«Eis go zieh mit ...»

17. Juni 2014 20:50; Akt: 17.06.2014 22:42 Print

«Ich trenne Politik und Privates sehr strikt»

von S. Marty - Es ist seine erste Session als Nationalrat: Dennoch hat sich der Präsident der Zürcher FDP, Beat Walti, in Bern schon einen Namen gemacht.

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Verwechselt noch dann und wann einen Politiker in der Wandelhalle: FDP-Nationalrat Beat Walti.

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Er kam in den Nationalrat und hat sogleich von sich reden gemacht – Beat Walti, Präsident der Zürcher FDP, und seit dieser Session Mitglied der grossen Kammer. Zu seiner Vereidigung brachte der 45-Jährige seine Frau und die Kinder mit, die ihm anschliessend durch die Wandelhalle zum Ratssaal folgten. «Ich wusste, ich werde so etwas Spezielles in meiner Karriere nicht mehr erleben, also wollte ich, dass meine Kinder diesen Moment mit mir teilen.» Wer jetzt allerdings glaubt, Walti wolle in Bundesbern neue Gepflogenheiten einführen, der irrt: «Das war eine absolute Ausnahme, normalerweise trenne ich Politik und Familie sehr strikt.»

Obwohl der FDP-Neo-Nationalrat 14 Jahre im Zürcher Kantonsparlament sass, haben seine Kinder den Ratssaal nie von innen gesehen. «Ich will sie nicht noch mehr zu öffentlichen Personen machen – schon jetzt werden sie in der Schule oft wegen der öffentlichen Auftritte ihres Vaters angesprochen.»

Solch ein Gespräch sei für ihn denn auch das höchste der Gefühle. Niemals würde der Familienvater etwa einer Homestory zustimmen und zu viel von seinem Privaten preisgeben – nur so viel verriet er beim Treffen im Café des Alpes einen Stock unter dem Ratssaal: Bei ihm zu Hause laufe das Familienmanagement noch eher nach traditionellen Vorstellungen ab. Seine Frau ist zwar wie er Rechtsanwältin und berufstätig, was er auch sehr unterstütze. «Da sie aber nur 50 Prozent angestellt ist und kein so ausfüllendes Hobby hat wie ich, managt sie den ganzen Haushalt und die Organisation rund um die Kinder», erzählt Walti.

«Alles ist viel komplexer»

Mit Hobby meint der Zürcher sein Engagement in der Politik – ein Hobby, das er, um es nicht falsch zu verstehen, jedoch sehr gewissenhaft verfolgt. Kurz nachdem er sich zum Treffen in den Sessel niedergelassen hat, summt denn auch schon sein Pieper auf dem Tisch: «Entschuldigen Sie mich bitte kurz, ich muss zur Abstimmung schnell nach oben rennen.» Er wolle schliesslich nicht schon in der ersten Woche negativ auffallen.

Auffallen, dies scheint in der Tat nicht Waltis erste Priorität zu sein. Er wirkt überlegt, wählt seine Worte mit Bedacht und stellt laut eigenen Aussagen lieber die Sache statt seine Person in den Vordergrund. Da war man sich von einem seiner Vorgänger Filippo Leutenegger auch anderes gewohnt.

Und so fokussiert sich Walti bei seinen ersten Schritten in Bundesbern voll und ganz auf den Politbetrieb: Obwohl dem überzeugten Milizpolitiker – er will auch künftig als Anwalt seine Klienten beraten – das Bundeshaus nicht ganz fremd ist, gibt es da und dort noch Nachholbedarf. «Alles ist viel komplexer, umfassender und grösser, als es im Kantonsparlament war», sagt Walti und grüsst einen vorbeilaufenden Parlamentskollegen. «Oh, das war jetzt nicht der, für den ich ihn gehalten habe», schmunzelt er etwas verlegen. Diese Politiker würden aber auch alle Ueli, Toni oder Hans heissen. «Jetzt muss ich mit ihm dann noch ein Bier trinken gehen», meint Walti, der hier in Bern aber nicht etwa den Anschluss sucht.

«Will mich nicht durchfüttern lassen»

Politik soll schliesslich Politik und Privates Privates bleiben: «Aber wissen Sie, bei einem Bier werden die wichtigsten Geschäfte vorgespurt.» Und wegen nichts Geringerem ist Walti schliesslich hier. Auf die Frage, was denn seine politischen Ziele in Bern seien, verweist der FDP-Nationalrat zwar auf die AHV-Sanierung, schiebt dann aber sogleich nach, sich nicht auf wenige Themen beschränken zu wollen: «So abgedroschen es vielleicht klingen mag, ich will ein Bürgervertreter sein und bin mir nicht zu schade, mich für alltägliche Anliegen politisch einzusetzen.»

Viel lieber, als sich hier in Bern etwa bei Lobbyveranstaltungen von morgens bis abends «durchfüttern zu lassen», reist der bodenständige FDPler zurück nach Zollikon zu seiner Familie und zu seinem Zuhause – dorthin, wo er auch «mit den Bürgern in Kontakt» komme.

Und was hat er im Heimatdorf von der ersten Session zu berichten? «Um ehrlich zu sein, die Vereidigung war schon das Speziellste dieser Woche – und da war meine Familie ja dabei.»