 28-jährige Schweizer G.* damals gegenüber 20 Minuten. Vor rund zwei Jahren ist er nach China ausgewandert und hat in der Region Guangdong (rund 800 Kilometer von Wuhan entfernt) einen Betrieb aufgebaut. Zwei Wochen später hat sich die Situation eher verschlimmert. «Nun gibt es auch hier in meiner Umgebung rund 300 bis 400 Infizierte», so der 28-Jährige. Nach offiziellem Stand gibt es in der ganzen Region Guangdong über 1000 Infizierte und einen offiziellen Todesfall. Ein Mundschutz sei mittlerweile Pflicht.

Umfrage
Bereiten Sie sich auf das Coronavirus vor?

14 Tage selbstorganisierte Quarantäne

Die Lebensmittelversorgung funktioniere im Moment zwar noch, seinen Betrieb musste der Auswanderer aber kurzzeitig schliessen. «Die chinesische Regierung hat derzeit Anweisungen gegeben, dass Leute die ausserhalb von Guangdong zur Arbeit zurückkehren, zwei Wochen unter Quarantäne müssen.» Da viele von G.s Arbeitern aus der Stadt kommen, trifft es seinen Betrieb hart. Zudem müssten die Personen die Quarantäne selbst organisieren.

«Also musste ich für die Arbeiter Zimmer mieten und sie dort unterbringen. Bis sie wieder arbeiten können, dauert es noch.» Auch seine Lieferanten würden derzeit nicht arbeiten. Der 28-Jährige rechnet damit, dass sein Betrieb noch bis mindestens nächste Woche geschlossen bleibt. Eine Rückkehr in die Schweiz zieht G. derzeit nicht in Betracht.

Ehefrau und Kinder in Stadt eingeschlossen

Auch der 71-jährige Solothurner R.S.* ist noch vor Ort. Seit rund 35 Jahren reist der Rentner regelmässig geschäftlich und privat nach China. Derzeit befindet er sich in der Region Sanya, eine Insel in Süd-China. «In den letzten Tagen hat man hier fast alles dicht gemacht. Auf dem Flugplatz nebenan gehen kaum noch Flüge und auch die grosse Golfanlage wurde auf unbestimmte Zeit geschlossen», sagt S. gegenüber 20 Minuten.

Da er rund 2000 Kilometer von der Region Wuhan weit weg wohnt, konnte er sich Anfang Februar nicht mit den restlichen Schweizern evakuieren lassen. «Ich bin hier ganz allein. Meine chinesische Frau ist mit unseren Kindern und Enkelkindern über chinesisch Neujahr zum Feiern in die Stadt Changchun, im Norden Chinas, gefahren. Seit rund fünf Wochen habe ich sie nun jetzt nicht mehr gesehen, da danach die Städte abgeriegelt wurden», erzählt der Schweizer. Kontakt hätten die beiden seither nur über Facetime und Skype.

Rückflug noch unklar

Mehrere chinesische Regionen, wie etwa Hubei oder Sanya, haben in den letzten Tagen Ausgangssperren verhängt. «Lebensmittel können nur noch alle zwei Tage von einer Person aus der Familie bezogen werden. Man muss jeweils einen Zettel ausfüllen und diesem dem Wachdienst überreichen – als Kontrolle sozusagen. Es ist wie Hausarrest, ich sitze hier in China fest», so S. Der 71-Jährige vermutet, dass es bald eine generelle Ausgangssperre geben wird und man alle Lebensmittel nur noch online bestellen könnte. Nach offiziellen Zahlen soll es in Hainan, in der Nähe von Sanya, über 100 Infizierte und drei Todesfälle gegeben haben.

Der erster Rückflug des Rentners wurde kurzzeitig storniert. Wenig später beschlossen viele Airlines Flughäfen in China nicht mehr anzufliegen. «Nun habe ich endlich ein neues Ticket für den 6. März bekommen. Ich würde mit China Airlines von Peking nach Genf und dann von Genf nach Zürich fliegen», sagt S. Seine Frau hingegen will am 1. März den Flug nach Deutschland antreten. Doch auch hier ist unklar, ob die Flüge überhaupt stattfinden werden.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Michel am 12.02.2020 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer wieder faszinirend

    Wie eine Regierung 1.4 Milliarden Menschen unter Kontrolle halten kann. Bin überzeugt, bei uns würde sich nicht mal ein Dorf mit 200 Einwohnern an die Regeln halten.

    einklappen einklappen
  • Emmanuelle am 12.02.2020 05:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dort bleiben

    Auf diesen netten Auswanderer Rentner wartet die Schweiz??!! Soll dort bleiben.

    einklappen einklappen
  • mohd am 12.02.2020 06:16 Report Diesen Beitrag melden

    ......

    Bleiben Sie um Gottes Willen dort. Das fehlt noch, dass durch solche Leute der Virus in die Schweiz kommt. Dort behandeln lassen bitte.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Frederic am 12.02.2020 18:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    VIEREN

    Vieren kann man züchten, es gibt einige Labors die dazu befähigt sind dies zutun. Was mir auffällt ist, dass Amerika sich relativ ruhig verhält. Den Amerikanern kann es ja schliesslich recht sein, dass die Chinesische Wirtschaft lahmt. Mehr dazu will ich nicht sagen.

  • Ma2006 am 12.02.2020 17:57 Report Diesen Beitrag melden

    dann halt

    Der arme 71 jährige. Na, dann jetzt einfach mal Tee (ohne Zucker) trinken, Schach spielen und abwarten was passiert. Geduld ist doch die Philosophie der Chinesen.

  • Steuer Zahler am 12.02.2020 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    ui, hängen geblieben?

    ja, shit happens. Macht aber Niochts, wir bezahlen keine Sonderheimreise.

  • kranke welt am 12.02.2020 15:08 Report Diesen Beitrag melden

    globalisierung

    diese verfluchte globalisierung hat ihre ärgste schattenseite gezeigt. wieviele tote man deswegen noch in kauf nimmt, auch in europa, bleibt abzuwarten. der virus ist schon bei vielen angekommen, die nicht mal wissen, angesteckt zu sein.

  • Schwupps am 12.02.2020 14:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sollen wegbleiben!

    Wer braucht denn diese Beiden hier? Sollen nun auch noch dort bleiben und einfach abwarten!