Le Grammont VS

12. Februar 2019 19:58; Akt: 12.02.2019 19:58 Print

«Ich überlebte acht Minuten in der Lawine»

Raphael Wellig wurde Mitte Januar von einer Lawine überrascht. Dass er heute noch lebt, verdankt er seinen Kollegen und der Air-Glaciers.

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«In 45 Jahren habe ich 2000 Skitouren unternommen, doch so etwas ist mir bisher noch nie passiert. Der Vorfall hat mich Demut gelehrt», sagt der Berner Alpinist Raphael Wellig (54). Mitte Januar stieg er mit vier Kollegen auf den Berg Le Grammont im Kanton Wallis.

Hoch über dem Genfersee habe schönes Wetter geherrscht. Die Gruppe habe rund drei Stunden vom Parkplatz bis auf den Gipfel auf 2172 Metern Höhe gebraucht. «Auf dem Video (siehe unten) sieht man, wie wir gegen Mittag die Aussicht geniessen. Da war die Welt noch in Ordnung. 30 Minuten später kämpfte ich jedoch um mein Leben.»

Gegen Mittag stand die Gruppe auf dem Gipfel des Berges Le Grammont.

Als sich die Gruppe an den Abstieg auf dem Rücken des Berges machte, schien zunächst alles gut zu laufen. «Dann entfernte ich mich rund zehn Meter von meiner Gruppe, weil ich nachschauen wollte, wie die Situation an der Flanke ist», erinnert sich Wellig. «Als ich zurück zum Rücken wollte, ging direkt über mir in rund 100 Metern Höhe eine Lawine ab. Ich konnte gar nicht reagieren.»

Er war stark unterkühlt

Die Lawine habe ihn rund 200 Meter mitgerissen: «Ich sah immer wieder den blauen Himmel und dann nichts mehr.» Er sei froh, dass er nicht in einen Felsen geprallt sei. «Im Schnee machte ich dann ein Päckli, um atmen zu können. Ich habe bewusst nicht gegen die Schneemassen gekämpft, weil ich wusste, dass ich meine Kräfte schonen musste. Bevor ich bewusstlos wurde, dachte ich noch an meine Tochter Sarah Elena und deren Mutter und ‹Meine Kollegen holen mich. Sie können das. Sie haben das oft geübt und kennen sich aus›.»

Gemäss den Aussagen seiner Kollegen lagen 120 Zentimeter Schnee auf Wellig, als sie ihn mit einem Lawinensuchgerät fanden. «Lawinenopfer sollten so rasch wie möglich gerettet werden. Ich überlebte acht Minuten in der Lawine.»

«Ich hatte eine Million Schutzengel»

Nach einer Viertelstunde seien die alarmierten Rettungskräfte der Air-Glaciers zu ihnen gestossen. Er sei stark unterkühlt gewesen, so Wellig. Seine Körpertemperatur habe 34,8 Grad betragen. «Sie packten mich warm ein und fuhren mich ins Spital in Monthey. Dort wurde festgestellt, dass ich das Ganze unversehrt überlebt hatte.»

Der Alpinist möchte seinen Kollegen und den Air-Glaciers-Rettern von Herzen danken: «Wenn die Rettungskette nicht so rasch funktioniert hätte, hätte ich da draussen keine Chancen gehabt. Ich hatte eine Million Schutzengel.»

Die Kantonspolizei Wallis bestätigt auf Anfrage von 20 Minuten, dass am 19. Januar im betreffenden Gebiet eine Person von einer Lawine verschüttet und gerettet wurde.

(qll)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Patrik W. am 12.02.2019 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schön

    Schön hat alles geklappt und er hat es gut überstanden!

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  • Studentin am 12.02.2019 20:52 Report Diesen Beitrag melden

    Gefahr nicht unterschätzen

    So etwas zu lesen macht glücklich und gleichzeitig extrem trauig. Ein Freund von mir ist letzte Woche in einer Lawine gestorben. Bei dem aktuellen Risiko sollte einfach niemand in den Bergen unterwegs sein. Egal wie erfahren.

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  • cat am 12.02.2019 21:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Denken bevor kommentieren

    Bevor allwissend schlaue Hasskommentare schreiben, wäre es gut, etwas von der Materie zu verstehen. Wer noch nie mit den Ski auf einem Berg stand, kann nicht verstehen wiso man dies als Bergsteiger einfach tun muss und dabei ein gewisses, normalerweise gut kalkuliertes Risiko eingeht. Die meisten Skitourengeher sind normalerweise gut ausgebildet, gut ausgerüstet und in einer Gruppe unterwegs. Es werden Lawienenbultins studiert, Routen geplant, vor Ort Schneeprofile bestimmt, anders gesagt, alle erdenklichen Vorsichtsmassnahmen getroffen. Nun ist es halt so wie immer, ein Restrisiko bleibt. Man kann das ganze mit Fussball spielen vergleichen, dort geht auch niemand auf den Platz der sich verletzen will. Wisst ihr eigentlich wieviele Unfalltage dieser Sport generiert? Hier stört sich aber niemand dran, das wird einfach als Normal angesehen. Zusammenfassend kann man einfach folgendes festhalten: a) der Mann hatte einfach riesen Glück b) der Mann hätte nicht überlebt ohne seine Kameraden c) die Kosten für die Rettung, hat die genau gleiche Unfallversicherung bezahlt, welche auch alle anderen Nichtbetriebsunfälle wie das Fussballspielen bezahlt

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Die neusten Leser-Kommentare

  • notes713 am 13.02.2019 08:45 Report Diesen Beitrag melden

    Selber schuld

    Ich finde es sollte keine Bergrettung geben. Dann gäbe es wohl auch nicht so viele Bergsteiger und Skitourengänger in den Bergen, die sich darauf verlassen in der Not gerettet zu werden. Die Natur und die Wildtiere wären wohl auch dankbar. Es wäre völlig ausreichend, wenn man nach der Schneeschmelze das zusammensammelt, was liegen geblieben ist und nicht dorthin gehört.

    • Egon am 13.02.2019 13:48 Report Diesen Beitrag melden

      @notes713

      ich finde es sollte keinen rettungsdienst und keine ambulanz mehr geben dann hat es auch nicht mehr soviel autofahrer auf den strassen... momol ergibt wirklich sinn

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  • Laura am 13.02.2019 08:40 Report Diesen Beitrag melden

    keine Ruhe mehr in den Bergen

    Früher fand man in den Bergen noch Ruhe. Doch in den letzten Jahren haben sich viele Bergsportarten zum Trend entwickelt. Biken, Klettern, Heliskiing, Skitouren, Gleitschirmfliegen, Schneeschuhwandern etc. Flora und Fauna leiden immer mehr darunter und selbst Natur- und Umweltschutzverbände tun nicht dagegen weil deren Mitglieder oft selbst solche Trendsportarten betreiben.

    • xxxx am 13.02.2019 08:54 Report Diesen Beitrag melden

      retour

      Du willst oben alleine sein - die anderen dürfen nicht hoch, recht egoistisch....

    • pepe am 13.02.2019 09:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Laura

      es gibt doch noch genügend Ruhe...musst halt etwas fern bleiben von den super bekannten Ausflugzielen...aber dass die Menschen sich mehr in der Natur bewegen ist doch eine gesunde Entwicklung

    • Seislerbueb am 13.02.2019 13:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Laura

      Wie recht du hast. Leider sind diese sogenannten "Grünen" grösstenteils Stadtmenschen welche die Natur nur in der Theorie kenne oder eben weil sie jene Trendsportarten selbst ausüben. Problematisch ist auch das stetige Bevölkerungswachstum in der Schweiz. Dieser wird leider von den genau selben Leuten unterstützt und vorangetrieben. Wildnis ist in der Schweiz jetzt schon beinahe inexistent. Unsere Vorfahren haben die Berge noch respektiert und gefürchtet. Heute wird alles niedergetrampelt und verfahren ohne jegliche Rücksicht auf Flora und Fauna. Hauptsache man kann etwas auf Instagram posten.

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  • M.S am 13.02.2019 07:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glück!

    Schön das du so ein riesen Glück hattes und so ein gutes Team,dass dich rettete. Aber hört bitte auf von Schutzengel zu sprechen,ist nicht fair denen gegenüber,die jemand durch einen tragischen Vorfall verloren haben.

    • Lara am 13.02.2019 07:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @M.S

      Hä? Das wäre ja auch ein tragischer Unfall gewesen? Darum spricht er von Schutzengeln? Sorry, verstehe Deinen Kommentar nicht..

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  • Aschi A. am 13.02.2019 01:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleichgewicht

    Das Spiel mit dem Gleichgewicht am Berg ist vielleicht eine lustvolle Methode um das psychische Gleichgewicht zu verbessern. Andere Menschen versuchen es mit der übermässigen Arbeit, Aktivität, Alkohol, Drogen, Reisen, Essen, Schreiben, Politisieren, Sport, Naturbetrachtungen, Medien usw. für jeden etwas.

  • Patricia am 13.02.2019 01:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bergsport

    Ohje, soviele Couchpotatoes hier, die unqalifizierte Kommentare von sich geben. Bergsportler sind in der Regel gut ausgebildet und können das Risiko einschätzen. Selbstverständlich können trotzdem immer wieder Unglücke geschehen. So wie auch Verkehrsunfälle. Ausserdem ist Bergsport nicht mit Pistenskifahren zu vergleichen. Übrigens: Schaut euch mal die Unfallstatistiken auf den Pisten an..